4.15 Wolframs-Eschenbach

Die Stadt

Wolframs-Eschenbach ist ein kleines Städtchen im "Fränkischen Seenland". Mit den Stadtteilen Adelmannsdorf, Wöltendorf, Waizendorf, Selgenstadt, Biederbach, Reutern, Sallmannshof, Utzenmühle und Bölleinsmühle zählt es ungefähr 3000 Einwohner. Verwaltungsmäßig gehört Wolframs-Eschenbach zum Landkreis Ansbach. In der Nachbargemeinde Triesdorf befindet sich die nächste Bahnstation. Sie liegt an der Strecke Würzburg-München.

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"Eine Stadt kleinsten Formats, in einer Unberührtheit und mit einem historischen Stimmungswert, wie er selten noch gefunden wird." So beschreibt der Kunsthistorikerr G. Dehio (19. Jahrhundert) das mittelalterliche Städtchen. Wer Wolframs-Eschenbach durch eine der beiden Stadttore betritt, der kann den Ausspruch Dehios gut nachvollziehen. Ähnlich wie in Rothenburg ob der Tauber scheint hier die Zeit stehen geblieben zu sein. 

Das Stadtbild ist geprägt von romantischen Gässchen und Plätzen und dem noch vollständig erhaltenen Mauerring. Überragt vom Liebfrauenmünster mit seinem bunt glasierten Kirchturm gruppieren sich imposante Fachwerkbauten und prächtige Renaissancebauten wie die Alte Vogtei (14. Jahrhundert), das Pfründehaus (1410), das Hohe Haus (1439), das Alte Rathaus (1684), das Deutschordensschloss (1623) oder die Fürstenherberge (1608) mit dem einzigartigen Sgraffitoputz. Die vielen Sehenswürdigkeiten spiegeln die reichhaltige Geschichte der Stadt wieder, die auch die Heimatstadt eines der bedeutendsten Minnesänger und größten Dichter des Mittelalters, des Wolfram von Eschenbach (1170 bis 1220), ist.

Zur Geschichte

Der Name Wolframs-Eschenbach geht zurück auf den berühmten Sohn der Stadt, der um 1170 hier geboren wurde – allerdings beanspruchen auch andere Orte die Geburt für sich – und 1220 hier verstarb. Zur damaligen Zeit hieß der Ort nur Eschenbach. Gegründet wurde er bereits um 800 von der Reichsabtei Herrieden, das 888 mit seinem ganzen Besitz an den Bischof von Eichstätt überging. In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts weihte Bischof Gundekar II. von Eichstätt in Eschenbach eine Kirche ein. 

Die Geschichte von Wolframs-Eschenbach wurde vor allem geprägt durch den 1190 in Akko im Heiligen Land gegründeten Deutschen Orden, der Anfang des 13. Jahrhunderts in Eschenbach erstmals Fuß fasste und danach fast 600 Jahre hindurch die Geschicke des Ortes lenkte. Bis 1315 war der Ort eine eigene Komturei des Deutschen Ordens, bevor er in die Komturei Nürnberg eingegliedert wurde. Bereits 1332 erfolgte durch Kaiser Ludwig den Bayern die Stadterhebung, wodurch Eschenbach zu einem regionalen weltlichen und religiösen Zentrum wurde. Es entstand eine Stadtmauer mit 1200 Metern Länge, zwei kleinen Türmen und zwei wuchtigen Tortürmen. Um 1500 hatte die Stadt mit fast 1000 Einwohnern ihre größte Ausdehnung. Der Dreißigjährige Krieg beendete jedoch die Blütezeit. Die Einwohnerzahl sank auf ein Drittel herab. 

Bis zum Dreißigjährigen Krieg konnte die Reformation wegen der Bekämpfung durch den Deutschen Orden nicht Fuß fassen. Dies änderte sich jedoch, als 1632 der Schwedenkönig Gustav Adolf der Reichsstadt Nürnberg die Komturei Nürnberg schenkte, zu der ja auch Eschenbach gehörte. Doch bereits drei Jahre später musste Eschenbach infolge des Prager Friedens dem Deutschen Orden zurückgegeben werden und wurde wieder katholisch. 1796 entzogen die Preußen durch ihre Okkupation dem Deutschen Orden die Herrschaft. 1806 erfolgte der Anschluss an das Königreich Bayern und die Säkularisation des Ordens.

1861 stiftete der bayerische König Maximilian II. das neugotische Wolfram-Denkmal auf dem Wolfram-von-Eschenbach-Platz inmitten des Städtchens, das sich seit dem 19. Mai 1917 offiziell Wolframs-Eschenbach nennen darf. Damals "haben seine Majestät", König Ludwig III. von Bayern, "allergnädigst zu genehmigen geruht, dass die Stadt Eschenbach, königliches Bezirksamt Gunzenhausen, künftig hin den Namen Wolframs-Eschenbach führe" und damit dem jahrelangen Gerangel um den wahren Geburtsort des Sängers ein Ende gesetzt.

