3.07 Neuenstein – Hohenlohe

Die Stadt

In Neuenstein, der ehemaligen fürstlichen Residenz, mit seinen Teilorten Eschelbach, Grünbühl, Kesselfeld, Kirchensall, Kleinhirsenbach und Obersöllbach leben heute ca. 6000 Menschen. Verwaltungsmäßig gehört das kleine Landstädtchen zum Hohenlohekreis mit Sitz in Künzelsau. Neuenstein liegt in der reizvollen Ebene von Öhringen am Fuße der Waldenburger Berge. Hier kreuzen sich die Burgenstraße und der Landesradwanderweg. Mit einer Autobahnauffahrt zur A 6 und einer Bahnstation an der Bahnlinie Heilbronn-Nürnberg verfügt Neuenstein über gute Verkehrsanbindungen.

Das imposanteste Bauwerk von Neuenstein ist sicherlich das Schloss Neuenstein. Die Altstadt zieren mehrere alte Wohnhäuser und historische Gebäude, darunter das Rathaus, das eine schöne Fachwerkkonstruktion über dem in Rokokoformen gehaltenen Unterstock zeigt, und die evangelische Stadtkirche aus dem 15. Jahrhundert. Bei Emmertshof befindet sich mit einer 700 Jahre alten Eiche ein Naturdenkmal der besonderen Art.

Geschichte

In der Umgebung von Neuenstein lebten schon in frühgeschichtlicher Zeit Menschen. Die Römer bewohnten dieses Gelände jedoch nicht, da es in den Landstreifen unmittelbar vor dem Limes fiel. Dieser wurde von ihnen grundsätzlich siedlungsfrei gehalten. Die Alemannen bevorzugten nach ihrem Einbruch in das weströmische Reich schon gerodetes Land. Erst als ihnen das waldfreie Gebiet nicht mehr genügte, begannen die Bauern, kleinere Flächen zu roden und darauf Einzelhöfe zu errichten. Auch bei Neuenstein begegnet man in Urkunden den Namen verschiedener Höfe (Stretelnhof, Haaghof, Ahelfinger Hof). Zu den ältesten Rodungen gehören auch die noch jetzt bestehenden Weiler Klumpenhof und Eichhof. Wahrscheinlich waren alle diese Höfe auf früherem Königsgut errichtet worden, das später in den Besitz des Öhringer Stifts überging.

Die schriftlich belegbare Geschichte von Neuenstein begann erst mit dem Bau einer Burg der Herren von Stein, deren Nachkommen sich Neuenstein nannten. Um 1300 kam die Burg in den Besitz der Grafen von Hohenlohe. Als der Bischof von Regensburg in Streit mit dem Kaiser geriet, wurden die Hohenloher mit der Vogtei über die Regensburger Güter in und um Öhringen betreut. Auf Burg Neuenstein nahmen sie ihren Wohnsitz.

Da die Burg allein für die Verwaltung des großen Gebietes nicht mehr ausreichte, wurde seit 1351 die dazugehörige Siedlung zu einer Stadt ausgebaut. Diese konnte sich ungestört ausdehnen und zum wichtigsten Mittelpunkt in der Gegend entwickeln. Mit der Landesteilung 1551, bei der sich die beiden unabhängig regierenden Linien Hohenlohe-Neuenstein und Hohenlohe-Waldenburg bildeten, begann in Neuenstein ein neuer Zeitabschnitt. Der erste regierende Graf war Ludwig Casimir. Er ließ die einstige Burg zu einem Schloss umbauen. Überhaupt galt er als sehr baufreudig. Anfang des 17. Jahrhunderts fand der Ausbau von Schloss Neuenstein und Stadt seinen Abschluss.

Der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648) machte alle Hoffnungen auf eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte in Neuenstein zunichte. Dennoch konnte sich die Stadt nach den Jahren der Not unter dem Grafen Wolfgang Julius, der populärsten Persönlichkeit der Neuensteiner, verhältnismäßig rasch erholen. Dessen ältester Bruder verlegte seinen Sitz nach Öhringen. Da er als Senior der Familie allein erbberechtigte Söhne hatte, blieb Öhringen von nun an auch Regierungssitz. In Neuenstein hielt die Familie nur noch einige Zimmer bereit. 1764 wurden die Grafen von Hohenlohe der Neuensteiner Linie in den Fürstenstand erhoben. Der letzte Fürst, Ludwig Friedrich Karl, verhalf mit der Einrichtung einer Anstalt der öffentlichen Wohlfahrt auf Schloss Neuenstein der Stadt noch einmal zu größerer Bedeutung.

1806 wurde Hohenlohe und damit auch Neuenstein Württemberg eingegliedert. Da alle Ämter in Öhringen zentralisiert waren und die Handwerker, die früher 75% aller Arbeiten in der Umgebung verrichteten, von dieser Zeit an auf ihren Wohnort beschränkt wurden, trat in Neuenstein im 19. Jahrhundert eine Rückentwicklung und Verarmung ein, zumal der Stadt auch im Zuge der Industrialisierung von Öhringen der Rang abgelaufen wurde. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg machte sich im Zeichen des Wirtschaftswunders eine Aufwärtsentwicklung bemerkbar. Heute ist Neuenstein eine aufstrebende Kleinstadt, die ein harmonisches Nebeneinander von Wohnen, Arbeitsplatz und Freizeitgestaltung bietet.

