3.12 Klosteranlage Groß-Comburg in Schwäbisch Hall-Steinbach – Hohenlohe

Klosteranlage Groß-Comburg

Das markanteste und kunsthistorisch bedeutsamste Bauwerk in Schwäbisch-Hall ist die auf einem Umlaufberg, im Ortsteil Steinbach gelegene Burg-Klosteranlage Comburg, auch "Gralsburg" genannt. Die Comburg ist ein von nahezu sämtlichen Stilelementen des 11. bis 18. Jahrhunderts geprägtes, grandioses Monument christlichen Lebens und Schaffens und zählt zu den bedeutendsten Klosteranlagen in Baden-Württemberg. Der Name Comburg stammt aus dem Keltischen und bedeutet soviel wie Stein oder Fels.

Zur Geschichte

Im 11. Jahrhundert beherrschte eine Burg den Kamberg in der Nähe von Schwäbisch-Hall. Sie war im Besitz der Grafen von Comburg. Graf Burkhard II. von Comburg ließ vor 1078 die Anlage in ein Benediktinerkloster umwandeln. Er selbst wurde Mönch in seiner eigenen Stiftung. Nach rund zehnjähriger Bauzeit konnte 1088 die Klosterkirche eingeweiht werden.

Unter Abt Hartwig erlebte das Kloster seine erste Blüte. Er war der Stifter des berühmten romanischen Radleuchters und Altarantependiums. Aus dieser Zeit stammen auch die Erhardskapelle, Kreuzgang und Kapitelsaal. Nachdem im 15. Jahrhundert ein zunehmender Sittenverfall zu beklagen und mehrere Reformversuche gescheitert waren, erfolgte 1488 die Umwandlung des Klosters in ein adeliges Chorherrenstift.

Unter Propst Erasmus Neustetter (1551 bis 1594) wurden viele Gebäude des Klosters Comburg umgebaut bzw. neu erbaut. Im Zuge dieser Neugestaltung entstand auch die 460 m lange Ringmauer mit Wehrgang, Türmen und Rondellen, die noch heute die Anlage umgibt und noch fast völlig erhalten ist. Dadurch nahm das Kloster wieder einen wehrhaften Charakter an. Anfang des 18. Jahrhunderts ließ Dekan Wilhelm Ulrich von Gebsattel (1695 bis 1736) die romanische Basilika durch eine barocke Stiftskirche ersetzen, die dem hl. Nikolaus geweiht wurde.

Im Zuge der Säkularisierung fiel die Comburg 1802 an Württemberg und diente rund 100 Jahre als Ehreninvalidenheim der württembergischen Armee. 1926 wurde in der Comburg die erste Heimvolksschule eingerichtet, die aber bereits 10 Jahre später auf Druck der Nationalsozialisten wieder aufgegeben werden musste. In der NS-Zeit diente die Comburg verschiedenen Zwecken, zunächst als Bildungsstätte für Bauhandwerker und Steinmetze, dann als Heim der Hitler-Jugend und schließlich als Kriegsgefangenenlager. Seit 1947 beherbergt sie die Staatliche Akademie für Lehrerfortbildung. 

Klosterkirche St. Nikolaus

Als im 11. Jahrhundert eine Klosterkirche errichtet wurde, entstand eine dreischiffige, doppelchörige Pfeilerbasilika mit 65 m Länge. Um 1220 wurde der Ostchor erneuert und erhielt zwei Flankentürme. Zwischen 1707 und 1715 erfolgte ein Neubau des Gotteshauses in barockem Stil. Nur wenige romanische Teile blieben erhalten wie z. B. die Türme mit ihren steinernen Helmen, die behutsam in das barocke Gefüge integriert wurden. Sie sind durch gekuppelte Fenster, Lisenen, Zahnschnittfriese und gemalte Lilienfriese reich gegliedert.

Der Innenraum der Kirche wird von einem Kreuzgewölbe überspannt. Drei große Chorfenster sorgen für reichlich Lichteinfall. Unter der reichen Ausstattung ragen der Radleuchter und das aus einer Kupfer-Messingplatte herausgetriebenen und im Feuer vergoldeten Altarantependium heraus. Letzteres ist von einem hölzernen Rahmen umgeben. Das ovale Feld in der Mitte zeigt Christus als Weltenrichter. In den zwölf Rechteckfeldern links und rechts erkennt man die zwölf Apostel.

Der Radleuchter weist einen Durchmesser von 5 m auf. Damit ist er der größte von lediglich drei Radleuchtern, die es in Deutschland gibt. Seine 48 Kerzen waren in der früheren romanischen Kirche vermutlich die einzige Lichtquelle. Eine lateinische Inschrift deutet den Leuchter als himmlisches Jerusalem, wie es in der Offenbarung beschrieben wird. Der Reif ist in zwölf Türmchen und zwölf Medaillons unterteilt. Die Figuren der Bischöfe, Heiligen, Engel und Krieger in den Türmchen symbolisieren die Wächter. In den Medaillons sind Propheten dargestellt. Als Kerzenhalter dient ein Blumenkamm mit Dornen.

