3.22 Rothenburg ob der Tauber

Die Stadt

Am westlichen Rand von Bayern und am Schnittpunkt von "Burgenstraße" und "Romantischer Straße", zwei der schönsten Ferienrouten in Deutschland, grüßt über dem lieblichen Taubertal das weltbekannte Rothenburg ob der Tauber. Zu erreichen ist es sehr bequem mit dem Pkw über die A 7 Würzburg-Augsburg oder mit der Bahn (ab Steinach Nahverkehrszug). Die mittelalterliche Stadt mit knapp 12 000 Einwohnern gehört zum Landkreis Ansbach

Die ehemals freie Reichsstadt Rothenburg ob der Tauber zählt ohne Zweifel zu den schönsten und romantischsten Städten in Deutschland. Jedes Jahr lockt sie große Besucherströme aus aller Welt an. Wie ein einziges mittelalterliches Denkmal ragt die Altstadt über die Tauber. Auf Grund seiner imponierenden Lage erhielt Rothenburg auch schon den Beinamen "fränkisches Jerusalem". Ein Spaziergang durch die Gassen ist wie eine Wanderung durch vergangene Jahrhunderte. In allen Winkeln kann die Geschichte bildhaft und allgegenwärtig erlebt werden. Mit den reichen Fachwerkhäusern und den trutzigen Wehranlagen hat die Stadt das Mittelalter fast unverändert bis heute überdauert, wenn sie auch in der Neuzeit für lange Zeit in die Bedeutungslosigkeit eines Provinznestes versunken war.

Wilhelm Heinrich von Riehl, Professor für Kulturgeschichte und Wiederentdecker der Stadt Rothenburg, schrieb 1865: "Noch heutigen Tags ehrt und erhält die Gemeinde ihre zahlreichen Denkmäler, die zum Teil gewiss nur noch fressendes Kapital sind, mit achtungswerter Treue. Die Bürger sind stolz darauf, dass sie jetzt einen so schönen öffentlichen Garten zwischen den Trümmern der Reichsburg geschaffen haben. Sie erhalten ihre Stadtmauern und Türme." Diese Beschreibung hat noch heute ihre Gültigkeit, mit der einzigen Ausnahme, dass die historischen Bauten nicht mehr fressendes, sondern das Kapital sind, das die Stadt so reich macht.

Wer Rothenburg kennen lernen möchte, sollte sich dafür unbedingt Zeit nehmen. Von April bis Dezember bietet die Stadt verschiedene Führungen in deutscher und englischer Sprache an. Viele Museen und Kirchen laden zur Besichtigung des bedeutenden kulturellen Erbes ein. Neben den historischen Sehenswürdigkeiten gibt es aber auch abseits der Hauptwege manche alte Häuser, Hinterhöfe und Brunnen zu entdecken. Besonders romantisch ist der abendliche Stadtrundgang mit dem Nachtwächter, wenn alle wichtigen Gebäude in mildem Licht angestrahlt sind. Selbst bei schlechtem Wetter braucht man sich den Aufenthalt nicht vermiesen zu lassen. Der Wehrgang der fast vollständig erhaltenen Stadtmauer ist zwischen der Klingenbastei und dem Kobolzeller Tor auf 2,5 km unter einem Dach begehbar.

Zur Geschichte

Um das Jahr 970 errichtete der ostfränkische Adlige Reinger auf der Bergnase hoch über dem Taubertal eine kleine Burg. Nach dem Aussterben der Grafen von Rothenburg 1108 gelangte die Anlage in den Besitz der Hohenstaufen. Als 1137 Konrad III. den deutschen Königsthron bestieg, hielt er Hof in Rothenburg und ließ die Reichsburg erbauen. Die Grafenburg überließ er den von ihm eingesetzten Vögten. Beim Tode Konrads 1152 war sein Sohn, das "Kind von Rothenburg", gerade erst acht Jahre alt. Daher übertrug man seinem Vetter Friedrich Barbarossa die Königswürde. Nur wenige Jahre später wurde der Nachkomme Konrads zum Ritter geschlagen und mit der Würde eines Herzogs von Rothenburg beliehen.

