4.23 Kirchen in Nürnberg an der Pegnitz

Lorenzkirche

Die evangelische Lorenzkirche ist der größte und künstlerisch wertvollste Sakralbau von Nürnberg. Sie ist die Pfarrkirche für die Lorenzer Altstadt südlich der Pegnitz. Bereits in den Jahren 1235 und 1258 wurde eine St. Laurentiuskapelle in Nürnberg erwähnt. Sie war eine Filiale der Pfarrkirche in Fürth. Im Zusammenhang mit der Entwicklung zu einer selbständigen Pfarrei entstand etwa ab 1270 eine neue Pfarrkirche. Diese wurde in mehreren Bauabschnitten errichtet. Um 1350 war das Langhaus mit den Seitenschiffen fertiggestellt. Bis Mitte des 14. Jahrhunderts dauerte die Ausgestaltung der Westfassade. Der Ausbau der beiden Türme zog sich etwa bis 1400 hin. Von 1439 bis 1477 wurde der gewaltige Ostchor an das Gotteshaus angefügt. 

Das Langhaus ist eine dreischiffige, Basilika zu neun Jochen, wobei die Turmhallen das letzte Joch bilden. Die Außenwand ist durch Strebepfeiler und Strebebögen gegliedert. Der Innenraum wird von einem Kreuzgewölbe überspannt. Im Gegensatz zum Langhaus ist der lichtdurchflutete Chor als Halle mit drei gleich hohen Schiffen gestaltet. Er stellt eine hohe Leistung mittelalterlicher Architektur dar. Das Netzrippengewölbe befindet sich in der Höhe des Mittelschiffgewölbes. Die westliche Chorgiebelwand, die das Langhaus weit überragt, ist durch Gesimse gegliedert und wird durch eine Rundbogengalerie bereichert. 

Die beiden quadratischen Westtürme erheben sich in sechs ungleich hohen Obergeschossen über dem Sockelgeschoss. Den oberen Abschluss bildet jeweils ein achteckiger Aufsatz mit Spitzhelm. Der Mittelteil der Westfassade zwischen den beiden Türmen besteht aus drei Zonen, dem Portal, der Rosette und dem Giebel. Das mächtige, figurenreiche Westportal zeigt, übereinander angeordnet, die Jugendgeschichte Jesu, die Passion und das Jüngste Gericht. Zwischen den beiden Türen befindet sich eine Marienfigur. Die Standfiguren beiderseits der Türen stellen Adam und Eva, Propheten und Märtyrer dar, darunter der Namenspatron der Kirche, St. Laurentius mit Rost. Die Rosette über dem Portal besteht aus einem Maßwerkkranz mit filigranartig überstehenden Spitzen, hinter denen das eigentliche Radfenster 60 cm tiefer eingelagert ist. Zusammen mit dem vielfältig durchbrochenen und von einem Türmchen bekrönten Ziergiebel bilden Portal und Rosette eine der großen Schauseiten gotischer Kathedralen in Deutschland. An und unter der Maßwerkgalerie erkennt man die Wappen Kaiser Karls IV. und seiner Gemahlin Anna von Schweidnitz. 

Obwohl die Lorenzkirche seit rund 450 Jahren evangelisch ist, besitzt sie noch heute eine reiche Ausstattung. In den Seitenkapellen sind gleich elf Nebenaltäre zu bewundern. Der Reichtum an Glasgemälden bildet ebenso einen wertvollen Schatz. Besonders hervorzuheben sind dabei das Rieterfenster, das in vielen erzählenden Einzelszenen den Exodus von der Berufung Mose bis zum Einzug ins gelobte Land darstellt, und das Volckamerfenster mit einer Darstellung der Wurzel Jesse, das durch die glühende Farbenpracht alle anderen Fenster übertrifft.

Bewegt man sich vom Mittelgang der Lorenzkirche nach vorne, fällt sogleich der vom Gewölbe des Chors frei herabhängende Engelsgruß auf, ein beachtenswertes Kunstwerk von Veit Stoß (1519) mit überlebensgroßen, aus Lindenholz geschnitzten Gestalten. Das Sakramentshaus von Adam Kraft (1493 bis 1495) ist in Stein gemeißelt. In den einzelnen Stockwerken sind Szenen aus der Passion zu erkennen. Die größten Figuren aber sind die des Meisters und seiner zwei Gesellen, die kniend ihr Werk auf den Schultern tragen. Weitere Kunstwerke sind das Kruzifix auf dem Hochaltar, eine Anbetungsgruppe mit einer lächelnden Madonna, eine Holzfigur des Erzengels Michael und das Triumphbogenkreuz, das mit seinen Verzweigungen und den überall aussprießenden Weinlaubranken als Baum des Lebens verstanden werden will.

