3.16 Crailsheim an der Jagst – Hohenlohe

Die Stadt

Die Stadt Crailsheim ist der wirtschaftliche Mittelpunkt des östlichen Hohenloher Landes. Mit den Stadtteilen Altenmünster, Ingersheim, Jagstheim, Rossfeld, Onolzheim, Westgartshausen, Tiefenbach, Goldbach, Triensbach und Beuerlbach zählt sie knapp 32000 Einwohner. Verwaltungsmäßig gehört sie zum Landkreis Schwäbisch-Hall

Crailsheim liegt einige Kilometer abseits der eigentlichen Route der Burgenstraße, dennoch ist ein Besuch lohnenswert. Die Landschaft ist geprägt durch Land- und Forstwirtschaft, die neben der modernen Industrie auch heute noch große Bedeutung hat. Gastfreundschaft wird in Crailsheim groß geschrieben. Viele der gemütlichen und traditionsreichen Gasthäuser werden schon seit Generationen als Familienbetrieb geführt. Darüber hinaus wartet die Stadt auch mit vielen kulturellen Aktivitäten auf. Theateraufführungen, Lesungen, Kabarett und Konzerte aller Musikrichtungen, von Klassik bis Rock oder Jazz. Beim Gang durch die historische Altstadt gibt es viel Sehenswertes zu entdecken. Ein Rundgang ist auch im Rahmen einer Stadtführung möglich.

Zur Geschichte

Crailsheim hat seinen Ursprung in einer fränkischen Siedlung aus dem 7. Jahrhundert in der Nähe eines Jagstüberganges. 1036 wurde der Ort erstmals erwähnt. 1289 erhielt er die Stadtrechte. Zu dieser Zeit war er im Besitz der Grafen von Öttingen. Nach der Verhängung der Reichsacht über den Grafen von Öttingen wurde Crailsheim 1310 als Reichslehen eingezogen und 4 Jahre später als Lehen an die Edelherren von Hohenlohe übergeben. Wiederum zwei Jahre später wurde dem Ort das Marktrecht verliehen. 

Im Winter 1379/1380 versuchten die benachbarten Reichsstädte Dinkelsbühl, Rothenburg ob der Tauber und Schwäbisch-Hall in Folge von Zwistigkeiten Crailsheim zu erobern. Durch Belagerung sollten die Einwohner ausgehungert werden. Nach tapferer Gegenwehr traten die Angreifer jedoch am Mittwoch vor Estomihi (7. Sonntag vor Ostern) unverrichteter Dinge den Rückzug an. Mit diesem Ereignis verbindet sich eine Reihe von Sagen. Die attraktivste davon ist die Geschichte mit den "Horaffen". Dieser Ausdruck hat nichts mit "Haaraffen" zu tun, wie man vielleicht vermuten könnte, sondern leitet sich von "offenes Horn" ab und bezeichnet ein Gebäck. 

Als der Hunger an der Widerstandskraft der Crailsheimer zu nagen begann, stellten diese aus dem letzten noch vorhandenen Mehl eben diese "Horaffen" her und warfen sie den Feinden zu. Und wie zur Verstärkung dieser Demonstration des Überflusses streckte auch noch die Bürgermeisterin, eine korpulente Frau, die blanke Fülle ihres Allerwertesten über die Mauer. Statt dorthin einen Pfeil zu senden, gab das verdutzte Kriegsvolk auf und zog sich zurück. Noch heute feiert die Stadt jedes Jahr am Mittwoch vor Fastnacht diese Ereignis in ihrem Stadtfest.

1388 gelangte Crailsheim unter die Herrschaft der Grafen von Leuchtenberg, die 1399 von den Burggrafen von Nürnberg, die aus dem Hause Hohenzollern waren, abgelöst wurde. Damit begann eine fast 400jährige Zugehörigkeit zur Markgrafenschaft Brandenburg-Ansbach, während der der Prediger Adam Weiß ab 1522 die Reformation einführte. Als im Jahre 1791 der letzte Markgraf von Brandenburg-Ansbach abdankte, schwangen bis 1806 die Preußen das Zepter in Crailsheim. Nach kurzer Zeit unter bayerischer Regentschaft wurde die Stadt 1810 schließlich württembergisch. Im Zweiten Weltkrieg wurde die historische Innenstadt fast völlig verwüstet. Es dauerte Jahre, um wieder aufzubauen, was in ein paar Stunden zerstört wurde.

