3.24 Burggarten und Stadtmauer in Rothenburg ob der Tauber

Burggarten / Burgtor

Das Gelände der ehemaligen Reichsburg betritt man beim ältesten und höchsten Torturm von Rothenburg ob der Tauber durch eine Seitenpforte. Der Bau einer Toranlage wurde nach der Zerstörung der staufischen Burg 1356 durch ein Erdbeben und ihrer anschließenden Abtragung notwendig und gleich in den folgenden Jahren verwirklicht. Am mittleren Torbau sind noch die Öffnungen für die Ketten der Zugbrücke zu sehen und die Maske, durch deren Mundöffnung heißes Pech auf potentielle Angreifer geschüttet werden konnte. Im Innern der Torflügel befindet sich ein Durchlass für nur eine Person, so dass die Wachhabenden für einzelne Ankömmlinge nicht gleich den ganzen Flügel öffnen mussten.

Der heutige Burggarten ist eine gepflegte Parkanlage, in der man Ruhe und Muße finden kann. Von den Befestigungsanlagen der alten Reichsburg sind noch die Ummauerung an den drei Talseiten des Bergsporns und der untere Teil des Tors an der Westseite erhalten. Das ehemalige Westtor übt heute die Funktion eines Gärtnerhauses aus. Das einzige Gebäude der Reichsburg, das das Erdbeben zumindest teilweise überstand, war wahrscheinlich der um 1200 errichtete Palas. Um 1400 ließ Bürgermeister Toppler die Ruine als Kapellenraum wieder aufbauen und mit Wandmalereien ausschmücken. Von dem Freskenzyklus sind jedoch nur noch wenige Darstellungen gut erkennbar. Im 17. und im frühen 20. Jahrhundert wurden Holzemporen in die ehemalige Blasiuskapelle eingebaut. Heute dient das Gebäude als Gedächtnisstätte für die Gefallenen der beiden Weltkriege.

Stadtbefestigung

Um 1200 wurde im Anschluss an die Mauern der Burg im Westen ein hufeisenförmiger Befestigungsring um die innere Altstadt von Rothenburg gezogen. Er bestand aus Wall, Graben und dahinterliegender Stadtmauer. Sie wies damals eine Länge von etwa 1400 Metern auf. Durch die Bevölkerungszunahme im 13. Jahrhundert wurde eine Erweiterung der Stadtbefestigung notwendig. Zunächst diente ein Palisadenzaun notdürftig zum Schutz, der vor allem in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts durch eine Mauer mit Toren und Türmen ersetzt wurde. Ende des 14. Jahrhunderts wurde auch die südliche Spitalvorstadt in den Befestigungsring einbezogen. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Vormaueranlagen eingeebnet und der Wehrgang teilweise abgebrochen. Die im Zweiten Weltkrieg zerstörten Mauerzüge, Toranlagen und Türme wurden 1947 wieder instand gesetzt.

Die Gesamtbefestigung besteht heute aus 43 Tortürmen und Mauertürmen und der Stadtmauer mit einer Gesamtlänge von über 3,4 km. Letztere ist auf einer Strecke von rund 2,5 km überdacht und begehbar. Von der inneren Befestigung sind neben den Mauerzügen im Nordosten der Weiße Turm mit einem Kreuzigungsrelief aus dem 14. Jahrhundert am benachbarten Gebäude und anschließendem Judentanzhaus und einem Gärtchen mit jüdischen Grabsteinen aus dem Mittelalter, im Osten der Markusturm mit dem Röderbogen und im Westen das bereits erwähnte Burgtor erhalten. Zur Außenbefestigung gehören unter anderem der Strafturm und das Klingentor mit der Wolfgangskirche im Nordwesten, der Pulverturm und der Henkersturm im Norden, der Kummerecksturm im Nordosten, das Würzburger Tor bzw. Galgentor, der Thomasturm, der Weiberturm, das Rödertor, der Hohennersturm, der Schwefelturm und der Faulturm im Osten, Großer und Kleiner Stern und die Spitalbastei im Süden (Ummauerung der Spitalvorstadt) sowie das Kobolzeller Tor und der benachbarte Siebersturm im Südwesten. Einige der erwähnten Befestigungsanlagen verdienen eine nähere Betrachtung.

Klingentor / Wolfgangskirche (Wehrkirche)

Der 30 Meter hohe Klingenturm mit seiner gemütvollen Laternenhaube entstand im 13. Jahrhundert. Seit dem 16. Jahrhundert diente er als Wasser-Hochbehälter und versorgte die Röhrenbrunnen der Stadt. In der vorgesetzten Bastei fällt sofort die turmlose Wolfgangskirche auf. Das Gotteshaus war von Anfang an als Festungskirche geplant. Chor und Sakristei sind mit Wehranlagen ausgestattet.

Rödertor

Der Hauptturm (13. Jahrhundert) stellt den ältesten Teil der interessanten Toranlage dar. Er kann bestiegen werden und bietet einen schönen Rundblick über die westliche Wehranlage und die Dächer der Altstadt. In der Turmstube ist eine Sammlung von Dokumenten und Bildern von 1945 ausgestellt, als die Stadt besonders in diesem Bereich zerstört wurde. Das Vortor flankieren zwei hübsche, spitzbehelmte Zoll- und Wachhäuschen.

Spitalbastei

Das jüngste und mächtigste Bollwerk der Stadtbefestigung, die Spitalbastei, befindet sich am südlichen Abschluss der Stadtmauer. Leonhard Weidmann war der Baumeister dieser mit 7 Toren, Fallgittern und einer Zugbrücke versehenen Anlage. Der Schlussturm am äußersten Torbogen trägt neben der Jahreszahl 1586 die lateinische Inschrift "Pax Intrantibus, Salus Exentibus", deren Übersetzung lautet: "Friede den Eintretenden, Heil den Hinausgehenden".

Kobolzeller Tor

Nach der ersten Stadterweiterung bildete das Kobolzeller Tor die Südwestspitze der Stadtbefestigung. Wenn man sich in der langgestreckten, rechteckigen Bastei befindet, kann man gut die Schwierigkeiten nachvollziehen, die man vom Wehrgang aus einem Angreifer bereiten konnte. Das äußere Tor, an das sich ein Wach- und Zollhäuschen anlehnt, ist außen wappengeschmückt. Vom inneren Torturm gelangt man auf den Wehrgang und den zinnengekrönten Ausguck "Teufelskanzel".

Siebersturm / Plönlein

Vom Kobolzeller Tor führt ein Gässchen mit Stufen hinauf zum Siebersturm. Dieser Torturm entstand wie das Kobolzeller Tor bei der ersten Stadterweiterung. Der an seiner Außenseite mit Buckelquadern bewehrte Siebersturm diente als südliche Stadteinfahrt. Nur wenige Schritte davon entfernt liegt das Plönlein, ein kleiner dreieckiger Platz. Der Name stammt von dem lateinischen Wort "planum" ab, das eine "ebene Fläche" bezeichnet. An diesem Platz befindet sich ein reizvolles schmales Fachwerkhaus mit Brunnen, das vom Kobolzeller Tor und dem höher stehenden Siebersturm umrahmt wird.

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