Im Schatten der Reichsburg entwickelte sich bald eine blühende Ansiedlung, die 1172 ihre Stadtrechte erhielt. Im selben Jahr begann auch der Bau der ersten Stadtmauer, von der noch der Weiße Turm, der Markusturm und der Röderbogen stehen. Doch kaum war der Befestigungsring fertiggestellt, war er auch schon zu eng. Eine Erweiterung wurde notwendig, bei der die heute im wesentlichen noch erhaltene Anlage erbaut wurde. Es entstand das Kobolzeller Tor, der Siebersturm, das Rödertor, das Würzburger Tor und das Klingentor.

1274 wurde Rothenburg eine freie Reichsstadt. Der wirtschaftliche Aufschwung ließ nicht lange auf sich warten, den auch das Erdbeben 1356, das beide Burganlagen bis auf wenige Reste zerstörte, nicht aufhalten konnte. Seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte er um 1400 unter dem berühmten Bürgermeister Toppler. Dessen Sommerrefugium, das Topplerschlösschen, ein wasserschlossartiger Wohnturm, liegt noch heute malerisch im Taubertal. Es ist original erhalten, lediglich die Einrichtung ist jüngeren Datums. Toppler ließ auch das Wildbad bauen und die Blasiuskapelle neu gestalten. Mit ihm selbst nahm es ein trauriges Ende. Er hatte auf den umstrittenen König Wenzel (1378 bis 1400) gesetzt. Als dieser gegen geltendes Recht abgesetzt und sein Bruder Ruprecht von der Pfalz auf den Thron gehoben wurde, begannen schlechte Zeiten für Rothenburg. Der neue König verhängte die Reichsacht über die Stadt und bestellte den Bischof von Würzburg und den Burggrafen von Nürnberg zu Vollstreckern. Eine langjährige Fehde mit dem Nürnberger endete mit der Verwüstung der Rothenburger Landhege und einem ungünstigen Friedensschluss 1408. Im gleichen Jahr fielen König Ruprecht die Briefe Topplers an den abgesetzten Wenzel in die Hände. Der verdiente Bürgermeister wurde wegen des Verdachts der Konspiration festgenommen und in eines der Verliese unter dem Rathaus gesperrt. Dort starb er drei Monate später, noch bevor ihm der Prozess gemacht werden konnte.

Mittelpunkt der Stadt war und ist das Rathaus, dessen Grundstein 1250 gelegt worden war. Das ursprünglich gotische Gebäude wurde Ende des 16. Jahrhunderts unter der Leitung des einheimischen Baumeisters Leonhard Weidmann zu einem für die damalige Zeit äußerst beeindruckenden Bau umgestaltet. Bis heute beherrscht er mit seiner prachtvollen Renaissancefassade den Marktplatz. 1631 im Dreißigjährigen Krieg ersuchte der kaiserliche Feldherr Tilly Rothenburg um Winterquartiere für seine Truppen. Seine Bitte wurde abgewiesen und die Bürger besetzten die Wehranlagen. Nach kurzer, energischer Gegenwehr mussten sie sich aber der Übermacht ergeben.

Der Überlieferung zufolge soll der damalige Bürgermeister Nusch das Leben von vier Ratsherren durch eine "Heldentat" gerettet haben. An seinen "Meistertrunk" wird noch heute erinnert, wenn sich mehrmals täglich die Butzenscheiben der Ratsherrentrinkstube am Marktplatz öffnen und der Altbürgermeister zur Freude der Zuschauer einen riesigen Humpen von 3.25 Liter köstlichen Frankenweins in einem Zug leert, während General Tilly hoheitsvoll nickt. Nach dieser selbstlosen Tat, so sagt man, musste Nusch drei Tage lang seinen Vollrausch ausschlafen. Fest steht jedenfalls, dass die Bürger Tilly um Gnade angefleht haben.