Sebalduskirche

Die Sebalduskirche ist älter als die Lorenzkirche und war ehemals auch die ranghöhere der beiden Stadtpfarrkirchen von Nürnberg. Sie wurde zwischen 1230 und 1273 als doppelchörige spätromanische Pfeilerbasilika erbaut. Schon um 1310 wurden die Seitenschiffe des Gotteshauses wieder abgebrochen und durch breitere in gotischen Formen ersetzt, wobei auch die vier jetzigen Portale entstanden. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtete man an Stelle des alten romanischen Ostchores einen hochgotischen Hallenchor. Um 1490 erhielten beide Kirchtürme ihre obersten Geschosse mit den Spitzhelmen, um das optische Gleichgewicht zum hohen Dach des Chores wieder herzustellen.

Die Sebalduskirche weist ähnlich wie die Lorenzkirche ein Nebeneinander von basilikalem Langhaus und Hallenchor auf. Die Unterschiede wirken in St. Sebald jedoch wegen des Übergangs von romanischen zu gotischen Stilformen noch schärfer. Das dreischiffige Langhaus weist fünf Joche auf. Quadratische Pfeiler tragen ein Kreuzrippengewölbe. Der Westchor wird von gotischen Fenstern durchbrochen, die erst im 14. Jahrhundert eingebaut worden sind. Dennoch sind auch die ursprünglichen, romanischen Öffnungen erhalten. 

Der angebaute dreischiffige Hallenchor im Osten ist gegenüber dem Langhaus leicht nach Norden verschoben. Überspannt wird er von einem Kreuzrippengewölbe. Außen verleiht die Verbindung von von Fenstergestaltung, Gliederung durch Strebepfeiler und Maßwerkgalerie am Dachansatz dem Choranbau eine schmuckhafte Wirkung. Sowohl nördlich als auch südlich ist dem Chor jeweils eine Sakristei angefügt. Unter dem Chor befindet sich eine einschiffige Krypta. 

Von der Turmseite aus hat die Sebalduskirche eine burgartige Wirkung. Die Türme werden von kupfergedeckten Spitzhelmen bekrönt. Das Portal im Südturm trägt ein Relief der Helena-Legende. Das Weltgerichtsportal am südlichen Seitenschiff zeigt eine dramatische Darstellung des Jüngsten Tages mit dem Höllendrachen und der Figur Abrahams mit den Seligen in seinem Schoß. An der Nordseite befindet sich das Brautportal mit den Statuen der klugen und törichten Jungfrauen. Zu den Gottesdiensten betritt man die Kirche durch das Marienportal, in dessen Bogenfeld der Tod, die Bestattung und die Krönung der Gottesmutter zu erkennen sind. Zwischen zwei Strebepfeilern des Ostchores ist ein figurenreicher und erzählfreudiger steinerner Altar von Kraft (1492) eingefügt. 

Im Innenraum sind hauptsächlich Kunstwerke von Adam Kraft und Veit Stoß zu bewundern. Den künstlerischen Höhepunkt bildet das Sebaldusgrab von Peter Vischer. Es umschließt in einem silberbeschlagenen Sarg die Gebeine des um 1070 bei Nürnberg verstorbenen Einsiedlers und Stadtheiligen. Um den Reliquien, die inzwischen zu einem Wallfahrtsziel geworden waren, ein repräsentativeres Gehäuse zu verschaffen, entwarf Vischer Ende des 15. Jahrhunderts ein monstranzähnliches Gebilde. Die kuppelartigen Gewölbe lassen auf einen Geschmackswandel durch die Renaissance während der langen Arbeitszeit schließen. In ähnlichem Sinne entwickelte sich das Figurenprogramm von den ernsten, ausdrucksstarken Apostelgestalten zu einem Gewimmel von Figuren, Putten und Tieren, die das gesamte Grab bevölkern. Sehenswert sind unter anderem auch die mittelalterlichen Fenstergemälde, die Wandmalereien, mehrere Nebenaltäre, die Sakramentsnische, die Kreuzigungsgruppe und die Volckamer'sche Passion im Chor sowie zahlreiche Bildwerke. 

