3.19 Blaufelden

Der Ort

Blaufelden liegt im Nordosten von Baden-Württemberg an der Grenze zu Bayern. Mit den Ortsteilen Billingsbach, Gammesfeld, Herrentierbach, Wiesenbach und Wittenweiler zählt die Gemeinde etwas über 5000 Einwohner. Verwaltungsmäßig gehört sie zum Landkreis Schwäbisch-Hall. Blaufelden ist ein zentraler wirtschaftlicher Marktort mit vielen Vermarktungsanlagen (Zuchtvieh-, Schweine- und Ferkelversteigerungen), geprägt von der Landwirtschaft, lebhaftem Handel, aber auch traditionsreichem Handwerk und umweltfreundlichen Industriebetrieben. Die ländlich ruhige Lage inmitten von Feldern, Wiesen und Flusstälern verspricht dem Besucher einen angenehmen und erholsamen Aufenthalt.

Von den historischen Gebäuden in Blaufelden ist bis auf die dominierende Wehrkirche aus dem 15. und 16. Jahrhundert wenig erhalten. Am Ortsrand sind noch die Spuren einer Turmhügelburg zu erkennen. Die Ortsteile weisen jedoch einige Kulturgüter auf. Gammesfeld bietet ein ehemaliges Wasserschloss (heute Rathaus) und eine Wehrkirche aus dem 13./14. Jahrhundert. In Engelhardshausen ragt die 1350 erbaute Leonhardskirche aus dem Dorf empor. Zwischen Wiesenbach und Engelhardshausen ist noch die um 1430 angelegte "Landhege" der Freien Reichsstadt Rothenburg ob der Tauber erkennbar. In Wiesenbach erinnert die Oberkampf-Stube an den 1738 in dem Ort geborenen Erfinder eines Bahn brechenden Stoffdruckverfahrens.

Zur Geschichte

Im ersten Jahrhundert vor Christus gab es bei Blaufelden bereits eine keltische Siedlung. Sie lag etwa 800 Meter von der Ortsmitte entfernt. Blaufelden selbst ist wohl eine fränkische Gründung aus dem  8. Jahrhundert. Die schriftlich überlieferte Geschichte begann mit der ersten Erwähnung 1157, als ein "Einwich von Blaufelden" als Zeuge in der Gründungsurkunde des Klosters Neusatz (heute Schöntal an der Jagst) genannt wurde. 

Blaufelden gehörte von früher Zeit an zur Herrschaft Werdeck. Sie entwickelte sich an der Kreuzung zweier wichtiger Verkehrsachsen, der Straße von Crailsheim nach Mergentheim und jener von Künzelsau nach Rothenburg ob der Tauber. Später kam Blaufelden in den Besitz der hohenlohischen Fürsten, die es ihrerseits aus finanziellen Gründen 1399 an die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach verkauften. Überörtliche Bedeutung erlangte Blaufelden, als es 1401 Sitz eines Hochgerichts und ihm das Marktrecht zugesprochen wurde, das noch heute im Schweinemarkt seinen Ausdruck findet. 1449 war das Jahr des Städtekrieges, in dem sich Fürsten und Reichsstädte erbittert bekämpften. Auch über Blaufelden loderten die Brandfackeln. 

Im 16. Jahrhundert hielten die reformatorischen Thesen Martin Luthers in Blaufelden ihren Einzug. 1526 wurde Georg Amersbacher erster evangelischer Pfarrer, der Götz von Berlichingen in Freundschaft verbunden war. Der Ritter wurde zwei Jahr später im Blaufeldener Gasthaus "Zum Hirschen" von den Soldaten des Schwäbischen Bundes verhaftet. Im Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) hatte der Ort unter Truppendurchzügen, Einquartierungen, Überfällen, Morden und Plünderungen zu leiden. Dem Krieg folgte die Pest, die allein 125 Menschenleben forderte. Viele Höfe standen leer und ein Großteil der Felder konnte nicht mehr bestellt werden. 1791 fiel Blaufelden an Preußen. 1806 wurde es bayerisch, bevor es vier Jahre später an Württemberg kam.

An der wirtschaftlichen Entwicklung des 19. Jahrhunderts nahm das landwirtschaftlich geprägte Dorf kaum teil. Es blieb aber wegen seiner zentralen Lage und seiner Viehversteigerungen von Bedeutung. 1834 entstand der Marktplatz, nachdem der Friedhof an die Rothenburger Straße verlegt worden war. 1869 erhielt Blaufelden mit der Eröffnung der Bahnstrecke Crailsheim-Mergentheim Anschluss an das Schienennetz. 1900 wurde die Bahnstrecke Blaufelden-Langenburg fertiggestellt. 

Der Zweite Weltkrieg brachte in viele Familien von Blaufelden persönliches Leid und schlug schwere äußere Wunden. Aber dem zähen Aufbauwillen der Bürger gelang es, die Kriegsschäden in den folgenden Jahren zu beseitigen. In den 1970er Jahren wuchs der Ort durch die Eingemeindung von fünf umliegenden Orten an. 

