3.01 Weinsberg – Stadt der "Treuen Weiber"

Die Stadt

Die Stadt Weinsberg liegt verkehrsgünstig am Schnittpunkt der Autobahnen A 81 Stuttgart-Würzburg und A 6 Nürnberg-Mannheim. Mit der Burgenstraße, der Schwäbischen Weinstraße und der Schwäbischen Dichterstraße treffen hier auch drei Tourismusstraßen aufeinander. Verwaltungsmäßig gehört Weinsberg mit den Stadtteilen Gellmersbach, Grantschen und Wimmental zum Kreis Heilbronn.

In früheren Jahrhunderten hatte der Ort durch seine gewachsene Tradition, seine geschichtliche Bedeutung und seine gute Infrastruktur eine besondere Stellung in der Region inne. Heute ist die Stadt mit 12 000 Einwohnern Sitz einer aufstrebenden Industrie und traditionsreicher Handwerks-, Handels- und Dienstleistungsbetriebe.

In Weinsberg scheint die Verbindung von Altem und Modernem geglückt. Im Mittelalter war die Stadt von einer Mauer mit Stadtgraben und sieben Türmen umgeben. In Grundzügen ist die ursprüngliche Stadtanlage noch erhalten. Der alte Durchgangsweg führt vom Oberen Tor beim Traubenplatz durch die Mittlere Gasse zum Marktplatz und von dort die Sterngasse hinunter zum Unteren Tor. Zur Umgehung des steilen Stiches in der Sterngasse wurde 1811 die heutige Mönchhausgasse angelegt und dort ein neues Stadttor errichtet (Heilbronner Staketentor).
Neben den beiden alten Tortürmen wies die Stadtbefestigung zwei Ecktürme und je einen Flankenturm an der Nord-, West- und Südseite auf. Der nördliche Flankenturm diente in alter Zeit als Weibergefängnis. Geister- und Wolfsturm an der Nordseite sind noch als Reste erhalten. Dies gilt auch für den südlichen Flankenturm (Wachturm), der 1986 umfassend renoviert worden ist. Der Mauerring blieb bis um 1900 intakt.

Die noch erhaltenen Bauwerke und Gebäude bilden eine harmonische Überleitung zur modernen Architektur der neuen Stadtgebiete. Eine wichtige Rolle für Weinsberg spielt der Fremden- und Ausflugsverkehr. Durch seine reizvolle Lage, seine Sehenswürdigkeiten und großflächigen Erholungsbereiche bietet der Ort sowohl seinen Einwohnern als auch den Gästen vieles, was einen Aufenthalt angenehm und lohnenswert macht. Quer durch die ganze Stadt erstrecken sich Parkanlagen, die entweder naturnah belassen oder farbenprächtig angelegt sind.

Wie schon aus dem Namen der Stadt hervor geht, ist Weinsberg eng mit dem Wein verbunden. Die edlen Tropfen sind berühmte Erzeugnisse. Das Staatsweingut Weinsberg ist die älteste Weinbauschule in Deutschland. Für Wanderer mit Wein- und Wissensdurst gibt es am Schemelsberg einen hochinteressanten Weinbaulehrpfad, dem als kulturgeschichtliche Fortsetzung ein schattiger Waldlehrpfad und zum Abschluss ein Spiel- und Grillplatz folgt. In der Innenstadt laden viele Lokale zum "Viertele" und zum Genießen schwäbischer Spezialitäten ein.

Zur Geschichte

Die Hügel und Täler um Weinsberg gehörten schon zur Römerzeit zu einer bevorzugten Siedlungsregion. Die ausgegrabenen Ruinen einer römischen Badeanlage zeugen noch von dieser Epoche. Wahrscheinlich wurde neben Ackerbau hauptsächlich auch Weinbau betrieben, denn der Weingenuss war bekanntermaßen bei den Römern ebenso beliebt wie das Baden in wohl temperiertem Wasser.

