4.19 Roth

Die Stadt

Die Kreisstadt Roth mit ungefähr 25 000 Einwohnern liegt am Zusammenfluss von Roth, Rednitz und Aurach in der mittelfränkischen Keuperbucht und der Ferienregion "Neues Fränkisches Seenland". Zahlreiche Industrie-, Handwerks- und Einzelhandelsbetriebe sind hier angesiedelt.

Zu einer ausgiebigen Stadtbesichtigung laden viele historische Sehenswürdigkeiten ein wie z. B. das Markgrafenschloss Ratibor mit seinem Museum, das Seckendorff-Schlösschen, der Markgrafenbrunnen und das Riffelmacherhaus am Marktplatz, die Stadtkirche oder die Reste der Stadtmauer. Auch die kulturellen Bedürfnisse werden in Roth befriedigt. Dafür sorgen verschiedene Festveranstaltungen, Konzerte und ein anspruchvolles und abwechslungsreiches Programm in der "Kulturfabrik".

Zur Geschichte

Im Jahre1060 fand Roth anlässlich einer Kirchweihe durch Bischof Gundekar II. seine erste urkundliche Erwähnung. 1199 geriet der Ort unter die Herrschaft der Burggrafen von Nürnberg. In der Folgezeit wurde er burggräfliches, später markgräflich-ansbachisches Amt. Im Zuge einer planmäßigen Marktgründung entstand bereits im 13. Jahrhundert der Marktplatz, ehe Mitte des 14. Jahrhunderts die Stadtrechte verliehen wurden. 

Noch lange bevor Roth im wirtschaftlichen Leben eine Rolle zu spielen begann, machte es sich weit über die Grenzen Frankens hinaus einen Namen als ein von Kaiser und Reich anerkannter Asylort. Hier fanden alle diejenigen eine Zuflucht, die auf unbeabsichtigte Weise mit dem geltenden Recht in Konflikt geraten waren. Zwischen 1531 und 1537 ließ Markgraf Georg der Fromme von Brandenburg-Ansbach im Südwesten der Stadt ein Schloss erbauen. Es diente hauptsächlich als Jagdschloss und Oberamtssitz. Überhaupt hinterließ die Herrschaft der Markgrafen, die bis Ende des 18. Jahrhunderts dauerte, viele bauliche Spuren.

Nach der Abdankung des letzten Markgrafen kam Roth unter preußische Verwaltung. 1806 wurde es dem Königreich Bayern einverleibt. Mit dem Verkauf des Schlosses an den Fabrikanten Stieber brach in der Stadt das Industriezeitalter an. Stieber stellte leonische Waren her, also unechte Gold- und Silberdrähte, und verarbeitete sie weiter. Dank des Bahnanschlusses 1849 blühte dieses Gewerbe auf, und es wurden viele davon abgeleitete Industriefirmen gegründet. Sie produzierten beispielsweise Christbaumschmuck, Metallfolien oder Kabel. Noch heute trägt Roth den inoffiziellen Titel "industriereichste Kleinstadt Bayerns". Seit 1972 ist die Stadt Sitz des Landkreises Roth.

Sehenswertes

Markgrafenschloss Ratibor

Evangelische Stadtkirche

Die evangelische Stadtkirche wurde Anfang des 16. Jahrhunderts an Stelle eines romanischen Vorgängerbaus im gotischen Stil errichtet. Der Turm mit romanischen Elementen wurde beibehalten. Zwischen 1732 und 1738 wurde das Gotteshaus im Markgrafenstil umgebaut: Emporen; Altar, Kanzel und Orgel übereinander. Nach einem Brand von 1878 wurde ein neuer Turm in die Mittelachse des Schiffes gesetzt. Die Ausstattung der evangelischen Kirche ist neugotisch. Sehenswert sind unter anderem mehrere Epitaphien und Grabplatten aus dem 16. und 17. Jahrhundert.

Katholische Pfarrkirche

Die katholische Pfarrkirche St. Maria wurde Ende des 19. Jahrhunderts in neugotischem Stil erbaut. Von den Ausstattungsstücken sind vor allem die beiden spätgotischen Seitenaltäre erwähnenswert. Der südliche Kreuzauffindungsaltar zeigt im Schrein die Heiligen Helena, Elisabeth und Magdalena. Auf den Flügeln ist die Legende der Kreuzauffindung durch Kaiserin Helena dargestellt. Den Schrein des nördlichen Seitenaltars ziert eine Madonna mit Kind. Auf den Innenseiten der Flügel erkennt man die Heiligen Lazarus und Wolfgang. Die Außenseiten haben die Verkündigung zum Inhalt. Beachtung verdient auch eine geschnitzte Anna Selbdritt aus der Zeit um 1500.

