4.10 Ansbach an der Fränkischen Rezat – Rokokostadt

Die Stadt

Ansbach mit rund 40 000 Einwohnern liegt im Tal der Rezat, etwa 40 km westlich von Nürnberg. Es ist Kreisstadt und Haupstadt des Regierungsbezirks Mittelfranken. Die Umgebung ist geprägt von den bewaldeten Höhen des Rangaus. Ansbach entspricht dem gängigen Klischee einer fränkischen Siedlung mit Fachwerkhäusern und winkeligen Gässchen kaum. Die Stadt schwelgt vielmehr im Rokoko, in barocken Fassaden und versteckten Innenhöfen im Renaissance-Stil.

Über Jahrhunderte war Ansbach Sitz einer Vielzahl von Hohenzollernfürsten, die das Stadtbild nachhaltig geprägt haben. In den Pracht- und Sakralbauten, wie etwa Schloss, Orangerie, Gumbertuskirche und anderen historischen Gebäuden lebt die glanzvolle Vergangenheit der ehemaligen Residenzstadt weiter. Dabei wirkt der vorherrschende, gemüterhellende Rokoko-Stil in seiner Unbeschwertheit keineswegs übertrieben schnörkelhaft-zopfig. Die Verzierungen sind ästhetisch durchaus stimmig.

Fast der ganze Bereich im alten Zentrum um die Kirchen ist heute Fußgängerzone. Viele Häuser sind schön im Barock wieder hergerichtet und hell verputzt. Ursprünglich wurden die meisten Altstadthäuser im Fachwerkstil erbaut. Dieser musste im 18. Jahrhundert dem Zeitgeist weichen. Man war des mittelalterlichen, kleinräumigen Stils überdrüssig. Eine Ausnahme bildet die Uzstraße (benannt nach dem Barockdichter Johann Peter Uz 1720 bis 1796) mit ihren zahlreichen Läden und Einkehrmöglichkeiten. Hier sind noch einige Fachwerkhäuser erhalten, die teilweise aus dem 16. Jahrhundert stammen.

Der Charme der Stadt, aber auch ein reichhaltiges und abwechslungsreiches Freizeit-, Sport- und Kulturangebot und die reizvolle landschaftliche Umgebung machen Ansbach zu einem attraktiven Ausflugsziel im "Romantischen Franken".

Zur Geschichte

Im Jahre 748 gründete der Adlige Gumbert ein Benediktinerkloster am Bach eines gewissen Onoldis. Mit der Zeit verschliff sich der Ortsname Onoldisbach, bis in der Neuzeit Ansbach daraus wurde. Im 11. Jahrhundert entstand aus dem Kloster ein Chorherrenstift. Zu der klösterlichen Siedlung gesellte sich bald eine weltliche, deren Herren die Klostervögte waren. 1056 erhielt Ansbach das Marktrecht, und 1221 trat es erstmals als Stadt in Erscheinung. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Staufer die Herrschaft über den Ort inne. Diese ließen auch die erste Stadtmauer errichten, die dem Stadtkern seinen eiförmigen Grundriss verlieh.

1331 erwarben die Burggrafen von Nürnberg die Stadt Ansbach, die als Markgrafen und Kurfürsten von Brandenburg um 1400 eine Wasserburg erbauen ließen und die Stadt Mitte des 15. Jahrhunderts zur Residenz erhoben. Die fränkische Linie der Hohenzollern bestimmte nahezu ein halbes Jahrtausend die Geschicke Ansbachs und hinterließ wie kaum in einer anderen süddeutschen Stadt ihre Spuren. Insbesondere war es Albrecht Achilles (Regentschaft 1470 bis 1486), der durch die Verlegung der Hofhaltung und des Landgerichts von Nürnberg hierher einen enormen Aufschwung auslöste. 1525 führten die Markgrafen die Reformation in Ansbach ein. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde die alte Wasserburg zu einem Renaissanceschloss umgebaut.

