4.11 Markgräfliches Schloss in Ansbach an der Fränkischen Rezat

Markgräfliches Schloss

Obwohl sich die markgräfliche Residenz heute als eine Anlage des 18. Jahrhunderts in einheitlichem Rokokostil präsentiert, ist sie wie viele Schlösser im Laufe der Jahrhunderte baulich gewachsen. Das Schloss liegt markant am östlichen Altstadtrand von Ansbach an der Rezatbrücke.

Zur Geschichte

Um 1400 begann Burggraf Friedrich VI. von Nürnberg mit dem Bau einer Wasserburg in Ansbach. 1417 ließ Kurfürst und Markgraf Friedrich I. von Brandenburg-Ansbach die Schlosskapelle einbauen. Unter Markgraf Albrecht Achilles (1470 bis 1484) entstanden weitere Gebäude, insbesondere der Südbau mit Rüstkammer und Küchengebäude.

Ab 1565 wurde die Wasserburg zu einem Renaissanceschloss umgebaut. Dabei wurden Teile des mittelalterlichen Baukörpers abgerissen. Die beiden nördlichen Flügel wurden in Renaissanceformen um ein Stockwerk auf vier Geschosse erhöht, und jeweils an der Nordost- und der Nordwestwand eine Arkadengalerie errichtet. 1594 folgte die Errichtung des Schlosstores mit Zwinger. Es verband den Nordostflügel mit dem Marstall und der Rezatbrücke. Der Südostflügel wurde ebenfalls auf vier Stockwerke erhöht und 1622 die Schlosskapelle vergrößert.

Zwischen 1706 und 1738 wurde das Renaissanceschloss in eine Vierflügelanlage umgewandelt. Es entstand ein Schloss im Rokokostil, das bis heute sein Erscheinungsbild bewahrt hat. Für die barocke Ausgestaltung der Innenräume wurden mehrere bekannte Künstler verpflichtet.

Die Anlage

Das Markgräfliche Schloss ist eine Vierflügelanlage, die einen trapezförmigen Hof umschließt. Der Südostflügel besteht aus zwei hintereinander liegenden Gebäudefluchten, dem vorderen dreigeschossigen Bau mit Walmdach und dem hinteren viergeschossigen Mansarddachhaus. An der Südostseite befindet sich auch die Hauptfassade. Sie ist durch Pilaster in 21 Achsen gegliedert. Nur leicht treten zwei Risalite hervor. Sie werden von je vier Statuen bekrönt. Hoch über dem Eingang grüßen zwei weitere Sandsteinfiguren. Die vier Statuen über dem östlichen Risalit sind noch original aus dem frühen 18. Jahrhundert erhalten und stellen Justitia, Herkules, Prudentia und Mucius Scaevola dar. Die vier Statuen auf dem südlichen Risalit repräsentieren Mars, Minerva, Fortuna und Jupiter. Sie sind wie die beiden Trophäen über dem Eingang Kopien aus dem Jahre 1934. Die sechs Reliefmedaillons in den Risaliten symbolisieren die drei Künste Malerei, Architektur und Bildhauerei sowie die Tugenden Weisheit, Tapferkeit und gute Herrschaft.

Im Nordostflügel und im Nordwestflügel sind noch Bauten der alten Wasserburg in Teilen erhalten. Im Nordostflügel erinnert die heutige Gotische Halle von 45 Metern Länge und 9 Metern Breite, die von einem Netzgewölbe überspannt wird, an den mittelalterlichen Kemenatenbau. Im Nordwestflügel erkennt man den ehemaligen Palas an seinen kreuzrippengewölbten Räumen im Erdgeschoss. Auch der Rest des 1733 gekappten Burgturms im Nordeck ist noch in der Mauersubstanz ablesbar. Den Schlosshof betritt man durch das Schlosstor auf der Südwestseite.

Vor der markgräflichen Residenz steht das "Anscavallo", eine originelle moderne Pferdeplastik und ein Wahrzeichen der Stadt.

Die Innenausstattung

Alle 27 prunkvollen Staatsräume der Residenz haben, abgesehen von ihrer herausragenden künstlerischen Qualität, den Vorzug, ausgezeichnet erhalten und reich mit Mobiliar und Kleinkunst ausgestattet zu sein. Eines der Prunkstücke ist ein nach 1763 ausgeformter Kronleuchter der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin, von dem nur 3 Exemplare angefertigt worden sind. Der Lüster ist ein Geschenk Friedrichs des Großen.

Besonders sehenswert ist auch der zweigeschossige Festsaal mit einem allegorischen Deckenfresko, das den Bauherrn Carl Wilhelm Friedrich verherrlicht. Zu den vollkommensten Raumkunstwerken zählen das fast ganz in Weiß und Gold prangende und mit Deckengemälden gezierte Spiegelkabinett, der mit 2800 Fliesen aus der örtlichen Manufaktur ausgestattete Kachelsaal und das überaus repräsentative Audienzzimmer. Beachtenswert sind auch die Bayerische Staatssammlung "Ansbacher Fayence und Porzellan" und die Staatsgalerie mit bedeutenden Gemälden aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Öffnungszeiten: Dienstags bis sonntags 9 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr, im Winter 10 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr. Führungen werden zu jeder vollen Stunde angeboten.

Hofgarten und Orangerie

Südöstlich vom Schloss erstreckt sich der Hofgarten mit der 102 Meter langen Orangerie. Der ursprünglich barocke Hofgarten wurde unter Markgraf Alexander ab 1786 in eine Anlage nach englischem Vorbild umgestaltet. Lediglich den französischen Ziergarten vor der Orangerie stellte man nach dem Zweiten Weltkrieg wieder her.

Die Orangerie wurde zwischen 1726 und 1734 als eines der größten und schönsten Gartenschlösser im süddeutschen Raum erbaut. Heute dient sie vor allem als Veranstaltungs- und Kongressgebäude. Die Orangerie ist ein lang gestreckter Erdgeschossbau mit nach Süden gerichteter Gartenfassade. Akzente setzen der verhaltene Mittelrisalit und vor allem die beiden Eckpavillons. Auf der der Rezat zugewandten Nordseite verdient die Kolonnadengalerie mit 16 gekuppelten Säulenpaaren vor einem Wasserbassin Beachtung.

Beim Spaziergang durch die herrliche Grünanlage des Hofgartens mit den farbenfrohen Blumenrabatten, dem über 250 Jahre alten "Lindendom" und den natürlich umstehenden Gebüschen stößt man unvermittelt auf ein neugotisches Denkmal mit der rätselhaften Inschrift: "Hic occultus occulto occisus est XIV Dec. MDCCCXXXIII." Die deutsche Übersetzung lautet: "Hier kam ein Unbekannter auf unbekannte Weise ums Leben, 14. Dezember 1833." Der Stein erinnert an das wohl berühmteste Findelkind, an Kaspar Hauser, der an dieser Stelle niedergestochen wurde, aber entgegen der Zeitangabe erst drei Tage später an den Folgen der Tat starb.

Im Hofgarten finden jährlich Anfang Juli auch die Rokoko-Festspiele statt, bei denen die höfische Kultur vergangener Tage erwacht. Krönender Abschluss dieses berauschenden Tanz- und Ballfestes ist ein Barockfeuerwerk vor der Kulisse der Orangerie.

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