3.25 Kirchen in Rothenburg ob der Tauber

Evangelische Stadtkirche St. Jakob

Das bedeutendste Sakralbauwerk Rothenburgs ist die evangelische Jakobskirche, nur wenige Schritte nördlich vom Marktplatz entfernt. Sie ist ein stolzes Werk aus der Zeit des berühmten Rothenburger Bürgermeisters Toppler. Im Mittelalter bildete sie zusammen mit dem Rathaus das Zentrum der freien Reichsstadt.

Zur Geschichte

Bereits Ende des 12. Jahrhunderts gab es in Rothenburg ob der Tauber eine Kirche, die eine Filiale der Pfarrei Dettwang war. 1258 wurde sie dem Deutschen Orden übergeben. 1286 wurde sie zur Pfarrkirche erhoben. Zu dieser Zeit war sie auch ein regionaler Wallfahrtsort. Im 14. Jahrhundert musste sie der heutigen Stadtpfarrkirche weichen. Die gesamte Bauzeit erstreckte sich über mehr als 170 Jahre. 1310 wurde mit dem Bau des Ostchores begonnen. 1373 wurde der Grundstein zum gotischen Langhaus gelegt. Erst 1436 war es vollendet. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde die Kirche um einen Westchor erweitert, so dass die Abschlussweihe erst 1484 stattfinden konnte. Mit der Einführung der Reformation in Rothenburg wurde die Jakobskirche 1544 evangelisch.

Der Kirchenbau

Weit überragt die mächtige Westfassade der Jakobskirche im Stil der Hochgotik die Dächer der Stadt. Hohe, schmale Fenster, schlanke Strebepfeiler und hohe Türme kennzeichnen die Stilrichtung. Es fällt auf, dass die Helme der quadratischen Chortürme unterschiedlich fein gestaltet sind. Der Überlieferung zufolge soll der Südturm vom Meister stammen, der schlanke Nordturm von einem seiner Gehilfen. Aus Ärger über die gelungenere Arbeit des Gesellen soll sich der Meister von seinem Turm in den Tod gestürzt haben. Die Unterschiedlichkeit der beiden Türme liegt jedoch eher in der langen Bauphase bzw. im unterschiedlichen Zeitpunkt ihrer Fertigstellung begründet.

Die Jakobskirche ist eine dreischiffige Pfeilerbasilika. Zwei Achsen der Seitenschiffe sind zu Kapellen ausgebaut, die nach dem Altbürgermeister benannte Topplerkapelle sowie die Spörleinkapelle auf der Südseite und Wernitzerkapelle und die Häuptleinkapelle auf der Nordseite. Der Westchor besteht aus einer Erdgeschosshalle und der Heilig-Blut-Kapelle im Obergeschoss (Empore). Der dreiseitig schließende Ostchor ist langgestreckt und wird von einem Kreuzrippengewölbe überspannt. 

Ausstattung

Im Brennpunkt des Ostchores steht der farbenprächtige Zwölfbotenaltar, einer der künstlerisch wertvollsten in Deutschland. Die Darstellung in der Predella, Jesus und die zwölf Jünger, gab dem Altar seinen Namen. Links vom Kruzifix befinden sich die Figuren der Maria, des Kirchenpatrons Jakobus und Elisabeths, rechts die der Heiligen Johannes, Leonhard und Antonius. Die Gemälde auf der Vorderseite der Altarflügel zeigen Szenen aus dem Leben Mariens. Auf der Rückseite stellte der Künstler Herlin den Tod des Jakobus und seine Legende dar. 

Hervorragende Meisterwerke stellen die Glasgemälde der drei Chorfenster dar. Das mittlere Fenster zeigt die Heilsgeschichte Christi. Links davon ist ein Marienfenster und rechts ein Eucharistiefenster zu sehen. Die Gemälde über dem Chorgestühl zeigen ehemalige Hauptprediger aus der Zeit nach der Reformation. Erwähnung verdient auch die Sakramentsnische mit figurenreichem Wandschmuck aus dem Ende des 14. Jahrhunderts. 