Genaueres über die geschichtliche Entwicklung von Weinsberg weiß man erst seit dem Mittelalter. Wahrscheinlich im 10. Jahrhundert wurde die 1020 erstmals erwähnte Burg Weinsberg gegründet, die später auch den Namen Burg Weibertreu erhielt. Um 1200 erhielt der Ort von den Staufern die Stadtrechte. Berühmt wurde er durch ein Ereignis, das etwa um das Jahr 1140 stattfand und der Reichsburg später den Beinamen "Weibertreu" verlieh. Der Name erinnert an die Geschichte, als die Frauen ihr Liebstes von der belagerten Burg fort tragen durften und diese daraufhin sich für ihre Männer entschieden.

Ursprünglich gehörte die eine Hälfte der Stadt zum Reichsgut, die andere Hälfte zum Lehensbesitz der Burgherren. Diese Zweiteilung führte im späteren Mittelalter zu dauernden Streitigkeiten zwischen der Stadt und der Burgherrenschaft. 1440 endete die Reichsstadtherrlichkeit und Weinsberg kam unter die Landeshoheit der Kurpfalz. 1505 gelangte die Stadt an Württemberg, 1520 an Österreich und 1534 wieder an das Herzogtum Württemberg zurück. Unter württembergischer Herrschaft wurde die Reformation in Weinsberg eingeführt.

Auch in den folgenden Jahrhunderten wechselte die Zugehörigkeit von Weinsberg mehrfach. Im Laufe der wechselvollen Geschichte musste die Stadt wiederholt schwere Zerstörungen erleiden, so z. B. 1525 im Bauernkrieg und 1707 durch einen verheerenden Stadtbrand. Besonders hart schlug das Schicksal 1945 zu, als rund 70 % der Altstadt durch Luftangriffe in Schutt und Asche gelegt wurden.

Vom ungebrochenen Willen der Bürger, die ihre Stadt immer wieder aufgebaut haben, zeugen die markanten Worte des schwäbischen Dichters August Lämmle, die an der Südseite des Rathauses eingemeißelt sind: "Dennoch – trotzdem – eineweg". 1973 wurde der Ort Grantschen Weinsberg eingegliedert. 1975 folgte die Eingemeindung der Stadtteile Gellmersbach und Wimmental.

Sehenswertes

Burgruine Weibertreu

Justinus-Kerner-Haus (Museum) / Alexanderhäuschen

Weinsberg wurde im 19. Jahrhundert Mittelpunkt des Schwäbischen Dichterkreises. Seele der literarischen Treffen war Justinus Kerner (1786 bis 1862), der seit 1819 bis zu seinem Tod 1862 als Oberamtsarzt in Weinsberg tätig war. Er gilt neben Ludwig Uhland als Hauptvertreter der schwäbischen Romantik. 1822 baute er unter Einbeziehung des alten Stadtturmes am Fuße der Burg eine Doktorswohnung, die von seiner Frau Friederike Kerner ("Rickele") betreut wurde. Das gastfreundliche Haus stand Personen aller sozialen Schichten, von Angehörigen des Adels bis zu einfachen Leuten, offen. Vor allem aber gaben sich hier häufig Dichterfreunde ein Stelldichein. In geselliger Runde vermag der Wein wohl den einen oder anderen zu einem Gedicht verleitet haben, das noch heute bekannt ist. Viele Besuche galten aber auch namhaften Patienten und Kerners okkulten Heilbehandlungen.

Das Haus wurde anlässlich des 200. Geburtstags des Dichters grundlegend renoviert und gehört heute zu den bekanntesten literarischen Museen und Gedenkstätten in Baden-Württemberg und zu den "Dichterhäusern" im deutschsprachigen Raum, die durch ihre Originalausstattung noch die ursprüngliche Atmosphäre ausstrahlen.
Öffnungszeiten: Täglich 14 bis 17 Uhr, außer montags, 1. Sonntag im Monat geschlossen, vormittags nach Voranmeldung

Beim Justinus-Kerner-Haus befindet sich das Alexanderhäuschen, das Justinus Kerner als Gästeherberge diente. Benannt ist das Gebäude nach Graf Alexander von Württemberg. Erbaut wurde es um 1600 als Leichenhaus eines ehemaligen Friedhofs. Das Alexanderhäuschen kann nach Voranmeldung besichtigt werden.