Sehenswertes

Marktplatz / Rathaus / Rathausturm

Mittelpunkt des städtischen Lebens in Crailsheim ist der Marktplatz, den ein Marktbrunnen mit zwei Marktfrauen aus der Nachkriegszeit ziert. Am Marktplatz steht auch das Rathaus. Das Gebäude diente bis 1824 der jeweiligen Landesherrschaft als Kaufhalle, Kornspeicher und Versammlungssaal der Landstände. Da es darüber hinaus auch für Hochzeitsfeiern und städtische Tanzveranstaltungen genutzt wurde, hatte es den Namen "Tanzhaus". Es trug einen der Stadt gehörenden und bis zu seinem Abriss im Jahre 1701 vom Stadttürmer bewohnten Dachreiter. Im Jubiläumsjahr der Reformation 1717 wurde mit dem Neubau eines Turms im Festungsstil begonnen. Zweimal brannte er aus. 1979 erhielt er durch eine Bürgerinitiative seine krönende Bedachung. Er gilt mit einer Höhe von 57,5 m als das größte Reformationsdenkmal der Welt. Heute wird er gern als Aussichtsturm genutzt. 

Evangelische Liebfrauenkapelle

Südlich des Rathauses steht die 1393 geweihte Liebfrauenkapelle. Der Turm der Kapelle erhielt 1727 seine heutige Zwiebelhaube. Als das Gotteshaus um 1800 baufällig geworden war, wurde es mangels finanzieller Mittel für die Restaurierung an einen Justizbeamten verkauft. Den Bürgern gelang es jedoch durch Sammlungen genügend Geld zusammenzubringen, um die Kapelle zurückzuerwerben. 1945 wurde sie wie die ganze Innenstadt von Crailsheim ein Opfer der Flammen. 

Die Liebfrauenkapelle ist "der Crailsheimer liebstes Kind". Am Chor sieht man verschiedene Traubenkirschbäume. Mit ihnen hat es eine besondere Bewandtnis. Zunächst stand da nur ein Baum. Als der Krieg zu Ende war, fiel es den Crailsheimern auf Grund der zahllosen Zerstörungen schwer, von neuem zu beginnen. Als sich dann im Frühjahr 1946 der Baum voller Blüten zeigte, sah man dies als gutes Omen an und fasste wieder Mut, die Stadt aufzubauen. 

Evangelische Johanneskirche

Die Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer stammt aus der Zeit von 1398 bis 1440. Sie wurde anstelle einer um die Jahrtausendwende entstandenen steinernen Kirche errichtet. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde die nördliche Vorhalle angebaut. 

Die Johanneskirche ist eine dreischiffige, flachgedeckte Basilika mit weitem Mittelschiff und zweigeschossigen Seitenschiffen. Die ältesten Bauteile sind der quadratische Nordostturm, der dreiseitig geschlossene Chor und die Sakristei. Der Chor ist mit eindrucksvollen Maßwerkfenstern ausgestattet. 

Von den einstigen 13 Altären schmückt noch der mächtige Hochaltar von 1490, ein Johannesaltar mit dem Gekreuzigten in der Mitte, dem Täufer Johannes, der Mutter Maria und den Aposteln Johannes und Andreas, das Gotteshaus. Beachtenswert sind auch die Flügelbilder mit Szenen aus dem Leben des Täufers und dem Passionsgeschehen. Zu bewundern ist auch ein über 10 Meter hohe Sakramentshäuschen aus dem Jahre 1499, bei dem die beiden Elemente des Abendmahls, Brot und Wein symbolisch vereint sind. Darüber hinaus gibt es eine Reihe bedeutender Grabdenkmäler aus dem 15. bis 17. Jahrhundert zu sehen. Besonders hervorzuheben sind diejenigen im Chor.

Gottesackerkirche

Die Gottesackerkirche mit dreigeschossigem Westturm auf dem alten Friedhof wurde 1579/1580 erbaut. Besondere Beachtung verdienen die als Fasshimmel ausgebildete Decke und die Grabdenkmäler des 16. bis 19. Jahrhunderts. In dem Gotteshaus fand auch ein Vorfahre Goethes seine letzte Ruhestätte. Heute finden in dem Gebäude Vorträge, Konzerte und Ausstellungen statt. 

Stadtmauer / Zeughausturm

Von der mittelalterlichen Stadtmauer sind im Nordosten der Innenstadt noch einige Teile erhalten. Dort befand sich auch die Jagsttorbastion mit drei Toren und einem mächtigen Torturm. Von den ehemals 9 Mauertürmen steht lediglich noch der Zeughausturm. Die Stadtgräben entlang der Befestigungsanlage wurden Mitte des 18. Jahrhunderts in Gärten umgewandelt. Am Südende der Grabenstraße stand einst die Burg Crailsheim, eine Holzburg, die bei der Belagerung durch die Reichsstädter 1379/1380 zerstört wurde. Sie war der Stammsitz der 1221 erstmals erwähnten und heute noch lebenden Familie von Crailsheim. 