Beachtung verdienen auch der Hochaltar, die Seitenaltäre, die Altäre im Querhaus, der Peter-und-Paul-Altar mit Grablegungsrelief, das Chorgestühl und die Kanzel mit Darstellung der Sieben Todsünden. Im Chor befindet sich das Grabmonument des Stifters Burkhard von Comburg. Weitere Grabdenkmäler, darunter auch das des Propstes Neustetter, sind in den Seitenschiffen zu sehen.

Kreuzgang und ehemaliger Kapitelsaal

Die Kirche und den ehemaligen Kapitelsaal verbindet der Kreuzgang, der in Teilen noch romanische Elemente aufweist. Seine ungewöhnliche Lage westlich der Kirche erklärt sich aus der Form des Umlaufberges. Der ehemalige Kapitelsaal schließt sich südlich an. Er ist heute in Vorraum Schenkenkapelle und Josephskapelle unterteilt. Im Vorraum sind Wappengrabsteine des niederen Adels von Schwäbisch-Hall aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Den Vorraum trennt eine Zwerggalerie von der Schenkenkapelle, die den Schenken von Limpurg seit 1330 als Grablege diente. Besonders erwähnenswert ist das Grabmal von Schenk Georg I. († 1475), das eine Figur in Rüstung ziert, die auf einem Löwen steht. In der folgenden Josephskapelle befindet sich die Grablege für Schenk Friedrich V. († 1474) und seiner Gemahlin Gräfin Susanna von Tierstein († um 1447). Die Figuren der Verstorbenen stehen auf einem Löwen bzw. einem Hündchen unter gotischen Baldachinen.

Michaelskapelle

Die so genannte Michaelskapelle war ursprünglich ein Torbau aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Bekrönt wird sie von zwei mit gekuppelten Arkaden versehenen Türmchen. Der Fassadenschmuck besteht aus Rundbogenfriesen und Schachbrettfriesen.

Erhardskapelle

Die so genannte Erhardskapelle aus dem frühen 13. Jahrhundert weist die Form eines Sechsecks auf. In früherer Zeit diente sie wohl als Friedhoskapelle oder Reliquienkapelle. In den Innenraum gelangt man über den Treppenaufgang im Untergeschoss des Baus. Dort erwarten den Besucher unter anderem wandmalereien aus dem 13. Jahrhundert. In den Fenster- bzw. Türlaibungen sind Fragmente bewaffneter Jünglinge zu sehen.

Die weiteren Klostergebäude

Der Adelmannbau und der Vikarienbau dienten ehemals den Mönchen als Refektorium (Speisesaal) und Dormitorium (Schlafraum). Der Empfangssaal (Kaisersaal) in der Alten Abtei, der früheren Wohnung des Abtes, dient heute als Seminar- und Konzertsaal. Die Propstei ließ sich Propst Neustetter 1575 als Wohnung erbauen. Die besonderen Kennzeichen dieses Gebäudes sind sein Staffelgiebel und das aufwendige Renaissanceportal. Im nördlichen Bereich der Klosteranlage stehen die Alte Dekanei aus dem 16. Jahrhundert und die barocke Neue Dekanei aus dem 18. Jahrhundert nebeneinander. Der Walmboldbau, der Gebsattelbau und der Reischachbau tragen die Namen ihrer früheren Inhaber. Sie entstanden nach der Umwandlung des Klosters in ein Chorherrenstift als Wohngebäude.

Befestigungsanlagen

Für den Besucher des Klosters Comburg stellt sich die Frage, warum die Chorherren um 1560 die Anlage durch eine Wehrmauer mit Wehrtürmen befestigen ließen. Verteidigungszwecken diente sie wohl nicht, da sie für die Kriegsführung der damaligen Zeit mit Handfeuerwaffen und Kanonen nur unzureichenden Schutz gewährte und die Chorherren darüber hinaus über keine bewaffneten Bedienstete verfügten. Es darf vielmehr angenommen werden, dass der Bauherr Erasmus Neustetter die Idee der Errichtung einer "Himmelsburg" in Anlehnung an das "himmlische Jerusalem" des Radleuchters in der Klosterkirche verwirklichen wollte.

Öffnungszeiten der Kirche: 1. April bis 31. Oktober dienstags bis freitags 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr, samstags, sonntags und feiertags nur 14 bis 17 Uhr. Für Gruppen ab 6 Personen werden dienstags bis freitags um 10, 11, 14, 15 und 16 Uhr und samstags, sonntags und feiertags um 14, 15 und 16 Uhr Kurzführungen angeboten. Eine vorherige Anmeldung für Führungen ist nur in der Zeit zwischen dem 1. November und dem 31. März notwendig. Eine Cafeteria lädt nach der Besichtigung zum längeren Verweilen ein.

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