Auf der Empore des Westchores befindet sich der berühmte Heilig-Blut-Altar, eines der bedeutendsten Meisterwerke des berühmten Holzschnitzers Tilman Riemenschneider aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts. Das Hauptbild zeigt die Abendmahlszene. Ungewöhnlich ist dabei die Verteilung der Personen. Nicht Christus steht im Mittelpunkt, sondern Judas, der Verräter. Ihm reicht der Herr das Brot und kündigt seinen Verrat an. Die Bestürzung und Ratlosigkeit spiegelt sich eindrucksvoll in den Gesichtern der Jünger. Die kunstvollen Reliefs auf den Flügeln des ehemaligen Wallfahrtsaltars stellen den Einzug Jesu in Jerusalem und die Ölbergszene dar. 

Der Ludwig-von-Toulouse-Altar an der Stirnseite des Nordschiffes wird der Riemenschneider-Schule zugeschrieben. Er enthält als einzige Plastik die bemalte Darstellung des Heiligen Ludwig, der auf die Thronfolge als König von Neapel verzichtet hat, dem "Bettelorden" beigetreten und zum Erzbischof von Toulouse geweiht worden ist. Die Gemälde zeigen Szenen aus seinem Leben. Der Marienaltar am Ende des südlichen Seitenschiffs hat im Mittelbild die Krönung Mariens zum Inhalt. Die Gruppe in der Predella ist eine Darstellung des Marientods. 

Beachtung verdienen auch die zahlreichen Skulpturen, Gemälde, Epitaphien und Votivtafeln  im Langhaus bzw. in den Seitenkapellen, darunter auch das Grabmal des Bürgermeisters Toppler in der Topplerkapelle, sowie die Skulpturen am Außenbau. Hervorzuheben ist vor allem eine Ölbergszene vor dem südlichen Turm mit Originalfiguren des 14. und 16. Jahrhunderts. 
Öffnungszeiten der Jakobskirche: Ostern bis Oktober täglich 8 bis 17 Uhr, sonst 10 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr

Franziskanerkirche

Ende des 13. Jahrhunderts ließen sich in Rothenburg ob der Tauber Franziskanermönche aus Schwäbisch-Hall nieder. 1285 wurde mit dem Bau der Klosterkirche begonnen. 1309 fand die Chorweihe statt. Um 1330 konnten die Baumaßnahmen abgeschlossen werden. Die ehemalige Franziskanerkirche Unserer Lieben Frau ist somit das älteste Gotteshaus der Stadt. Im Zuge der Einführung der Reformation in Rothenburg wurde das Franziskanerkloster 1544 aufgelöst. Die Kirche wurde evangelisch. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde sie vorübergehend als Salzamt genutzt.

Die Franziskanerkirche befindet sich im unteren Teil der Herrngasse, einer Gasse mit prachtvollen Patrizierhäusern. Ihre Außengestalt weist schlichte strenge Formen auf. Die Wendeltreppe im Anschluss an das Langhaus wird von einem schlanken steinernen Dachreiter bekrönt. Im Innern gibt es eine hölzerne Abtrennung (Lettner) zwischen dem Chorraum für die Mönche und dem Langhaus für die Laien. Durch die protestantische Umnutzung als Empore blieb der Lettner bis heute erhalten. Das Langhaus ist dreischiffig und flachgedeckt. Der Chor wird dagegen von einem Gewölbe überspannt.

Der Hauptaltar enthält ein geschnitztes Bildwerk von Tilman Riemenschneider aus der Zeit um 1490. Es zeigt die Stigmatisation (Empfang der Wundmale Christi) des hl. Franziskus. Auf den Gemälden der Seitenflügel sind Märtyrerszenen zu sehen, in der Predella Maria mit Kind, umgeben von Betenden. Ein weiteres Kleinod im Chor ist die Sakramentsnische aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Die Farbfenster sind ein Werk des ausgehenden 20. Jahrhunderts. An den Pfeilern des Lettners sieht man Steinfiguren aus dem 14. und 15. Jahrhundert, die die Heiligen Stephanus, Jakobus und Liborius darstellen. In der zweiten Lettnerkapelle steht ein Altargehäuse mit der Skulptur der Heiligen Dreifaltigkeit. An der hölzernen Brüstung sind Reste von Passionsgemälden zu erkennen, in der Mitte das Letzte Abendmahl. Bemerkenswert sind auch die vielen Grabtafeln in der Kirche für Rothenburger Patrizier, darunter das Grabdenkmal für Dietrich von Berlichingen († 1484), den Großvater des Götz von Berlichingen.
Öffnungszeiten: Täglich 10 bs 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr

Wolfgangskirche (Wehrkirche)

Die evangelische Kirche St. Wolfgang ist in die Befestigungsanlagen beim Klingentor einbezogen. Sie entstand im 15. Jahrhundert an einem Platz, auf dem der Überlieferung nach die Schäfer der Umgebung ihren Patron, den Heiligen Wolfgang, um Schutz vor reißenden Wölfen angefleht haben.

Nicht nur die Schießscharten im Chor und in der Sakristei weisen darauf hin, dass die Wolfgangskirche von Anfang an als Festungskirche geplant war. Noch deutlicher wird die Verbindung von Sakralbau und Wehrbau, wenn man die Nordwand der Kirche betrachtet. Sie besteht aus mächtigen Buckelquadern, die durch zwei Reihen von Schießscharten unterbrochen werden. Die obere Reihe zeigt den Verlauf des Wehrgangs an, der zwischen dem Torturm und dem Geschützboden innerhalb der Kirchenwand verläuft. Unter der Kirche befinden sich Kasematten, zu denen eine Steintreppe vom Hauptaltar hinabführt.

Die Wolfgangskirche besteht aus einem einschiffigen Langhaus, das von einem Sternrippengewölbe überspannt wird, und einem netzgewöbten Chor. Die drei Joche der Nordwand sind als Kapellen ausgebaut. Einen eigenen Kirchturm hat das Gotteshaus nicht. Es führt jedoch eine Treppe hinauf zum Torturm. Eine Besichtigung der Wolfgangskirche lohnt sich vor allem wegen der drei hübschen Altäre, des Wolfgangs-, Marien- und Wendelinaltars.

Der Wolfgangsaltar im Chor zeigt in der Mitte drei holzgeschnitzte Figuren der Heiligen Wolfgang, Sebastian und Rochus. Die Innenseiten der Flügel sind mit Szenen aus dem Leben des hl. Wolfgang bemalt. Die Außenseiten haben Szenen aus dem Leben der Heiligen Sebastian und Rochus zum Inhalt. Auf der Tafel ist die Wolfgangskirche mit dem Vortor der Klingenbastei abgebildet.

Der linke Seitenaltar ist der Muttergottes geweiht. Auch er ist ein Flügelaltar. Im Schrein steht eine geschnitzte Muttergottesfigur. Die Flügelgemälde stammen von Wilhelm Ziegler aus Rothenburg. Der rechte Seitenaltar ist St. Wendelin geweiht, dessen Statue den Mittelpunkt bildet. Auf den Flügeln erkennt man Reliefs der Heiligen Nikolaus und Heinrich. Die Außenflügel zeigen vier Darstellungen aus der Wendelinuslegende.
Öffnungszeiten: März bis Oktober täglich 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr

Weitere Kirchen

Rothenburg ob der Tauber ist reich an Sakralbauten. Neben den näher beschriebenen Kirchen gibt es vier weitere, die einen Besuch lohnen. Die katholische Pfarrkirche St. Johannis ist eine ehemalige Johnniterkirche aus der Zeit um 1400. 1553 wurde sie von der Stadt übernommen. Seit 1803 ist sie katholisch. Malerisch im Tal unmittelbar an der Tauber steht das zweite katholische Gotteshaus von Rothenburg, die Kirche Unserer Lieben Frau zu Kobolzell mit einem sehenswerten Muttergottesaltar. Die ehemalige Spitalkirche Zum Heiligen Geist in der südlichen Spitalvorstadt und die Kirche St. Leonhard, 2 km südlich der Stadt am Hang über der Tauber gelegen, sind evangelisch.

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