Riffelmacherhaus

Das Riffelmacherhaus gilt als eines der schönsten Fachwerkhäuser in Franken. Das Kellergewölbe stammt aus dem späten Mittelalter, der dekorative Oberbau mit den Ecktürmchen vermutlich aus dem 17. oder 18. Jahrhundert. Im Erdgeschoss befindet sich heute die Markgrafenapotheke.

Seckendorff-Schlösschen

Das Schlösschen in der Hipoltsteiner Straße wurde 1768 von Oberamtmann Robert von Seckendorff erbaut. Treppenhaus, Saal und Seitenflügel stammen von Kameralamtmann Heuber (1797). Zwischen 1884 und 1937 diente das Gebäude als Städtisches Krankenhaus. Seit 1980 ist es Sitz der Volkshochschule.

Weitere historische Bauten

Weitere historische Bauten, die zu besichtigen es sich lohnt, sind unter anderem das Alte Rathaus, das Neue Rathaus, die Alte Kanzlei, die Reste der Stadtmauer usw. Ein Schmuckstück ist auch der der Marktbrunnen, der 1757 von der Stadt Roth als Geschenk für den damaligen Landesherrn Carl Wilhelm Friedrich aufgestellt wurde. Die barocke Brunnensäule zieren die Initialen des Landesherrn, drei Wasser speiende Köpfe und ein Frauenporträt. 

Fabrik-Museum

Durch die leonische Drahtindustrie erlebte Roth seit Ende des 18. Jahrhunderts einen wirtschaftlichen Aufschwung, der eng mit dem Namen Stieber verbunden ist. Ein anderer bedeutender Drahtfabrikant, Otto Schrimpff, hat seine alten Fabrikhallen der Öffentlichkeit als Museum zugänglich gemacht. Der Besucher findet eine rekonstruierte Fabrikeinrichtung vor, wie sie für die 1920er Jahre typisch war. Neben originalgetreu eingerichteten Wasch- und Toilettenräumen, einer Druckerei, einer Schlosserei, einem Kontor und einem Musterzimmer liegt der Schwerpunkt selbstverständlich auf alten, noch funktionstüchtigen Maschinen, mit denen früher Bänder und Drähte hergestellt wurden.

Mitarbeiter des Historischen Vereins Roth zeigen bei Vorführungen den Weg des Halbfertigprodukts, des grob gezogenen Drahtes, durch den Feinzug über Plättmühlen bis zu den verschiedenen Formen der Fertigstellung in Umspinnmaschinen, in Webstühlen und den großen Jacquard-Webstühlen zur Bänderherstellung bis hin zur Konfektionierung der Ware, die meist in Heimarbeit erfolgte. Plättmühlen bestehen aus zwei gegeneinander laufenden Stahlwalzen, die den fein gezogenen Draht platt drücken. Der Jacquard-Webstuhl ist ein programmierbarer Webstuhl mit Mehrfachdrahtzug.
Öffnungszeiten: Frühlingsanfang bis Ende Oktober, samstags und sonntags 13.30 bis 16.30 Uhr, im August auch mittwochs 13.30 bis 16.30 Uhr

Historischer Eisenhammer

Nahe der kleinen Ortschaft Eckersmühlen bei Roth befindet sich ein Museum, wo dem Besucher die Kunst des Hammerschmiedens, der Umgang mit dem glühenden Eisen, eindrucksvoll vor Augen geführt wird. Daneben ist eine Auswahl aus der großen Menge hier produzierter Erzeugnisse zu sehen: verschiedene Geräte zur Holzbearbeitung und für Erdarbeiten wie Hauen, Schaufeln, Spaten, unterschiedliche Pflugscharen, Werkzeuge für den Eisenbahnbau usw.

Die geschichtlichen Anfänge des Eisenhammers gehen ins 17. Jahrhundert zurück. Sein Aufstieg begann 1775 mit Johann Michael Schäff. Den kräftigsten Aufschwung erlebte er unter Johann Michael Schäff III., der durch den Bau einer Lokalbahn von der zunehmenden Industrialisierung profitierte. Als der Familienbetrieb der Konkurrenz der großen Fabriken nicht mehr standhalten konnte, wurde er 1974 geschlossen.