1802 verlor Rothenburg seine Unabhängigkeit und wurde Bayern angegliedert. Im 19. Jahrhundert wurde die Stadt allmählich für den Fremdenverkehr entdeckt. Der Verein "Alt-Rothenburg", 1898 gegründet, machte sich die Pflege der Heimatgeschichte und die Erhaltung des mittelalterlichen Stadtbildes zur Aufgabe. 1945 wurde die Altstadt bei einem Bombenangriff teilweise zerstört. Ihrer völligen Vernichtung entging sie durch das entschiedene Eingreifen eines amerikanischen Generals. In den folgenden Jahren wurde sie im alten Stil wieder aufgebaut.

Sehenswertes

Marktplatz, Rathaus, Ratsherrentrinkstube | Burggarten, Stadtbefestigung | Jakobskirche, Franziskanerkirche, Wolfgangskirche, Johanniskirche | Reichsstadtmuseum, Mittelalterliches Kriminalmuseum, Weihnachtsmuseum, Puppen- und Spielzeugmuseum

Historische Veranstaltungen und Festveranstaltungen 

Der Meistertrunk, Der Schäfertanz, Hans-Sachs-Spiele, Ostern, Pfingstfestspiele, Reichsstadt-Festtage, Weihnachtsmarkt

Freizeitangebote

Die gemütlichen Cafés und Wirtshäuser in Rothenburg ob der Tauber mit ihren fränkischen Spezialitäten vom "Schneeballen" bis zur urigen Vesper mit dem berühmten Frankenwein aus der Bocksbeutel-Flasche bieten fränkische Gastlichkeit, die von Herzen kommt. 

Rothenburg ob der Tauber lädt zu erholsamen Spaziergängen auf den Wegen der Grünanlagen ein und ist Ausgangspunkt für Wanderungen und Radtouren durch das Taubertal oder zum Naturpark "Frankenhöhe" sowie für weitere Ausflüge entlang der Touristik-Routen "Burgenstraße" und "Romantische Straße", die sich hier kreuzen. Das Hallenbad "Frankenfreizeit" lockt mit Schwimmbecken, Sauna und Kegelbahnen.

Eine Reihe von Festveranstaltungen und historischen Veranstaltungen bereichert das Angebot der Stadt für interessierte Gäste. Es gibt also genügend Gründe, dieses Kleinod des Mittelalters zu besuchen.

Rothenburg ob der Tauber | Marktplatz, Rathaus, Ratsherrentrinkstube | Burggarten, Stadtmauer | Kirchen in Rothenburg | Museen in Rothenburg | Historische Veranstaltungen, Festveranstaltungen

Burgenstraße

 

 

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Burgenstraße

1 Mannheim – Neckarzimmern

2 Haßmersheim – Heilbronn

3 Jagsthausen – Rothenburg o. d. Tauber

3.01 Weinsberg
3.02 Burgruine Weibertreu

3.03 Jagsthausen
3.04 Götzenburg

3.05 Öhringen
3.06 Hohenlohisches Residenzschloss

3.07 Neuenstein
3.08 Schloss Neuenstein

3.09 Waldenburg
3.10 Schloss Waldenburg

3.11 Schwäbisch-Hall
3.12 Groß-Comburg
3.13 Schwäbisch-Hall – Kirchen
3.14 Schwäbisch-Hall – Museen

3.15 Braunsbach

3.16 Crailsheim

3.17 Langenburg
3.18 Schloss Langenburg

3.19 Blaufelden

3.20 Schrozberg
3.21 Stadtteil Bartenstein – Schloss Bartenstein

3.22 Rothenburg ob der Tauber
3.23 Marktplatz, Rathaus, Ratsherrentrinkstube
3.24 Burggarten, Stadtmauer
3.25 Kirchen in Rothenburg
3.26 Museen in Rothenburg
3.27 Historische Veranstaltungen, Festveranstaltungen

4 Colmberg – Nürnberg

5 Erlangen – Heiligenstadt

6 Bamberg – Bayreuth

7 Cheb – Prag

 

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