4.20 Markgrafenschloss Ratibor

Markgrafenschloss Ratibor

Das frühere Jagdschloss Ratibor aus dem 16. Jahrhundert ist nach dem schlesischen Fürstentum Ratibor benannt, das neben den Fürstentümern Oppeln und Jägerndorf im Besitz des Schlosserbauers Markgraf Georg der Fromme war. Es ist eine der wenigen noch erhaltenen, mit spätgotischen Stilelementen vermischten Schlossanlagen der deutschen und italienischen Frührenaissance. 

Zur Geschichte

Schloss Ratibor war von Anfang an als Jagdschloss geplant. 1534 wurde mit dem Bau begonnen. Finanziert wurde er aus den Einkünften aus den schlesischen Besitztümern des Markgrafen Georg der Fromme von Brandenburg-Ansbach, an die er durch Heirat gekommen war. Georg war dreimal verheiratet. Erst die dritte Frau konnte ihm den ersehnten Nachfolger schenken. Den Beinamen "der Fromme" erhielt er aufgrund seiner Toleranz gegenüber Andersgläubigen. Für die Errichtung des Schlosses mussten ein Teil der Stadtmauer und einige Häuser abgerissen werden. 

1537 konnten die Arbeiten am Schloss abgeschlossen werden. In den folgenden Jahrhunderten wurden mehrere Umbaumaßnahmen vorgenommen. Die Schlosstürme wurden 1585 angefügt. 1623 wurde der Marstall um ein Geschoss erhöht. 1736 erfolgte die Aufstockung des Südflügels. Gleichzeitig erfuhren auch die Innenräume eine Umgestaltung. 

Mit der Abdankung des letzten Markgrafen 1791 erwarb der Fabrikant Stieber das Schloss, das er mit seiner Familie bewohnte, teilweise aber auch als Produktionsstätte nutzte. 1857 wurde das Hauptgebäude für die Einrichtung eines Landgerichts an die Stadt verkauft. 1892 konnte Wilhelm von Stieber durch die Finanzierung eines neuen Gerichtsgebäudes das Schloss zurück erwerben. Eine Fabrikanlage kam diesmal nicht mehr in die Räume. Die Innenräume ließ er in den folgenden Jahren von namhaften Künstlern und Firmen in historischen Formen neu ausstatten. Bei der Neugestaltung orientierte er sich an repräsentativen Räumen aus der Zeit der Renaissance und des Frühbarock. Die ursprüngliche Ausstattung aus der Markgrafenzeit war zuvor fast vollständig verloren gegangen. 1942 übergab die Witwe Stiebers das Schloss der Stadt Roth als Schenkung. 

Die Anlage

Die Gebäudeteile des Schlosses Ratibor ordnen sich um den rechteckigen Schlosshof an. An der Westseite befindet sich der dreigeschossige Hauptbau. Die Nordseite wird von dem ebenfalls dreigeschossigen Marstall und dem Kornboden eingenommen. Süd- und Ostflügel sind jeweils nur zweigeschossig. Die Ecken werden von runden, teilweise eingezogenen Türmen bestimmt. Der ehemalige südöstliche Turm, der zugleich auch Torturm der Stadtbefestigung war, wurde 1879 abgebrochen. Der ursprüngliche Schlossgraben ist noch an zwei Seiten erhalten. 

Vom romantischen Schlosshof aus betritt man durch ein Sandsteinportal das prunkvolle Treppenhaus. Es erinnert an italienische Renaissance-Paläste. Ein Glasfenster zeigt den Bauherrn, umgeben von seinem Wappen und den Wappen seiner drei Ehefrauen. Darüber befinden sich die Wappen der Familie Stieber und ihrer Verwandten. Vom Treppenhaus gelangt man in die verschiedenen Repräsentativräume. 

Das Kaminzimmer ist ausgestattet mit Mobiliar im Stil der Renaissance, darunter der Kamin, ein alter Tisch mit figürlichen Tischbeinen und Schränke mit Intarsien. Hinter einer reich verzierten Tür öffnen sich das so genannte Musikzimmer im klassizistischen Stil, an dessen Türen Musikinstrumente abgebildet sind, und anschließend das Barockzimmer mit originalen Wandbildern mit biblischen Szenen aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. 

Links von der Treppe gelangt man durch den Wintergarten in den Speisesaal. Die Gemälde verweisen in ihrer Thematik auf die Funktion dieses Raumes. Bemerkenswert ist ein großes Bild über der Anrichte, das ein Gastmahl im Hause Stieber zeigt, wobei die Teilnehmer in historische Gewänder gekleidet sind. Besonders sehenswert ist der Prunksaal. In seiner Gestaltung erinnert er an italienische Säle der Spätrenaissance und des Frühbarock. Entlang den Wänden sind auf imitierten Gobelins Szenen aus Homers Odyssee dargestellt. In der Stuckdecke sind große Gemälde eingelassen. Sie zeigen Szenen und Personen aus der antiken Mythologie. Auf dem Hauptbild ist "der Triumph der Aphrodite" zu sehen. Die erwähnten Räume können auch im Rahmen einer Führung besichtigt werden. 

Schlossmuseum

Im zweiten Obergeschoss ist ein Museum untergebracht. Dorthin gelangt man durch den Hinterausgang des Prunksaales. Die Ausstellung umfasst Themenbereiche wie Geschichte und Kirchengeschichte, Handwerk und Gewerbe, die Landwehr und das Feuerlöschen in Roth, Rother Vereine, Zeugnisse aus dem häuslichen Bereich u. ä. Besonders beachtenswert ist die Spielzeugsammlung und die Kollektion mittelfränkischer Hafnerkeramik des 19. Jahrhunderts. In einem Raum werden auch Werke der einheimischen Künstler Anton Seitz (1829 bis 1900) und Ferdinand Rothbart (1823 bis 1899) gezeigt. Sehenswert ist auch der schöne Innenhof des Schlosses. Zum Abschluss des Museumsbesuchs lädt das Restaurant Ratsstuben zu einem Kaffee oder einer Mahlzeit ein. 
Öffnungszeiten des Museums: 1. April bis 30. September, samstags und sonntags 13 bis 16 Uhr

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