4.14 Feste Lichtenau

Feste Lichtenau

Die Feste Lichtenau, halb verdeckt  im Tal der Rezat gelegen, ist eine Wasserburg, die von ihrem Aussehen an die Nürnberger Burg erinnert. Sie repräsentiert eine Befestigungsanlage aus der Zeit, in der schon Artillerie eingesetzt wurde. Die 400jährige Zugehörigkeit zur freien Reichsstadt Nürnberg und ihre Lage innerhalb des Territoriums der Markgrafen von Ansbach bescherte ihr in der Vergangenheit so manche kriegerische Zeit.

Zur Geschichte

Im Jahre 1246 wurde erstmals ein festes Haus Lichtenau in einem Testament des Reichsvogts Rudolph von Dornberg erwähnt, in dem er seiner Gemahlin Kunigunde seine Burg vermachte. Eigentümer der Burg war zu dieser Zeit noch das Reich. Mit dem Tod Wolfram von Dornbergs, des letzten Vertreters des Geschlechts, verblassten jedoch die Eigentumsrechte des Reiches. So gelangte 1288 die Burg in die Hände seines Schwiegersohnes Gottfried von Heydeck.

Die Heydecker sahen sich schon früh von Ansbach bedroht, deshalb suchten sie den Schutz einer stärkeren Macht, den sie in der freien Reichsstadt Nürnberg fanden. 1386 erwarb Friedrich II. von Heydeck das Nürnberger Bürgerrecht. Im Gegenzug sicherte er der Stadt Nürnberg das Öffnungsrecht für die Feste Lichtenau zu. Aufgrund finanzieller Probleme verkaufte er dann 1406 die Feste zusammen mit dem Markt Lichtenau und einigen umliegenden Weilern für 8030 Gulden an den Rat der Stadt Nürnberg. Fortan diente die Burg den neuen Besitzern als Bollwerk vor den Toren Ansbachs gegen die dortigen Markgrafen. Namentlicher Eigentümer wurde der wohlhabende Ratsherr Heinrich Rummel.

Den Markgrafen von Ansbach war die Feste Lichtenau wegen der Nähe zu ihrer Residenz natürlich ein Dorn im Auge. Im ersten Markgrafenkrieg rückte Markgraf Achilles deshalb gegen die Burg vor. Trotzdem der Stadtrat von Nürnberg sie mit Waffen und Munition unterstützte, gelang es Achilles doch, sie am 13. August 1449 einzunehmen und bis 1453 besetzt zu halten. Für den Wiederaufbau Lichtenaus verschuldete sich die Familie Rummel so stark, dass sie gezwungen war, ihre Herrschaft an das Reiche Almosen in Nürnberg zu verkaufen. 10 Jahre später kam die Burg wieder an die Reichsstadt zurück, die sie als Pflegeamt einrichtete.

Im zweiten Markgrafenkrieg 1552 wurde die Feste Lichtenau erneut belagert. Markgraf Albrecht Alcibiades zwang den Pfleger Schnöd ohne Kampf zur Übergabe der Burg. Sie wurde geplündert und niedergebrannt, was für Alcibiades die Verhängung der Reichsacht zur Folge hatte. Die Nürnberger scheuten jedoch keine Kosten für den Wiederaufbau der Feste, der jedoch nur zögerlich begann. Reibereien und Prozesse zwischen Nürnberg und Ansbach führten dazu, dass die Errichtung der neuen Wehranlage sich von 1558 bis in das Jahr 1630 hinzog. Bis heute erlebte die neue Anlage nur wenige Veränderungen. 

Die Tatsache, dass die Reichsstadt Nürnberg und die Markgrafschaft Ansbach nach der Einführung der Reformation natürliche Verbündete wurden, änderte nichts daran, dass es immer wieder zu Rechtsstreitigkeiten zwischen beiden Parteien kam, die bis 1806 letztendlich nicht beigelegt werden konnten.