An der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert setzte das ein, was Ansbach besonders nachhaltig geprägt und ihm den Beinamen "Stadt des fränkischen Rokoko" eingebracht hat: die Schaffung der Stadterweiterung südlich der Altstadt und die grundlegende Ausgestaltung zur barocken Residenz. Alte Fachwerkbauten wurden im Stile der Zeit modernisiert oder fielen ehrgeizigen Neubauprojekten zum Opfer. Das Stadtbild änderte sich somit von Grund auf.

Der aufwendige Lebensstil von Markgraf Carl Wilhelm Friedrich und die daraus resultierenden leeren Staatskassen waren mit die Ursache, weshalb dessen Sohn Carl Alexander 1791 abdankte und Ansbach an Preußen abtrat. 1806 kam die Stadt auf Veranlassung Napoleons an das Königreich Bayern. Unter bayerischer Herrschaft wurde sie Hauptstadt des Rezatkreises und später Regierungshauptstadt von Mittelfranken. Im 19. und 20. Jahrhundert entstanden in Ansbach neue Siedlungsgebiete wie die "Reuter-Vorstadt", die Gartenstadt und die Beamtensiedlung. Besonders die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war durch ein explosives Wachstum der Stadt gekennzeichnet.

Der Name Ansbach ist verbunden mit der geheimnisumwitterten Gestalt des Kaspar Hauser. Das Findelkind, das 1828 in Nürnberg auftauchte, kam einige Zeit später hierher in die Obhut des Lehrers J. G. Meyer. In dieser Stadt wurde er auch 1833 ermordet. 1838 wurde Ansbach zur Hauptstadt Mittelfrankens erkoren. Eine großflächige Ansiedlung von Industriebetrieben machte erst die Gebietsreform von 1972 möglich, als einige bis dahin selbständige Orte eingemeindet wurden.

Der Fall Kaspar Hauser

Neben dem Gedenkstein im Hofgarten erinnert auch ein Denkmal in der Platenstraße an Kaspar Hauser. Zwei Figuren zeigen ihn als verwilderten Knaben und als "zivilisierten" jungen Mann. Bis heute ist seine Person eines der großen Rätsel der Geschichte. War er der 1812 geborene badische Erbprinz, der Sohn des Erbherzogs Karl und seiner Frau Stephanie, der aus politischen Gründen versteckt worden war?

1828 tauchte Kaspar Hauser völlig verwahrlost und kaum der Sprache mächtig in Nürnberg auf. Sofort wurde er ein interessanter Fall für Journalisten und Kriminalisten. Hauser lernte schnell, konnte in kürzester Zeit lesen und schreiben, spielte Klavier und widmete sich der Malerei und der Poesie. 1829 entging er knapp einem Attentat und floh in das Haus des Ansbacher Lehrers Meyer. Am 14. Dezember wurde er in den Hofgarten gelockt und von einem Unbekannten mit einem Messerstich ermordet. Als immer mehr Anzeichen auf ein Verbrechen hin deuteten, das offenbar durch dynastische Interessen der badischen Monarchie veranlasst worden war, beflügelte der rätselhafte Fall die Fantasie und wurde zum Motiv einer Vielzahl von Veröffentlichungen.

Sehenswertes

Markgräfliche Residenz, Hofgarten, Orangerie

Gumbertuskirche

St.-Johannis-Kirche

Ehemalige Markgräfliche Kanzlei

Auf dem Gelände des säkularisierten Chorherrenstifts nördlich der  Gumbertuskirche wurde 1594 die Markgräfliche Kanzlei erbaut. Sie präsentiert sich als dreigeschossige, hufeisenförmige Anlage, wobei die Flügel eine ungleiche Ausdehnung aufweisen. Zwischen dem zweiten und dritten Geschoss verläuft ein Sgraffito-Fries mit Schweifwerkornamenten. Der gestalterische Hauptakzent der Anlage liegt aber auf dem Innenhof mit seinen weiten Bogenöffnungen in den Obergeschossen und dem achteckigen Treppenturm.