Eine Museumseinheit befasst sich mit der Treibriemenfertigung, der gegerbte Rinderhäute als Rohmaterial dienten. Alle Maschinen im Eisenhammer wurden von solchen Treibriemen über eine Transmission angetrieben, die ihre Kraft von einer Turbine (früher Wasserrad) bezog.
Öffnungszeiten: 1. April bis 31. Oktober mittwochs bis sonntags und feiertags 13 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung

Rothsee

Der Rothsee in der Nähe der Kreisstadt ist ein künstlich angelegter See, der aus der Roth und dem Main-Donau-Kanal gespeist wird. Er hat eine Größe von 220 Hektar. Während die Vorsperre einen konstanten Wasserstand aufweist, kann der Pegel in der Hauptsperre bis zu 7 Meter variieren. Der Rothsee und seine Umgebung ist ein beliebtes Freizeit- und Erholungsgebiet mit Badestränden, der Möglichkeit zum Segeln und Surfen, Wandern und Radfahren und entsprechenden Versorgungseinrichtungen.

Jeweils Anfang Juli findet hier der IRONMAN Europe statt, die größte Triathlonveranstaltung der Welt mit über 2500 Teilnehmern auf der so genannten Ultra-Distanz. Das Sport-Spektakel mit Weltstars lockt inzwischen alljährlich über 100 000 Zuschauer an.

Freizeitangebote

Die nähere Umgebung von Roth bietet Erholung Suchenden zahlreiche Wanderwege und Radwege. Die teilweise beschilderten Routen führen durch ausgedehnte Wiesenlandschaften und Waldlandschaften, unter anderem rund um den Rothsee und den Main-Donau-Kanal entlang. Lohnenswerte Wanderziele sind zum Beispiel die Ruine der im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Burg Wartstein auf dem sagenumwobenen Teufelsknopf (393 m. ü. M.) oder der nahe gelegene Schöttleinsweiher. Wer beim Wandern zusätzlich etwas für die Bildung tun möchte, dem sei der Rother Natur- und Vogellehrpfad bzw. der Naturlehrpfad im Stadtteil Bernlohe empfohlen. Zu gemütlichen Spaziergängen laden Stieberpark mit dem Mausoleum der Fabrikantenfamilie Stieber, der Stadtpark und der Weinbergpark ein.

Badegelegenheit findet man im beheizten Städtischen Freibad mitten in der Stadt am Flüsschen Roth, im Hallenbad in der Nähe des Stadtparks, im Rothsee oder in den anderen Seen des Fränkischen Seenlandes. Für die körperliche Fitness sorgt ein Trimm-dich-Pfad. Tennis, Angeln und Kegeln gehören zum weiteren sportlichen Angebot. 

Alljährlich finden in den Monaten Juli und August die Schlosshoffestspiele im Hof des Schlosses Ratibor statt. Sie sind weit über die Grenzen des Landkreises hinaus bekannt und genießen einen hervorragenden Ruf. Das zweite große Festereignis in Roth ist das Altstadtfest im September, das von den örtlichen Vereinen in Zusammenarbeit mit den Vereinigungen ausländischer Mitbürger veranstaltet wird. 

Burgenstraße

 

 

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Burgenstraße

1 Mannheim – Neckarzimmern

2 Haßmersheim – Heilbronn

3 Jagsthausen – Rothenburg o. d. Tauber

4 Colmberg – Nürnberg

4.01 Colmberg
4.02 Colmberg – Geschichte
4.03 Burg Colmberg
4.04 Ortsteil Auerbach
4.05 Ortsteil Bieg
4.06 Ortsteil Binzwangen
4.07 Ortsteil Häslabronn
4.08 Colmberg – Bienenstand
4.09 Colmberg – Wandern –
Eichenwaldweg

4.10 Ansbach – Rokokostadt
4.11 Markgräfliches Schloss
4.12 Kirchen in Ansbach

4.13 Lichtenau
4.14 Feste Lichtenau

4.15 Wolframs-Eschenbach
4.16 Marktplatz – Wolfram-von-Eschenbach-Platz

4.17 Abenberg
4.18 Burg Abenberg

4.19 Roth
4.20 Markgrafenschloss Ratibor

4.21 Nürnberg
4.22 Nürnberger Burg
4.23 Kirchen in Nürnberg
4.24 Museen in Nürnberg
4.25 Profanbauten in Nürnberg

5 Erlangen – Heiligenstadt

6 Bamberg – Bayreuth

7 Cheb – Prag

 

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