Sehenswertes

Wehrkirche / Pfarrkirche St. Ulrich

Die evangelische Pfarrkirche St. Ulrich von Blaufelden erhebt sich auf einer kleinen Erhöhung im Ort. Dort stand zunächst die Burg der Herren von Blaufelden. Spätestens ab 1280 gehörte zur Burganlage eine Kapelle. Sie war dem heiligen Ulrich geweiht und eine Filialkirche des etwa 10 km entfernten Pfarrei Michelbach. Während der Ära der hohenlohischen Herrschaft war ein Angehöriger dieses Geschlechts Bischof in Würzburg. Auf die Bitte seiner Familie erhob er 1362 die Kapelle zur Pfarrkirche. Zum Schutz der Bevölkerung wurde der Friedhof mit einer Mauer umgeben, um als Zufluchtsstätte im Kriegsfall zu dienen. Diese beiden Faktoren, Burganlage und ummauerter Friedhof, erklären, warum die Kirche bis heute eine sehr schlanke Erscheinung hat. Im 15. Jahrhundert wurde mit dem Bau der heutigen Kirche begonnen. 1490 war das Kirchenschiff fertiggestellt. 1502 bis 1509 wurde der Chor mit dem Turm darüber errichtet. Mit der Einführung der Reformation in Blaufelden im Jahre 1526 wurde die Ulrichskirche evangelisch. 

Der Kirchturm ist ein wuchtiger Wehrturm mit einer Wendeltreppe im Innern und einer steilen, leicht zu verteidigenden Außentreppe, die in den ersten Stock führt. Die Schießscharten zeugen noch heute von der Funktion, die Bürger im Ernstfall auch aktiv zu schützen. Die älteste Glocke wurde 1505 installiert. Die Kreuzigungsgruppe über dem Altar stammt aus dem Jahre 1718. Der Chorraum wird überspannt von einem Netzrippengewölbe von 1502. Man sieht darin die Abbildung der vier Evangelisten. Im Kirchenschiff ist die bemalte Stuckdecke aus dem 18. Jahrhundert ein Blickfang, die mit Früchten und Ornamentik an die ländliche Lage von Blaufelden erinnert. Darüber erstreckt sich auf der ganzen Länge ein "Fruchtkasten", in dem die Abgaben der Bevölkerung an das Fürstenhaus gelagert wurden.

Rathaus

Nachdem lange Zeit Bürgermeister und Gemeinderat in Wirtshäusern amtieren mussten, wurde 1884 der Grundstein für ein Rathaus gelegt. Nach nur 15 Monaten Bauzeit erfolgte die Einweihung. Im Jahre 1966 wurde, dem damaligen Zeitgeist entsprechend, die Marktplatzseite mit Eternit-Platten eingekleidet, so dass das Rathaus unansehnlich grau wurde. 1978 entschied sich der Gemeinderat für eine umfassende Renovierung, bei der die heutige Optik geschaffen wurde. Im Jahre 1993 wurde der Marktplatz mit Brunnen und Pavillon neu gestaltet.

Freizeitangebote

Blaufelden verfügt über ein Sportzentrum mit Tennisplätzen, einer Laufbahn und einer Freizeitanlage mit Hallentennis, Squash, Kegelbahnen und Sauna. Wasserfreunde können sich im Hallenbad Blaufelden, im Freibad Wiesenbach oder im Billingsbacher See vergnügen. In der näheren Umgebung gibt es mehrere Landschaftsschutzgebiete mit gut ausgebauten Wanderwegen, Fahrradwegen, Rastplätzen und kinderfreundlichen Waldspielplätzen. 

Ferkelmarkt

Jeden Mittwoch findet auf dem Versteigerungsgelände der Ferkelmarkt statt. Er gilt als der zweitgrößte seiner Art in Europa. In größeren Abständen werden die Absatzveranstaltungen des Schweinezuchtverbandes und des Fleckviehzuchtverbandes veranstaltet. 

Hohenloher Volksfest und andere Feste

In Blaufelden werden das ganze Jahr über zahlreiche Feste und Veranstaltungen gefeiert. Die Höhepunkte bilden das Marktplatzfest am ersten Augustwochenende und das Hohenloher Volksfest, das immer zu Pfingsten stattfindet. Krämermarkt und Vergnügungspark sorgen dabei mehrere Tage lang für festliche Stimmung in der Stadt. Alle fünf Jahre ist ein Heimattag mit Festumzug mit dem Hohenloher Volksfest verbunden. 

Burgenstraße

 

 

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Burgenstraße

1 Mannheim – Neckarzimmern

2 Haßmersheim – Heilbronn

3 Jagsthausen – Rothenburg o. d. Tauber

3.01 Weinsberg
3.02 Burgruine Weibertreu

3.03 Jagsthausen
3.04 Götzenburg

3.05 Öhringen
3.06 Hohenlohisches Residenzschloss

3.07 Neuenstein
3.08 Schloss Neuenstein

3.09 Waldenburg
3.10 Schloss Waldenburg

3.11 Schwäbisch-Hall
3.12 Groß-Comburg
3.13 Schwäbisch-Hall – Kirchen
3.14 Schwäbisch-Hall – Museen

3.15 Braunsbach

3.16 Crailsheim

3.17 Langenburg
3.18 Schloss Langenburg

3.19 Blaufelden

3.20 Schrozberg
3.21 Stadtteil Bartenstein – Schloss Bartenstein

3.22 Rothenburg ob der Tauber
3.23 Marktplatz, Rathaus, Ratsherrentrinkstube
3.24 Burggarten, Stadtmauer
3.25 Kirchen in Rothenburg
3.26 Museen in Rothenburg
3.27 Historische Veranstaltungen, Festveranstaltungen

4 Colmberg – Nürnberg

5 Erlangen – Heiligenstadt

6 Bamberg – Bayreuth

7 Cheb – Prag

 

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