4.17 Abenberg

Die Stadt 

Abenberg liegt ca. 30 km südlich von Nürnberg in der hügeligen Rangaulandschaft, einem uralten fränkischen Kulturgebiet. Mit den Stadtteilen Obersteinbach, Wassermungenau, Beerbach, Ebersbach, Dürrenmungenau, Kapsdorf, Bechhofen, Kleinabenberg und Louisenau zählt es ungefähr 5000 Einwohner. Verwaltungsmäßig gehört die Stadt zum Landkreis Roth

Vieles hat in Abenberg noch einen alten Charakter behalten. Man legt Wert auf die über tausendjährige Geschichte. Zwei Stadttore und Teile der ehemaligen Stadtmauer sind noch erhalten. Überragt wird Abenberg von einer weithin sichtbaren Burg. Dort informiert seit 2001 auch das Klöppelmuseum über die interessante Volkskunst, die in der Stadt eine bedeutende Rolle gespielt hat. Es ist das einzige seiner Art in Deutschland. Gegenüber der Burg liegt das Kloster Marienberg. Zu den sehenswertesten Gebäuden in der Stadt selbst gehören das Bürgerhaus Beyersdorfer, ein Fachwerkhaus aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, und das 1743/1744 als Finanzamt erbaute Rathaus. 

Auch die Musik hat ihre Tradition in Abenberg. Waren es einst die Minnesänger, die den Ruhm der Stadt in alle Lande trugen und auf der Burg selbst gastlich aufgenommen wurden, so sind es heute zwei Musikkapellen, die den Namen der Stadt weithin bekannt machen: die Original Abenberger Blasmusik in ihrer bunten mittelalterlichen Tracht und der Musikzug der DJK Abenberg, der vor allem volkstümliche Musik erklingen lässt.

Zur Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung Abenbergs stammt aus dem Jahre 1071. Am Kreuzungspunkt alter Handelsstraßen entwickelte sich hier eine Grafschaft unter den Hohenstaufern. Die Herren von Abenberg waren die Schirm- und Schutzvögte von Bamberg sowie der Klöster Banz und Theres.

Die berühmteste Tochter der Stadt ist wohl die selige Stilla, eine Adlige, die dem höfischen Leben entsagte und ihr Leben den Armen und Kranken widmete. 1132 gründete sie auf der Anhöhe jenseits des Tales eine kleine Kirche. Schon kurz nach ihrem Tod um 1150 pilgerten viele Menschen zu ihrem Grab. Doch erst 1927 wurde sie offiziell von Rom selig gesprochen. Im Jahr 1482 entstand ein Augustinerinnenkloster zur Pflege der Wallfahrt.

Mit dem Aussterben des Abenberger Geschlechts und dem Herrschaftswechsel 1236, als Burg und Ort an die Grafen von Nürnberg gelangten, fand Abenberg Verbindung zu den Hohenzollern. 60 Jahre später kam der Ort in den Besitz des Eichstätter Fürstbischofs Reinboto. Unter ihm erhielt er 1299 die Stadtrechte. Eine neue Stadtmauer mit Toren und Türmen wurde errichtet. In den folgenden Jahrhunderten verlor Abenberg an Bedeutung. Der Bauernkrieg, die Schmalkaldische Fehde, der Markgrafenkrieg und der Dreißigjährige Krieg fügten der Stadt schwere Verluste zu, von denen sie sich nur langsam erholte.

Trotz österreichisch-evangelischer Migranten aus dem 17. und 18. Jahrhundert blieb der katholische Glaube weiterhin stark verwurzelt, was auch heute noch in den vielen karitativen Einrichtungen des Klosters und einer Katholischen Realschule seinen Ausdruck findet. Durch den Frieden von Lunéville wurde Abenberg 1802 für ein Jahr kurfürstlich-bayerisch, kam 1803 auf dem Tauschweg an Preußen und wurde 1806 dem Königreich Bayern eingegliedert. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden über 600 Vertriebene hier eine neue Heimat. 1982 wurde die Burg von der Stadt erworben.

Sehenswertes

Burg Abenberg / Klöppelmuseum 

Pfarrkirche St. Jakobus

Die katholische Pfarrkirche St. Jakobus geht zurück auf eine um 1070 von Bischof Gundekar II. von Eichstätt geweihten Jakobskapelle. Daneben stand wohl das bescheidene, von Wolfram II. von Abenberg gegründete Benediktinerkloster. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erfolgte ein Neubau des Gotteshauses, von dem lediglich noch der östliche Teil der nördlichen Langhausmauer erhalten ist. Hier erkennt man noch ein romanisches Rundbogenfries und Reste eines romanischen Portals. Ende des 13. Jahrhunderts entstand der Kirchturm. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde ein neuer Chor gebaut. Das Langhaus wurde im 17. nach Westen hin erweitert und eingewölbt. Im 19. Jahrhundert erfuhr das Langhaus eine erneute Erweiterung.