Sehenswertes

Wolfram-von-Eschenbach-Platz: Wolfram-Denkmal, Deutschordensschloss, Liebfrauenmünster, Wolfram-von-Eschenbach-Museum / Altes Rathaus

Stadtbefestigung

Mit dem Erhalt des Stadtrechts wurden zunächst Gräben um Wolframs-Eschenbach gezogen. Im Anschluss folgte die Stadtmauer, deren Ausführung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm. Ihr Verlauf wirkt wie ein wehrhafter Schild, der nach Westen gestemmt wird. Durch seine parabelförmige Kontur und seine gliedernden Haupt- und Nebenachsen erfuhr der Stadtgrundriss eine Regelmäßigkeit, die an einen Kirchengrundriss im gotischen Stil erinnert.

Im Bereich des Oberen Tores ist bis in die Gegenwart hinein die trutzige Wehrhaftigkeit der Befestigungsanlage zu erkennen. Der tiefe Graben, der kompakte Torturm, die hohe innere Mauer, verstärkt noch mit einem Zwinger und einer zweiten äußeren Mauer, vermitteln den Eindruck, dass Eschenbach zu einer einzigen Festung ausgebaut wurde. Nur im Nordosten verzichtete man auf einen zweiten Mauerring mit Bastionen, da hier das Eschenbachtal mit einer Reihe von Weihern schon guten Schutz bot.

Das Obere Tor wurde zwischen 1361 und 1375 erbaut. 1769 wurde der Torturm um das vorkragende Obergeschoss erhöht und mit einer Barockzwiebel bekrönt. Das Vorwerk entstand 1463 auf den Fundamenten eines Vorgängerbaus. Die alte hölzerne Zugbrücke ersetzt seit 1784 eine zweibogige Steinbrücke. Die Wappen am Oberen Tor erinnern an die Herrschaft des Deutschen Ordens während der Bauzeit. Neben dem großen Tor befindet sich noch eine zweite Pforte, die so genante Mannpforte, die eine eigene Zugbrücke besaß. Das Häuschen vor dem Vorwerk ist das ehemalige Torwärterhaus. Der Turm des Oberen Tores ist noch heute bewohnt.

Das Untere Tor wurde an Stelle eines abgebrannten Vorgängerhauses zwischen 1407 und 1416 errichtet. 1769 wurde die Zugbrücke entfernt und der Torgraben aufgefüllt. Die am Tor angebrachten Wappen erinnern an den Landkomtur Graf Ludwig von Wertheim (1407 bis 1419) und an den Deutschmeister Konrad von Egloffstein (1396 bis 1416).

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts verstärkte man die Südflanke der Stadtmauer mit dem Hungerturm und dem Bürgerturm. Die beiden Rundtürme stammen aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts. Der Hungerturm diente bis ins 18. Jahrhundert als Gefängnis. An diese Zeit erinnern noch heute die Kritzeleien der Gefangenen im Innern des Turms.

Alte Vogtei

Die Zentrale der Macht, das Amtshaus des Deutschordensvogtes wurde 1430 errichtet. Der heutige Fachwerkbau stammt aus der Zeit um 1600. In den Jahren 1610 bis 1617 blendete man der Giebelseite das eigentliche Prunkstück vor: das Eingangsportal aus Sandstein. Es wird von zwei Säulen umrahmt, die ihm ein herrschaftliches Gepräge geben. An der Ostseite ist ein Fensterband kunstvoll mit Kerbschnitten ausgeformt. Heute ist das Gebäude eine gastliche Herberge mit empfehlenswerter Küche. Das Gasthaus diente für die Räuber-Hotzenplotz-Filme mit Gerd Fröbe auch als Kulisse.

Pfründehaus

Das Pfründehaus, im Volksmund auch "Arche Noah" genannt, wurde im 13. Jahrhundert erbaut und ist damit eines der ältesten Fachwerkhäuser in alemannischer Ständerbauweise. Der steile Anstieg des malerischen Halbwalmdaches aus der Entstehungszeit und seine vorkragenden Partien verleihen dem Haus eine eigene Persönlichkeit.

Wolfram von Eschenbach – Zur Person des Dichters

"Ich bin Wolfram von Eschenbach, unt kan ein teil mit sange, unt bin ein habendiu zange minen zorn gein einem wibe..." – "Ich bin Wolfram von Eschenbach, und ich kann auch Lieder machen! Und als Zange halt ich fest am Zorn auf diese eine Frau..." Diese Verse aus dem "Parzival", der wohl bekanntesten Schrift des Mittelalters, haben die Meinung bestärkt, dass der Verfasser dieser Ritterabenteuer tatsächlich aus Eschenbach kam und hier lebte.

Der herausragende Minnesänger Wolfram von Eschenbach war ein mittelfränkischer Ritter, der mit Frau und Tochter eine offenbar bescheidene Burg bewohnte, über die er sich wohl hin und wieder auch scherzhaft äußerte. Der Dichter, der neben "Parzival" auch so berühmte Werke wie "Willehalm" oder "Titurel" verfasste, zog aus, um sich am Hofe von Landgraf Hermann V. von Thüringen mit Walther von der Vogelweide oder seinem minnesingenden Kollegen aus dem nahen Thannhausen im Liederwettstreit zu messen – so erzählt zumindest Richard Wagner in seinem "Thannhäuser".