Frauenkirche

Die katholische Stadtpfarrkirche Unserer Lieben Frau entstand im 14. Jahrhundert durch eine Stiftung Kaiser Karls IV. als kaiserliche Hofkapelle. 1358 wurde der so genannte "Mariensaal" geweiht. 1509 wurde die bisherige Turmuhr durch die Kunstuhr "Männleinslaufen" ersetzt. 1816 wurde die Frauenkirche der katholischen Kirchengemeinde übergeben. In diesem Zusammenhang wurde das Gotteshaus neu ausgestattet. 

Die Frauenkirche ist die älteste Hallenkirche in Franken. An das dreischiffige Langhaus schließt sich östlich der einschiffige Chor an. Besonders auffallend ist der plastisch reich gestaltete Westbau. Über einer von Treppentürmen eingerahmten, figurenreichen Vorhalle erhebt sich der Westchor. Die Kupferhaube des Dachreiterturmes stammt erst aus dem 16. Jahrhundert. Die Balustrade über der Vorhalle ist mit den Wappen des Reiches und der Kurfürsten geschmückt. Von hier aus wurden anlässlich der Taufe des Thronfolgers Wenzel 1361 erstmals in Nürnberg die Reichskleinodien öffentlich gezeigt. Die Reichkleinodien bestanden aus den drei wichtigsten Reichsinsignien (Kaiserkrone, Zepter und Reichsapfel) und anderen Herrschaftssymbolen wie Heiligtümern und Krönungsgewändern. Diese waren zwischen 1424 und 1796 der Obhut der Stadt Nürnberg anvertraut und während dieser Zeit im Heilig-Geist-Spital untergebracht. 

Das Innere der Kirche beherbergt als bedeutendstes Werk den Tucheraltar. In der Mitte ist der Gekreuzigte mit Maria und Johannes zu sehen, flankiert von Darstellungen der Verkündigung und der Auferstehung. Die Innenseiten der Flügel zeigen links die Heiligen Augustinus und Monika und rechts Paulus und Antonius. Auf den Außenseiten sind die Himmelfahrt Mariens mit dem hl. Veit und die Vision des hl. Augustinus mit dem hl. Leonhard dargestellt. Beachtung verdienen auch die Glasmalereien im Chor, die Epitaphe von Adam Kraft, das Holzrelief über der Innenseite des inneren Hauptportals mit einer figurenreichen Kreuztragung sowie mehrere geschnitzte Holzfiguren. 

Die Kunstuhr "Männleinslaufen" erinnert an ein historisches Ereignis: die Verkündigung des ersten Teiles der "Goldenen Bulle" 1356. Jeden Mittag um 12 Uhr zeigt sie, wie die sieben Kurfürsten dem Kaiser ihre Huldigungen entgegen bringen. Vorher bewegen sich die beiden Trompeter und die seitlichen Halbfiguren. Die Kugel über der Uhr zeigt die Mondphasen an. 

Weitere sehenswerte Kirchen

Die näher beschriebenen Kirchen stellen natürlich nur eine Auswahl unter der großen Anzahl an Gotteshäusern in Nürnberg dar. Weitere sehenswerte Sakralbauten sind unter anderem die evangelischen Pfarrkirchen St. Jakob, St. Egidien, St. Bartholomäus und St. Johannis sowie die katholische Pfarrkirche St. Elisabeth und die katholische Filialkirche St. Klara. 

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Burgenstraße

 

 

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Burgenstraße

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2 Haßmersheim – Heilbronn

3 Jagsthausen – Rothenburg o. d. Tauber

4 Colmberg – Nürnberg

4.01 Colmberg
4.02 Colmberg – Geschichte
4.03 Burg Colmberg
4.04 Ortsteil Auerbach
4.05 Ortsteil Bieg
4.06 Ortsteil Binzwangen
4.07 Ortsteil Häslabronn
4.08 Colmberg – Bienenstand
4.09 Colmberg – Wandern –
Eichenwaldweg

4.10 Ansbach – Rokokostadt
4.11 Markgräfliches Schloss
4.12 Kirchen in Ansbach

4.13 Lichtenau
4.14 Feste Lichtenau

4.15 Wolframs-Eschenbach
4.16 Marktplatz – Wolfram-von-Eschenbach-Platz

4.17 Abenberg
4.18 Burg Abenberg

4.19 Roth
4.20 Markgrafenschloss Ratibor

4.21 Nürnberg
4.22 Nürnberger Burg
4.23 Kirchen in Nürnberg
4.24 Museen in Nürnberg
4.25 Profanbauten in Nürnberg

5 Erlangen – Heiligenstadt

6 Bamberg – Bayreuth

7 Cheb – Prag

 

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