Der hohe Turm der Pfarrkirche St. Jakobus ist aus Sandsteinquadern erbaut und weist im unteren Bereich Zangenlöcher auf. Ursprünglich diente er als Wehrturm. Seit 1769 wird er von einem Pyramidendach mit Kuppellaterne bekrönt. Der flachgedeckte, mit Maßwerkfenstern ausgestattete Chor schließt das einschiffige Gotteshaus dreiseitig nach Osten ab. An seiner Außenwand ist eine romanische Ölberggruppe aufgestellt.

Unter den Ausstattungsstücken verdienen mehrere Holzfiguren aus dem 15. bis 17. Jahrhundert besondere Beachtung. Den Hochaltar ziert eine geschnitzte Marienfigur mit Kind aus der Zeit um 1470. Darüber hinaus sind in der Kirche eine Anna Selbdritt aus dem späten 15. Jahrhundert, ein hl. Sebastian aus der Zeit um 1500 und eine lebensgroße Muttergottes aus dem 17. Jahrhundert mit gotischen Nachklängen zu bestaunen. Sehenswert sind auch das Rokokokruzifix und ein Gemälde von 1680 mit der Szene der Darstellung Jesu im Tempel. Zwei weitere, zusammengehörige Gemälde wurden dem Kloster Marienburg entnommen. Die übrige Ausstattung des Gotteshauses stammt überwiegend aus dem 19. Jahrhundert.

Kloster Marienburg

Die Anfänge des Klosters Marienburg liegen in einer den Aposteln Petrus und Paulus geweihten Kapelle, die die selige Stilla im 12. Jahrhundert gegenüber der Burg auf einer kleinen Anhöhe erbauen ließ. In ihr befindet sich auch das Grab der Gräfin von Abenberg. Daher trägt das kleine Gotteshaus auch den Namen Stillakirche.

Schon bald nach dem Tod der seligen Stilla († 1147), die aufgrund ihres Einsatzes für die Armen und Kranken von der Bevölkerung als Fürsprecherin verehrt wurde, setzte eine Wallfahrt zu ihrem Grab ein. Bei der Grabkapelle (Stillakirche) gründete 1488 Fürstbischof Wilhelm von Reichenau das Augustinerinnenkloster Marienburg. Kirche und Kloster wurden nach einem verheerenden Brand zwischen 1677 und 1685 neu erbaut. Die Pläne dafür lieferte Hofbaumeister Jakob Engel aus Eichstätt. 1720 wurden die Klostergebäude teilweise erneuert. Vom alten Bestand sind nur noch Teile des West- und des Nordflügels erhalten.

425 Jahre lang überstand das Augustinerinnenkloster alle Stürme der Zeit. Im Zuge der Säkularisation wurde es 1803 jedoch aufgelöst. Mehr als ein Jahrhundert später wurde es aber erneut ins Leben gerufen. 1920 ließen sich hier franziskanische Schwestern von der Kongregation der Schmerzhaften Mutter nieder. Heute ist das Kloster Sitz der europäischen Provinzleitung der Kongregation. Das Kloster unterhält ein Altenheim mit Pflegestation, eine Tagespflegestätte, ein Schwesternwohnheim und eine Mädchenrealschule mit Internat und Hort.

Stillakirche

Die Klosterkirche St. Peter (Stillakirche) präsentiert sich als kleiner Saalbau, der von einem halbrundem Chor abgeschlossen wird. Das Langhaus wird durch Pilaster gegliedert. Im westlichen Bereich befindet sich eine Nonnenempore. Den Hochaltar von Paulus Auer aus Nürnberg schmücken eine Muttergottesstatue und ein reich gestalteter Tabernakel von 1730. Vom gleichen Künstler stammen auch die Seitenaltäre.

Die Hauptanziehungspunkte der Kirche sind das Stillagrab und das Stilladenkmal. Der Grabstein ist mit einem schlichten Hochrelief aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts ausgestattet. Die Tumba stammt von 1884. Das Denkmal weist einen epitaphähnlichen Aufbau auf. Künstlerisch bedeutsam sind der Grabchristus aus dem 15. Jahrhundert sowie die Kruzifixe aus dem 13. und 15. Jahrhundert. In der Muschel ist ein Relief der seligen Stilla zu sehen.