Sehenswertes

Schloss Neuenstein / Schlossmuseum

Evangelische Stadtkirche

Die evangelische Stadtkirche wurde im 15. Jahrhundert anstelle einer Marienkapelle erbaut. Zwischen 1609 und 1611 erfolgte ein Neubau des Langhauses. Der alte Chor und die unteren Turmgeschosse wurden in den Neubau integriert. In den folgenden Jahrhunderten wurden verschiedene Renovierungsmaßnahmen durchgeführt.

Die evangelische Kirche ist ein dreischiffiger Saalbau. Die bemalte Stuckdecke zeigt Szenen aus dem Leben Christi. Die Kanzel aus dem 18. Jahrhundert wird von einer Mosesfigur getragen. Sehenswert sind auch die Steinepitaphien für Konrad und Margaretha Hyso und für Wolf Heinrich und Anna Margaretha von der Margareth aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Besonders figurenreich gestaltet ist die von vier Löwen flankierte Tumba des letzten Grafen von Hohenlohe-Neuenstein, Wolfgang Julius (1622 bis 1689). Zwölf Alabasterreliefs zeigen bewegte Szenen aus Kriegshandlungen, an denen der Graf siegreich beteiligt war.

Bürgerturm

Der Obere Torturm der mittelalterlichen Stadtbefestigung, "Bärcher- oder Seilturm", trug bis 1836 eine welsche Haube, wie sie auf Kirch- und Rathaustürmen der Renaissance verbreitet waren. Eine Tafel mit lateinischer Inschrift verkündet auf der Ostseite: "Dieses Werk wurde auf Befehl des hochberühmten und edlen Herrn, des Herrn Kraft, Baron in Langenburg, des hervorragenden Kriegshelden und Ritters, in den deutschen Wirrnissen zur Verteidigung dieser Stadt errichtet, im Jahre nach Christi Geburt 1620, im Monat September, von Meister Georg Kern." Der Turm konnte jedoch zur Verteidigung der Stadt im Dreißigjährigen Krieg nicht viel beitragen. Er diente danach meist als Armenwohnung und Unterkunft für den Nachtwächter bzw. den Amts- und Polizeidiener.

Für diesen Dienst bewarben sich hauptsächlich wenig beschäftigte Handwerker, die sich ein Zubrot verdienen wollten. Der Amtsdiener hatte für die Beheizung und Sauberkeit im Rathaus zu sorgen und Botengänge zu erledigen. Der Polizeidiener musste für Ruhe und Ordnung sorgen. Ihm war auferlegt, jeden Morgen um 8 Uhr im Rathaus zum Rapport zu erscheinen, ein nüchternes und solides Leben zu führen, tagsüber mit wachsamem Auge in den Straßen umherzugehen, Kinder nach der Betglocke heim zu schicken, um 10 Uhr abends in den Wirtshäusern die Polizeistunde anzusagen und Widersetzliche mit Zwang zu entfernen, jeden anzuzeigen, der schneller als Schritttempo fährt usw.

Nach einer durchgreifenden Renovierung im Jahre 1982 richtete die Neuensteiner Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins im Turm ein Wanderheim und ein Vereinslokal ein, das regelmäßig an Sonntagen geöffnet ist.

Burgenstraße

 

 

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Burgenstraße

1 Mannheim – Neckarzimmern

2 Haßmersheim – Heilbronn

3 Jagsthausen – Rothenburg o. d. Tauber

3.01 Weinsberg
3.02 Burgruine Weibertreu

3.03 Jagsthausen
3.04 Götzenburg

3.05 Öhringen
3.06 Hohenlohisches Residenzschloss

3.07 Neuenstein
3.08 Schloss Neuenstein

3.09 Waldenburg
3.10 Schloss Waldenburg

3.11 Schwäbisch-Hall
3.12 Groß-Comburg
3.13 Schwäbisch-Hall – Kirchen
3.14 Schwäbisch-Hall – Museen

3.15 Braunsbach

3.16 Crailsheim

3.17 Langenburg
3.18 Schloss Langenburg

3.19 Blaufelden

3.20 Schrozberg
3.21 Stadtteil Bartenstein – Schloss Bartenstein

3.22 Rothenburg ob der Tauber
3.23 Marktplatz, Rathaus, Ratsherrentrinkstube
3.24 Burggarten, Stadtmauer
3.25 Kirchen in Rothenburg
3.26 Museen in Rothenburg
3.27 Historische Veranstaltungen, Festveranstaltungen

4 Colmberg – Nürnberg

5 Erlangen – Heiligenstadt

6 Bamberg – Bayreuth

7 Cheb – Prag

 

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