Weibertreu-Museum im Rathaus

Das Rathaus am Marktplatz wurde 1708 an der heutigen Stelle erbaut und nach der Zerstörung 1945 in veränderter Form wieder aufgebaut. Im Erdgeschoss werden aus einer umfangreichen, in mehreren Jahrzehnten zusammengetragenen städtischen Sammlung ausgewählte Gemälde, Graphiken und Bilddarstellungen zu den Themen "Treue Weiber von Weinsberg" und "Bauernkrieg 1525" gezeigt. Die einzigartige Ausstellung wird ergänzt durch historische Ansichten von Weinsberg. Außerdem sind Gemälde und Graphiken des in Weinsberg geborenen Professors Heinrich Seufferheld (1866 bis 1940) zu sehen.
Öffnungszeiten: Donnerstags 14 bis 18 Uhr, sonntags 14 bis 17 Uhr und nach Voranmeldung

Evangelische Johanneskirche

Die evangelische Stadtkirche unterhalb der Burgruine Weibertreu ist im Kern ein romanischer Bau aus der Stauferzeit. Langhaus und Chor entstanden im frühen 13. Jahrhundert. Sie wurden anstelle einer älteren Taufkapelle unter Konrad III. begonnen und unter Friedrich Barbarossa fertiggestellt. Nach der Erstürmung der Burg im Bauernkrieg flüchteten am Ostersonntag 1525 mehrere Ritter auf den Kirchturm, um sich den Bauern zu ergeben. Sie wurden dennoch erbarmungslos umgebracht, und die Kirche wurde zerstört. Herzog Ulrich von Württemberg ließ das Gotteshaus jedoch wieder aufbauen und nach Osten durch den Anbau eines gotischen Chores erweitern.

Die Außenwände der dreischiffigen Kirche zieren Rundbogenfriese. und Ornamentik. Das Innere der Kirche betritt man an der Westseite durch das reich ausgestattete Stufenportal unter einem gewölbten Torbogen, der auf reich geschmückten, zierlichen Säulen ruht. Im Langhaus wechseln Pfeiler und Säulen mit glatten und verzierten Würfelkapitellen einander ab. Unter dem südlichen Nebenchor befindet sich eine Krypta.

Von der alten Ausstattung hat sich nur ein romanischer Altarblock, ein Kruzifix aus dem 13. Jahrhundert, ein Glasbild und ein Taufstein der Renaissance erhalten. Die Farbfenster sind eine Stiftung der Stadt Basel aus dem Jahre 1929. An der Langhausnordwand sind Wandmalereifragmente mit Passionsszenen aus dem 14. Jahrhundert zu sehen.

Wachturm

Der Wachturm war Teil der ehemaligen Stadtbefestigung Weinsbergs. Im Turm befand sich das Wachlokal der städtischen Nachtwächter, die stündlich die Uhrzeit verkündeten. 1811 wurde im obersten Geschoss eine Wohnung für den so genannten Hochwächter eingerichtet. Dieser brauchte die Stunden nicht mehr auszurufen, musste daher aber Uhr und Glocke im Turm versehen. 1853 brannte der Turm völlig aus. Seine jetzige Form erinnert an die damalige Brandkatastrophe. Heute haben der Bund der Vertriebenen und der Kubiner Ortsausschuss dort Heimatstuben eingerichtet.

Bleiche mit ehemaliger "Alter Linde"

Auf der Wiese vor dem Unteren Tor gab es eine städtische Tuchbleiche, die im Bauernkrieg traurige Berühmtheit erlangte. Nach der Erstürmung Weinsbergs durch die Odenwälder und Hohenloher Bauern wurden hier am Ostersonntag 1525 der Obervogt der Stadt und viele Ritter durch die Spieße gejagt und ermordet. Diese schreckliche Tat ging als "Weinsberger Blutostern" in die Geschichte ein. Zur Strafe wurde die Stadt durch das Bundesheer angezündet und zum Dorf degradiert. In einem Vertrag verpflichteten sich die Weinsberger, an der Mordstelle eine Sühnekapelle zu errichten. Eine reich geschnitzte Tür der inzwischen abgetragenen Kapelle ist im Kerner-Haus erhalten. Am gleichen Standort befand sich auch eine Linde, unter der Gericht gehalten wurde.