Wenn auch nicht viel aus dem Leben Wolfram von Eschenbachs bekannt ist, so verraten doch rund 40 000 Verszeilen aus seiner Hand, dass er ein eminent fleißiger und hoch gebildeter Sänger war. Er brachte den Troubadourgesang durch neue Themen und eine größere persönliche Intensität voran. Das Minnespiel wurde bis zu dieser Zeit eher gesellschaftlich aufgefasst; bei Wolfram von Eschenbach kam erstmals eine persönliche, auch tragische Färbung in die Gesänge. Ritterabenteuer sah er unter religiösen und ethischen Aspekten, gestaltete sie glanzvoller und stellte die Ritter, ihren Kampf, ihre Liebe und ihre Beschäftigung mit dem Sinn des Lebens in den Mittelpunkt. Als Quellen seiner Hauptwerke sind die Artus- und Gralsdichtungen zu erkennen.

Freizeitangebote

In der Umgebung von Wolframs-Eschenbach laden zahlreiche markierte Wanderwege und Radwege dazu ein, die intakte Landschaft, die von Wäldern, Wiesen und Weihern geprägt ist, zu erkunden. Die Fahrradwege und Wanderwege sind an das überörtliche Wegenetz im gesamten Fränkischen Seenland angebunden. 

Moderne Freizeitbäder in Nachbarorten von Wolframs-Eschenbach sowie die Fränkischen Seen bieten Freunden des nassen Elements viel Badespaß. An den Seen finden Wassersportler vom Surfen bis Segeln ein breites Angebot. Verschiedene Reiterhöfe bieten Reitmöglichkeit und Reitunterricht. Zum weiteren sportlichen Angebot in Wolframs-Eschenbach gehören Tennis, Tischtennis, Schießen und Kegeln.

Das Städtchen Wolframs-Eschenbach ist ein beliebter Anziehungspunkt wegen seines kulturellen Angebotes. Ständig wechselnde Kunstausstellungen im Zehentstadel mit abwechslungsreichem Rahmenprogramm, Sonderausstellungen im Museum und die ständige Ausstellung der Zunft der Nürnberger Freizeitkünstler bieten eine große kulturelle Vielfalt. Die "Wolframs-Eschenbacher Sonntage" mit musikalischen Beiträgen und Führungen durch Stadt und Museum ergänzen das Angebot. Kirchenkonzerte an Festtagen, weltliche Konzerte wie z. B. die Schlosshofserenade, Auftritte der mittelalterlichen "Stadtpfeyferey" mit Tanzgruppe sind kleine musikalische Besonderheiten. 

Im Juli verwandelt sich alle zwei Jahre die Innenstadt in einen riesigen Festsaal. Ein buntes Treiben, angereichert mit interessanten Kulturangeboten, lockt viele Besucher von nah und fern. Bei echten fränkischen Spezialitäten genießt man die mittelalterliche Atmosphäre und die Heiterkeit des Altstadtfestes. Überhaupt bietet das ganze Jahr hindurch eine Vielzahl von Festen und Attraktionen Möglichkeiten, sich bei gutem Essen, Trinken, Musik und Unterhaltung zu vergnügen. Die Kirchweih im August bildet für Fremde und Einheimische dabei den Höhepunkt. Der vorweihnachtliche "Sternlesmarkt" im romantischen Schlosshof beschließt den Festreigen.

Burgenstraße

 

 

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Burgenstraße

1 Mannheim – Neckarzimmern

2 Haßmersheim – Heilbronn

3 Jagsthausen – Rothenburg o. d. Tauber

4 Colmberg – Nürnberg

4.01 Colmberg
4.02 Colmberg – Geschichte
4.03 Burg Colmberg
4.04 Ortsteil Auerbach
4.05 Ortsteil Bieg
4.06 Ortsteil Binzwangen
4.07 Ortsteil Häslabronn
4.08 Colmberg – Bienenstand
4.09 Colmberg – Wandern –
Eichenwaldweg

4.10 Ansbach – Rokokostadt
4.11 Markgräfliches Schloss
4.12 Kirchen in Ansbach

4.13 Lichtenau
4.14 Feste Lichtenau

4.15 Wolframs-Eschenbach
4.16 Marktplatz – Wolfram-von-Eschenbach-Platz

4.17 Abenberg
4.18 Burg Abenberg

4.19 Roth
4.20 Markgrafenschloss Ratibor

4.21 Nürnberg
4.22 Nürnberger Burg
4.23 Kirchen in Nürnberg
4.24 Museen in Nürnberg
4.25 Profanbauten in Nürnberg

5 Erlangen – Heiligenstadt

6 Bamberg – Bayreuth

7 Cheb – Prag

 

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