Im Dreißigjährigen Krieg wechselte die Herrschaft auf Burg Lichtenau zunächst mehrfach zwischen den kaiserlichen Truppen und den Nürnbergern, bis letztere sie ab 1633 mit Unterstützung der Schweden halten konnte. Im Reunionskrieg 1688 stand die Feste erneut im Mittelpunkt feindlicher Auseinandersetzungen. Die Burgbesatzung konnte sich jedoch erfolgreich gegen die Truppen Ludwigs XIV. verteidigen. Im weiteren Verlauf der Geschichte blieb Lichtenau dann von kriegerischen Ereignissen verschont. Durch die Errichtung einer Ortsbefestigung zwischen 1734 und 1736 wurde der Ort Lichtenau an die Burg angebunden.

Feste und Markt Lichtenau wurden zusammen mit der Reichsstadt Nürnberg 1806 dem Königreich Bayern eingegliedert. Ab 1807 diente die Burg vorübergehend als Zuchthaus. Während dieser Zeit fanden im Innern einige Umbaumaßnahmen statt. So wurde unter anderem eine Anstaltskirche eingebaut. Nach einer längeren Phase ohne Nutzung wurde Burg Lichtenau 1927 in eine Erziehungsanstalt umgewandelt. Seit Abschluss der Sanierungs- und Renovierungsarbeiten in den 1970er und 1980er Jahren beherbergt sie eine Außenstelle des Staatsarchivs Nürnberg.

Die Anlage

Das heutige Erscheinungsbild der Burg Lichtenau entspricht im wesentlichen dem der im 16. und 17. Jahrhundert von den Nürnbergern errichteten fünfeckigen Anlage. Die geschützte Lage im Tal der Rezat und die niedrigen Mauern und Türme bieten nur eine geringe Angriffsfläche. Wie die Feste in frühester Zeit ausgesehen hat, ist nicht bekannt. Vor dem Neubau hatte sie jedoch einen quadratischen Grundriss und war bereits mit einer von vier geplanten Eckbastionen versehen.

Umgeben ist Burg Lichtenau von einem Graben, der früher mit Wasser gefüllt werden konnte. Heute ist er aufgefüllt und die Zufahrt gepflastert. An den Ecken springen durch die Befestigungsmauer verbundene Bastionen hervor. Im an den Innenseiten der Mauer aufgeschütteten Wall befinden sich zweigeschossige Kasematteneinbauten. Durch ein prächtiges Portal erreicht man den weiträumigen Innenhof der Festung. Die Buckelquader, die dorischen Pilaster, die Umrahmung des inneren Tores und die Rüstungen in den Medaillons des Gebälks verleihen ihm einen repräsentativen Charakter und sind Zeugnisse frühbarocker Festungsarchitektur. Durch das innere Tor gelangt man zum dreigeschossigen Schlossbau, der von Ecktürmchen und einem Dachreiter geschmückt wird.

Von der Feste Lichtenau kann nur der Innenhof besichtigt werden . Dies ist täglich von 8 bis 20 Uhr, im Winter von 8 bis 18 Uhr möglich. Nach Vereinbarung kann man an Führungen teilnehmen.

Burgfest

Jedes Jahr am ersten Samstag im Juli findet auf der Feste Lichtenau ein großes Burgfest statt. Im Jubiläumsjahr 1996 wurde das historische Schauspiel "Schnöd" uraufgeführt, das das tragische Schicksal des Ortes Lichtenau und der Burg im Jahre 1552 darstellt. Der damalige Pfleger Ludwig Schnöd stand vor der Frage, ob er das Leben seines Sohnes Melchior opfern oder der freien Reichsstadt die geschworene Treue halten sollte. Zu der Erpressung kamen Plünderung, Brandschatzung und das Schleifen der Burg und fast aller Gebäude im Ort.

Burgenstraße

 

 

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Burgenstraße

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4 Colmberg – Nürnberg

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4.03 Burg Colmberg
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4.07 Ortsteil Häslabronn
4.08 Colmberg – Bienenstand
4.09 Colmberg – Wandern –
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4.10 Ansbach – Rokokostadt
4.11 Markgräfliches Schloss
4.12 Kirchen in Ansbach

4.13 Lichtenau
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4.15 Wolframs-Eschenbach
4.16 Marktplatz – Wolfram-von-Eschenbach-Platz

4.17 Abenberg
4.18 Burg Abenberg

4.19 Roth
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4.21 Nürnberg
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4.24 Museen in Nürnberg
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5 Erlangen – Heiligenstadt

6 Bamberg – Bayreuth

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