Römischer Gutshof mit Badruine

Am Fuße der Burgruine entdeckte man beim Pflanzen eines Baumes 1906 bauliche Überreste aus der Römerzeit, die heute zu den ältesten konservierten Bauten in Baden-Württemberg zählen. Erste Ausgrabungen brachten den vollständigen Grundriss einer kleinen, gut erhaltenen Badeanlage zu Tage. Bei weiteren Arbeiten kamen auch Teile eines mehrfach umgebauten römischen Wohnhauses ans Licht. Dadurch wurde der Nachweis möglich, dass Bad und Wohnhaus Teile einer größeren Siedlung waren, die nicht militärischen, sondern ausschließlich zivilen Zwecken gedient hatte. Die restaurierte Anlage mit weiteren Funden neueren Datums ist jederzeit zugänglich.

Weitere Sehenswürdigkeiten

Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten in Weinsberg gehören mehrere Gebäude, die den schönen Marktplatz säumen sowie der Baukelter, eines der eines der bedeutendsten historischen Gebäude und ein eingetragenes Kulturdenkmal, und die Dokumentationsstätte "Lager Weinsberg", die an die Zeit zwischen 1937 und 1945 erinnert, als sich in Weinsberg ein Lager befand, das zunächst für zwei Jahre als Landwehrübungslager und ab 1940 als Kriegsgefangenenlager genutzt wurde. 

Freizeitangebote

Neben den traditionsreichen und historischen Stätten sind auch großzügige Freizeit- und Erholungsanlagen ein Markenzeichen von Weinsberg. Quer durch die Stadt erstrecken sich großzügig angelegte Parks. Auf einer Fläche von 7 Hektar befindet sich das Stadtseebachtal mit verschiedenen Spiel- und Sportmöglichkeiten wie Frei-Schach, Boccia, Tischtennis und Spielflächen für Kinder. Auf einer Fläche von 11 Hektar befinden sich im "Stämmlesbrunnen" Freizeitanlagen mit Freibad, Tennisanlagen und Reitanlagen. Mit hohem finanziellen Aufwand hat die Stadt die Industriebrache "Alte Ziegelei" durch natur- und landschaftsgerechte Pflanzungen in einen Biotop verwandelt. Hier lässt sich ausgezeichnet flanieren, wandern oder Fahrrad fahren. In der Umgebung laden ein gut ausgebautes Wander- und Radwegenetz ebenfalls zu erholsamen Wanderungen und Fahrradtouren ein.

Burgenstraße

 

 

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Burgenstraße

1 Mannheim – Neckarzimmern

2 Haßmersheim – Heilbronn

3 Jagsthausen – Rothenburg o. d. Tauber

3.01 Weinsberg
3.02 Burgruine Weibertreu

3.03 Jagsthausen
3.04 Götzenburg

3.05 Öhringen
3.06 Hohenlohisches Residenzschloss

3.07 Neuenstein
3.08 Schloss Neuenstein

3.09 Waldenburg
3.10 Schloss Waldenburg

3.11 Schwäbisch-Hall
3.12 Groß-Comburg
3.13 Schwäbisch-Hall – Kirchen
3.14 Schwäbisch-Hall – Museen

3.15 Braunsbach

3.16 Crailsheim

3.17 Langenburg
3.18 Schloss Langenburg

3.19 Blaufelden

3.20 Schrozberg
3.21 Stadtteil Bartenstein – Schloss Bartenstein

3.22 Rothenburg ob der Tauber
3.23 Marktplatz, Rathaus, Ratsherrentrinkstube
3.24 Burggarten, Stadtmauer
3.25 Kirchen in Rothenburg
3.26 Museen in Rothenburg
3.27 Historische Veranstaltungen, Festveranstaltungen

4 Colmberg – Nürnberg

5 Erlangen – Heiligenstadt

6 Bamberg – Bayreuth

7 Cheb – Prag

 

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