Fränkisch-Hohenlohisches Museum

Das Fränkisch-Hohenlohische Museum ist in dem ehemaligen Spitalgebäude zum Heiligen Geist untergebracht. Es wurde um 1400 im Innenstadtbereich erbaut und danach vor die Stadtmauer verlegt. 1989 wurden bei Renovierungsarbeiten die Räumlichkeiten des ehemaligen Spitalbades entdeckt und in das Museum integriert. Das Badhaus bildet zusammen mit dem ehemaligen Pfründnerhaus und der Kapelle ein reizvolles mittelalterliches Bauensemble.

Die Sammlungen des Museums reichen von der Vor- und Frühgeschichte über die Darstellung früherer Gewerbe (Zinngießer, Gerber, Töpfer u. a. ) bis zu den Zeugnissen der Volksfrömmigkeit. Eine Besonderheit ist das komplette Produktionsprogramm der Crailsheimer Fayence-Manufaktur (1740 bis 1830). Dem Heimatmuseum angegliedert ist ein Geigenmuseum mit dem Lebenswerk des Geigenbauers Johann Stüber. Es dokumentiert die Entwicklung des Geigenbaus anhand von Beispielen. Über 100 Violinen, Violas und Cellos sind hier zu bewundern. 

Geologische Pyramide

Die geologische Pyramide befindet sich auf dem Kregelberg. Ein Lehrpfad klärt über den Aufbau der Erdschichten auf. Außerdem gibt es hier einen Vogel- und Tierpark. 

Freizeitangebote

Die Umgebung von Crailsheim ist geprägt vom herben Reiz der Hohenloher Ebene mit ihren Wiesen, Wäldern und sanften Hügeln, die zu erholsamen Wanderungen und Fahrradtouren einladen. Wem es unterwegs zu heiß wird, kann sich in der Jagst und den Bächen der Gegend abkühlen. Mancher wird jedoch das Freibad im Maulachtal mit seinen fünf Becken und einem Massagepilz vorziehen. Alternativen sind das Freibad im Crailsheimer Stadtteil Goldbach oder das Naturbad Degenbachsee in Jagstheim. An den kälteren Tagen kann man es sich im zentrumsnahen Hallenbad gut gehen lassen. Weitere Möglichkeiten der sportlichen Freizeitgestaltung bieten unter anderem Tennisplätze im Freien und in der Halle, Squashanlagen, Reitplätze und Reithallen. 

Der Höhepunkt im jährlichen Veranstaltungskalender ist das viertägige Fränkische Volksfest am dritten Wochenende im September. Es besteht schon seit 1841, als es unter König Wilhelm I. von Württemberg als Landschaftliches Bezirksfest gegründet wurde. Seit 1901 trägt es den heutigen Namen. Inzwischen hat sich das Fränkische Volksfest zum größten seiner Art in der Region entwickelt und zieht jährlich rund 200 000 Besucher an. Ein wichtiger Bestandteil des Festprogramms sind die Umzüge am Samstag und Sonntag. 

Burgenstraße

 

 

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Burgenstraße

1 Mannheim – Neckarzimmern

2 Haßmersheim – Heilbronn

3 Jagsthausen – Rothenburg o. d. Tauber

3.01 Weinsberg
3.02 Burgruine Weibertreu

3.03 Jagsthausen
3.04 Götzenburg

3.05 Öhringen
3.06 Hohenlohisches Residenzschloss

3.07 Neuenstein
3.08 Schloss Neuenstein

3.09 Waldenburg
3.10 Schloss Waldenburg

3.11 Schwäbisch-Hall
3.12 Groß-Comburg
3.13 Schwäbisch-Hall – Kirchen
3.14 Schwäbisch-Hall – Museen

3.15 Braunsbach

3.16 Crailsheim

3.17 Langenburg
3.18 Schloss Langenburg

3.19 Blaufelden

3.20 Schrozberg
3.21 Stadtteil Bartenstein – Schloss Bartenstein

3.22 Rothenburg ob der Tauber
3.23 Marktplatz, Rathaus, Ratsherrentrinkstube
3.24 Burggarten, Stadtmauer
3.25 Kirchen in Rothenburg
3.26 Museen in Rothenburg
3.27 Historische Veranstaltungen, Festveranstaltungen

4 Colmberg – Nürnberg

5 Erlangen – Heiligenstadt

6 Bamberg – Bayreuth

7 Cheb – Prag

 

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