3.23 Marktplatz, Rathaus und Ratsherrentrinkstube in Rothenburg ob der Tauber

Marktplatz

Der Marktplatz bildet wie zu der Zeit, als er angelegt wurde, noch heute den lebendigen Mittelpunkt von Rothenburg ob der Tauber und gilt als einer der schönsten in Deutschland. Hier treffen sich die Einheimischen beim Wochenmarkt und zum Plaudern ebenso wie die Touristen zum Beginn einer Stadtführung, zum historischen Schäfertanz oder zum "Einzug der Kaiserlichen Truppen" im Rahmen des Festspiels "Der Meistertrunk". Von hier aus richtet sich der Blick auf die berühmten Gebäude wie das Rathaus, die rechts davon anliegende Ratsherrentrinkstube, die Patrizierhäuser auf der Ostseite oder das ehemalige Fleisch- und Tanzhaus an der Südseite hinter dem St. Georgsbrunnen. 

Rathaus

Das beherrschende Gebäude auf dem Marktplatz von Rothenburg ob der Tauber ist das prächtige Rathaus. Es gilt als einer der imposantesten Profanbauten seiner Art im Renaissancestil nördlich der Alpen. 

Zur Geschichte

Das heutige Rathaus hatte einen Vorgänger, einen gotischen Doppelbau aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Der westliche Teil des ursprünglichen Gebäudes mit dem hohen, schlanken Glockenturm ist bis heute erhalten geblieben. Seine jetzige Form erhielt er zwischen 1555 und 1558. Der heute zur Besichtigung freigegebene Turm diente bis in jüngster Zeit als Wächterturm. Der östliche Teil des alten Rathauses fiel 1501 einem Brand zum Opfer. Dabei verbrannte auch ein erheblicher Teil des Archivs. 

Unter der Leitung des einheimischen Baumeisters Leonhard Weidmann entstand der Ostflügel zwischen 1572 und 1578 als Renaissance-Neubau. Der barocke Arkadenbau wurde wohl anstelle einer älteren Laube erst 1681 vorgesetzt. Im 19. und 20. Jahrhundert fanden mehrere Restaurierungen statt, die jedoch das äußere Erscheinungsbild kaum veränderten. Die umfangreichste wurde notwendig, nachdem das Rathaus 1945 bis auf die Gewölbe über dem Erdgeschoss ausgebrannt war. 

Die Außengestalt

Die Gruppierung der Bauteile des Rathauses ist bedingt durch die bestehenden Örtlichkeiten, den leicht ansteigenden Marktplatz und das Zusammentreffen zweier Straßen an der Südseite. Die Hauptansicht fasst daher die beiden Fassaden über Eck zusammen (Ost- und Südseite). Die Marktplatzfassade mit strenger horizontaler Linienführung der Fensterreihen und Gesimse, die von einem schlichten Treppenturm unterbrochen wird, der reiche Erker an der Ecke mit dem Meisterbildnis, der lebhaft gegliederte Renaissancegiebel an der Südseite sowie der schmucklose gotische Giebel mit dem 60 m hohen, von Rittern umstellte Firstturm vollziehen in ihrer Aufeinanderfolge eine Steigerung in den Umrisslinien bei abnehmendem Schmuckreichtum. 

Einen reizvollen Nebenakzent setzt das von einer Säulenädikula eingerahmte Portal an der Südseite. Der Giebel des Portals trägt den gekrönten Reichsadler und drei Wappen, deren Originale sich im Reichsstadtmuseum befinden. Neben dem Portal sind vier Schmiede-Eisenstangen angebracht, die geeichte Längenmaße angeben. Der der Marktplatzfassade vorgesetzte barocke Arkadenbau fügt sich harmonisch in die Gesamtansicht ein. Seine Rundbögen schmücken die Wappen der Kurfürsten, des Reiches und der Stadt. Der halbseitig vortretende, achteckige Treppenturm steht nicht genau in der Mitte. Nach oben abgeschlossen wird er von einer Flachkuppel mit aufgesetztem Glockengehäuse. 

Die Innenräume

Über eine harmonisch geschwungene Wendeltreppe gelangt man in die Vorhalle des ersten Obergeschosses mit seiner schweren Balkendecke. Dort zieren Wappen bekannter Patrizierfamilien die Wände zu beiden Seiten des prächtigen Portals. Ein Gemälde zeigt den bedeutendsten Politiker der Stadt, den Bürgermeister Heinrich Toppler, in Ritterrüstung. An den Schwedenkönig Gustav Adolf, der hier 1632 übernachtete, erinnert eine Bronzetafel. Hier befinden sich auch die Gerichtsschranken, die ursprünglich im Kaisersaal untergebracht waren. Den Kaisersaal betritt man durch die mittlere Tür. Er zählt zu den imponierendsten Räumen deutscher Gotik. Eine hohe, mächtige Holzdecke überspannt den lang gestreckten Saal. Man sieht ein Relief aus dem 14. Jahrhundert mit einer Darstellung des Jüngsten Gerichts. 

Die geräumige Vorhalle im zweiten Obergeschoss ist weit weniger aufwendig gestaltet als die des ersten Obergeschosses. Dafür imponiert hier das prächtige Maßwerk an der Decke des Treppenturms mit den Wappen der Stadt, des Reiches und der sieben Kurfürsten sowie dem Monogramm des Baumeisters Leonhard Weidmann. Über das Dachgeschoss gelangt man nach teils steilem und engem Aufstieg in den 60 m hohen Rathausturm. Oben angekommen, hat man einen herrlichen Rundblick über die Dächer und Giebel der mittelalterlichen Stadt. Von hier blasen auch die Stadtmusikanten bei Hochzeiten und anderen festlichen Anlässen ihre Choräle. 

Zu besichtigen sind auch die Historiengewölbe im Erdgeschoss. Der Weg dorthin führt über den Lichthof, der beide Gebäudeteile des Rathauses trennt, und durch ein reich ornamentiertes Renaissanceportal.  Im Historiengewölbe sind Ausstattungsstücke und Szenen des Dreißigjährigen Krieges zu bewundern. Von dort führt eine Treppe hinunter zu den Verliesen und der Folterkammer. So mancher Verdächtige wurde hier wohl schon zum Reden gebracht, ohne dass sein Schmerzensschrei ins Freie drang, bevor er dann vielleicht Jahre lang in einem der drei engen, stockdunklen Kerker schmachten musste. Auch Bürgermeister Toppler saß einst hier ein.
Öffnungszeiten: April bis Oktober täglich 9.30 bis 12.30 Uhr und 13 bis 17 Uhr, November bis März nur sonntags 12 bis 15 Uhr

Ratsherrentrinkstube

Direkt neben dem Rathaus steht die Ratsherrentrinkstube. Das Gebäude wurde im 15. Jahrhundert als Treffpunkt der ratsfähigen Familien erbaut. Während das Obergeschoss als Trinkstube eingerichtet wurde, diente das Erdgeschoss ab 1550 als Mehlwaage. Die Kunstuhr an der Giebelseite stammt aus dem Jahre 1683. Die Meistertrunk-Darstellung mit Schnitzfiguren von Tilly und Altbürgermeister Nusch wurde 1910 geschaffen. Sie wird zwischen 11 und 15 Uhr und zwischen 20 und 22 Uhr stündlich vorgeführt. 

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