Markgrafenmuseum

Das Markgrafenmuseum, untergebracht in historischen Gebäuden, zeigt Ausstellungsstücke zur Markgrafenzeit, Ansbacher Porzellane und Fayencen, Werke Ansbacher Hofmaler, Münzen- und Medaillensammlungen, naturwissenschaftliche, vor- und frühgeschichtliche Bestände sowie eine reichhaltige Kaspar-Hauser-Sammlung.
Öffnungszeiten: Dienstags bis sonntags 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr

Stadtbefestigung

Von der mittelalterlichen Stadtbefestigung sind vor allem im nördlichen Bereich noch einige Mauerreste erhalten. Besonders hervorzuheben sind der Dicke Turm aus dem 16. Jahrhundert, der in den Bau des Gymnasiums Carolinum integriert ist, und das südlich gerichtete Herrieder Tor mit dem ursprünglichen Torturm aus dem 13. Jahrhundert. Zur barocken Stadtmauer gehörten das Schlosstor und das Neue Alexandertor.

Freizeitangebote

Die waldreiche Umgebung von Ansbach, Teil des Naturparks Frankenhöhe, bietet mit seinen markierten Wanderwegen mit einer Gesamtlänge von rund 200 km und mit seinem Radwegenetz ideale Voraussetzungen für gemütliche Spaziergänge, ausgiebige Wanderungen, Fahrradtouren und Radwanderungen. Interessante Ausflugsziele in die Natur sind unter anderem die tausendjährige Kreuzeiche, der Scheerweiher, der Feuchtlachwald und die Aulandschaften des Rezattales und des Dornbachtales.

Auch das übrige sportliche Angebot in und um Ansbach kann sich sehen lassen. So stehen Freunden des Weißen Sports insgesamt 7 Tennisanlagen mit knapp 40 Plätzen zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es 4 Badmintonplätze und ebenso viele Squashcourts. Golf ist vor den Toren Ansbachs in Colmberg und Lichtenau möglich. Wasserratten finden ihr Vergnügen im modernen Freizeitbad "Aquella". Andere Wassersportmöglichkeiten wie Segeln, Surfen usw. bieten die Seen des nahe gelegenen Fränkischen Seenlandes. Reitsport wird vom Reitverein "Alte Ulanen" sowie vom Landesleistungszentrum für Vielseitigkeitsreiterei angeboten.

Zu den Höhepunkten im Fest- und Veranstaltungskalender von Ansbach gehören das Frühlingsfest im Mai, das Altstadtfest Anfang Juni, die Rokokofestspiele im Juli, die das höfische Leben der ehemaligen Fürtenresidenz mit all seinen Facetten wieder erstehen lassen, sowie die Kaspar-Hauser-Festspiele im August, deren Mittelpunkt zwei Theaterstücke über den mysteriösen Kriminalfall bilden.

Ansbach | Markgräfliche Residenz, Hofgarten, Orangerie | Gumbertuskirche,
St.-Johannis-Kirche

Burgenstraße

 

 

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Burgenstraße

1 Mannheim – Neckarzimmern

2 Haßmersheim – Heilbronn

3 Jagsthausen – Rothenburg o. d. Tauber

4 Colmberg – Nürnberg

4.01 Colmberg
4.02 Colmberg – Geschichte
4.03 Burg Colmberg
4.04 Ortsteil Auerbach
4.05 Ortsteil Bieg
4.06 Ortsteil Binzwangen
4.07 Ortsteil Häslabronn
4.08 Colmberg – Bienenstand
4.09 Colmberg – Wandern –
Eichenwaldweg

4.10 Ansbach – Rokokostadt
4.11 Markgräfliches Schloss
4.12 Kirchen in Ansbach

4.13 Lichtenau
4.14 Feste Lichtenau

4.15 Wolframs-Eschenbach
4.16 Marktplatz – Wolfram-von-Eschenbach-Platz

4.17 Abenberg
4.18 Burg Abenberg

4.19 Roth
4.20 Markgrafenschloss Ratibor

4.21 Nürnberg
4.22 Nürnberger Burg
4.23 Kirchen in Nürnberg
4.24 Museen in Nürnberg
4.25 Profanbauten in Nürnberg

5 Erlangen – Heiligenstadt

6 Bamberg – Bayreuth

7 Cheb – Prag

 

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