Von den weiteren Ausstattungsstücken sind eine Muttergottes, die Figuren der Apostel Petrus und Paulus und der Heiligen Sebastian und Augustinus, das Chorbogenkruzifix mit Maria und Johannes sowie der Kreuzweg aus dem 18. Jahrhundert erwähnenswert. An der Außenwand der Kirche ist eine Kalvarienberggruppe von 1740 mit lebensgroßen Figuren zu bewundern. In den "Katakomben" der Stillakirche, die über den Eingang an der Ostseite erreichbar sind, befindet sich die über 500 Jahre alte Grablege des Augustinerinnenklosters Marienburg mit 72 Gräbern. Sie sind jederzeit zugänglich. 

Auf dem Weg von der Stillakirche zur Burg Abenberg erinnern drei Stillasäulen an die Stadtpatronin. Die drei Säulen sind mit Stillamotiven ausgestattet. Ein weiteres Denkmal hat Abenberg seiner bedeutenden Tochter mit dem Stillabrunnen in der Stadt gesetzt. Das 1959 geschaffene Werk ersetzte einen früheren Gemeindebrunnen. Daneben steht eine Friedenseiche, die 1878 von Veteranen des Deutsch-Französischen Krieges 1870/1871 gepflanzt worden ist.

Freizeitangebote

Die nähere Umgebung von Abenberg ist von besonderem Reiz. Wälder und Wiesen, Hopfengärten und Tabakpflanzungen laden zu genussreichem Wandern ein. 9 Rundwanderwege mit Streckenlängen zwischen 3,5 und 14 km sind rund um Abenberg ausgeschildert. Sie sind gesäumt von vielen kleinen Kostbarkeiten, von Flurkapellen, Marterln, alten Grenzsteinen und Naturdenkmälern, darunter auch der so genannte Druidenstein im Abenberger Wald, ein mächtiger Felsblock, den wohl die Eiszeit hinterlassen hat, der aber auch mit keltischen Druiden in Verbindung gebracht wurde. Natürlich kann die schöne Landschaft von Ranggau und Fränkischem Seenland auch mit dem Fahrrad erkundet werden.

An warmen Tagen verheißt der Naturbadeweiher am Ortsausgang von Abenberg ein besonderes Badevergnügen. Er ist frei zugänglich und bietet Schwimmern und Nichtschwimmern gleichermaßen Möglichkeiten. Neben einer Liegewiese sind auch Umkleideräume und sanitäre Anlagen vorhanden. Wassersportfreunde kommen ebenfalls auf ihre Kosten. Auf den Seen des Fränkischen Seenlandes kann man segeln, surfen oder Boot fahren. Golfer können ihre Fähigkeiten auf der Golfanlage zu Füßen der Burg Abenberg unter Beweis stellen. Ein 18-Loch-Meisterschaftsplatz und ein 9-Loch-Kurzplatz fordern Profis wie Anfänger heraus. Skater können ihre Fahrkünste auf der Skate-Anlage der Stadt Abenberg erproben. Zur Ausstattung gehört eine Fun-Box mit mehreren Kombinationsmöglichkeiten. Sie soll um eine Mini-Pipe erweitert werden.

Burgenstraße

 

 

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Burgenstraße

1 Mannheim – Neckarzimmern

2 Haßmersheim – Heilbronn

3 Jagsthausen – Rothenburg o. d. Tauber

4 Colmberg – Nürnberg

4.01 Colmberg
4.02 Colmberg – Geschichte
4.03 Burg Colmberg
4.04 Ortsteil Auerbach
4.05 Ortsteil Bieg
4.06 Ortsteil Binzwangen
4.07 Ortsteil Häslabronn
4.08 Colmberg – Bienenstand
4.09 Colmberg – Wandern –
Eichenwaldweg

4.10 Ansbach – Rokokostadt
4.11 Markgräfliches Schloss
4.12 Kirchen in Ansbach

4.13 Lichtenau
4.14 Feste Lichtenau

4.15 Wolframs-Eschenbach
4.16 Marktplatz – Wolfram-von-Eschenbach-Platz

4.17 Abenberg
4.18 Burg Abenberg

4.19 Roth
4.20 Markgrafenschloss Ratibor

4.21 Nürnberg
4.22 Nürnberger Burg
4.23 Kirchen in Nürnberg
4.24 Museen in Nürnberg
4.25 Profanbauten in Nürnberg

5 Erlangen – Heiligenstadt

6 Bamberg – Bayreuth

7 Cheb – Prag

 

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