3.02 Burgruine Weibertreu bei Weinsberg

Burgruine Weibertreu

Die Burgruine Weibertreu war eine ehemalige Reichsburg. Als Wahrzeichen und Erkennungsmerkmal von Weinsberg erhebt sie sich weithin sichtbar auf einem Bergkegel über dem Sulmtal. Nicht nur wegen ihrer historischen Bedeutung, sondern auch wegen ihrer landschaftlichen Schönheit wird sie jährlich von vielen Besuchern aufgesucht. Die Burg gewährt nicht nur interessante Einblicke in die Zeit früherer Jahrhunderte, sondern auch einen atemberaubenden Rundblick, der an klaren Tagen bis zum Schwäbischen Wald reicht.

Zur Geschichte

Die ehemalige Burg Weinsberg zählt zu den ältesten Hochadelsburgen in Deutschland. Sie bestand vermutlich schon im 10. Jahrhundert. Nach alter Überlieferung war sie in den ersten Jahrzehnten des 11. Jahrhunderts Wohnsitz der Gräfin Adelheid, der Mutter Kaiser Konrads II. und Stammmutter des salischen Kaiserhauses, und ihres Sohnes Gebhard von Regensburg. Auch ihr Enkel, Bischof Adalbero von Würzburg, fand nach seiner Vertreibung um 1080 hier Unterschlupf. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Burg im Besitz der Grafen von Calw. Von diesen ging sie 1130 durch Erbschaft an Herzog Welf VI. von Bayern über.

Im Jahre 1140 wurde Burg Weinsberg im Streit um die deutsche Königskrone Schauplatz eines erbitterten Familienkampfes zwischen Welfen und Staufern. Nach mehrwöchiger Belagerung und offener Feldschlacht konnte König Konrad III. einen überwältigenden Sieg erringen und die welfische Burgbesatzung zur Übergabe zwingen. An die damalige Kapitulation knüpft die Erzählung von den "Treuen Weibern von Weinsberg" an. Konrad III. gewährte den Frauen freien Abzug mit aller persönlichen Habe, die sie auf dem Rücken tragen könnten. Die listigen Weiber nahmen einfach ihre Männer huckepack und trugen sie aus der Burg. Damit retteten sie deren Leben. Es spricht für den Großmut des Stauferkönigs, dass er die List den Frauen nicht übelnahm. "Es schickt sich nicht, ein Königswort zu wandeln", ließ er vernehmen. Diese Geschichte regte und regt immer wieder die Phantasie vieler Künstler an, wie im Weibertreu-Museum im Rathaus zu sehen ist.

Ab 1150 diente Burg Weinsberg den Herren von Weinsberg, die als staufische Ministeriale im Dienst des Reiches standen. Zu den bedeutendsten Persönlichkeiten dieses Geschlechts zählten der Reichserbkämmerer Konrad IX. von Weinsberg (1370 bis 1448) und Erzbischof und Kurfürst Konrad von Mainz (1390 bis 1396). Nach 65jähriger Zugehörigkeit zur Kurpfalz ab 1440 kam Burg Weinsberg 1505 in württembergischen Besitz. Ein Jahr zuvor war sie im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekrieges teilweise zerstört worden. Herzog Ulrich von Württemberg ließ die Anlage wieder aufbauen und einen Batterieturm, den so genannten dicken Turm, anfügen. Im Bauernkrieg wurde die Burg wie auch die Stadt niedergebrannt und blieb seitdem bis heute Ruine, obwohl Herzog Johann Friedrich zwischen 1608 und 1620 Aufbauversuche unternahm. Über Jahrhunderte wurde sie als Steinbruch genutzt.

Als es darum ging, die Burg Weibertreu vor dem totalen und endgültigen Verfall zu retten, waren es wieder einmal Frauen, die in die Bresche sprangen. 1823 kümmerte sich der Weinsberger Frauenverein um den Erhalt und machte das Burgareal der Öffentlichkeit zugänglich. Gründer dieses Vereins war jedoch ausgerechnet ein Mann, der Arzt und Dichter Justinus Kerner. Noch heute befindet sich die Anlage im Besitz des Frauenvereins.

Die Anlage

Von der Burg Weibertreu sind nur noch wenige Reste erhalten. Der Palas und seine Nebengebäude sind völlig verschwunden. Als imposantestes Bauwerk präsentiert sich der so genannte dicke Turm im Nordosten der Anlage, der zu Beginn des 16. Jahrhunderts erbaut wurde. Der mächtige, runde Geschützturm wurde unter Justinus Kerner auch als "Äolenharfenturm" bekannt. Am dicken Turm können sich Besucher mit einer besonderen Lektüre beschäftigen. Das "Steinernen Album" enthält Inschriften, mit denen sich romantische Dichter verewigt haben.

Ein zweiter Turm steht an der Südostseite der Burg Weibertreu. Er war in früherer Zeit einer der beiden Ecktürme der Kernburg. Vermutlich hatte er die Funktion, den ehemaligen Burgeingang zu schützen. Der alte Burgeingang ist heute zugemauert und wurde im 19. Jahrhundert durch einen neuen ersetzt. Der achteckige dicke Turm wird heute gern als Aussichtsturm genutzt.

Außer den beiden erwähnten Türmen sind noch die Ringmauer, ein Zwinger auf der Nordseite, Reste des früheren Torturmes auf der Ostseite und Reste des einst hohen, rechteckigen Bergfrieds erhalten, die überwiegend aus spätmittelalterlicher Zeit stammen. Besondere Beachtung verdient dabei die so genannte Königsmauer mit den Namen von Fürstlichkeiten, welche die Burg besucht haben.

Nach Voranmeldung sind für Gruppen eigene Burgführungen (ca. 1 Stunde) oder im Zusammenhang mit einer Stadtführung (ca. 2 Stunden) möglich. Die Burg ist täglich geöffnet.

Burgfestspiele

Die Burgruine Weibertreu bildet inzwischen alle zwei Jahre die romantische Kulisse für die Weinsberger Burgfestspiele. Diese fanden 1990 erstmals anlässlich des 750jährigen Stadtjubiläums von Weinsberg mit einer Aufführung der Geschichte der "Treuen Weiber" statt. 1994 wurde der Theaterverein Weinsberg gegründet.

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