3.05 Öhringen – Hohenlohe

Die Stadt

Öhringen ist eine liebenswürdige Stadt im Hohenloher Land. Mit den 9 Teilgemeinden Michelbach, Cappel, Büttelbronn, Schwöllbronn, Verrenberg, Baumerlenbach, Möglingen, Eckartsweiler und Ohrnberg zählt sie knapp 22 000 Einwohner. Verwaltungsmäßig gehört sie zum Hohenlohekreis mit Sitz in Künzelsau.

Umgeben von sanften Hügeln und weiten Tälern liegt Öhringen inmitten eines Gartens, wo Obst und Gemüse in Hülle und Fülle gedeihen und erlesene Weinsorten reifen. Bei allem Neuen, was das heutige Öhringen als Stadt ausweist, bleibt es doch in vielfältiger Weise mit der Tradition verbunden. Der Weg durch eine fast zweitausendjährige Geschichte wird unter anderem sichtbar in historischen Fassadenbildern und archäologischen Zeugnissen. Was Jahrhunderte überdauerte, behutsam saniert oder neu eingefügt wurde, findet sich zu einem Ensemble zusammen, das etwas Gemütliches an sich hat.

In Öhringen verbinden sich die vielfältigen historischen Strömungen der Region in einem beeindruckenden Spektrum an Denkmälern unterschiedlicher Epochen, das von dem prächtigen Residenzschloss im Renaissance-Stil über mittelalterliche Zeugnisse, wie Fachwerkbauten, Marktplatz, Stadtmauer mit Türmen, Wehrgängen und Schießscharten und eine spätgotische Stiftskirche bis zu einem römischen Brunnen und den Resten des Limes reicht. 

Zur Geschichte

Für den Namen der Stadt stand der römische Kaiser Marcus Aurelius Pate, dessen berühmtes Ritterstandbild auf dem Kapitol in Rom steht. Zu dessen Zeit (um 155 n. Chr.) waren etwa 1000 Soldaten in zwei Kastellen im heutigen Öhringen untergebracht. Mit ihren Familien, Handwerkern und Kaufleuten machten sie den "vicus aurelianus" zu einem militärisch und wirtschaftlich bedeutenden Ort, der zugleich Verwaltungssitz eines größeren Gebietes war. Mit der Übernahme der Siedlung durch die Alemannen zerfiel das römische Öhringen. 

Erst 1037 trat der Ort, als Oringowe bezeichnet, wieder offiziell in die Geschichte ein. Der Ortsname tauchte in einem Brief auf, der die Gründung eines Chorherrenstifts belegt und der als älteste Urkunde im Hohenlohe-Museum in Neuenstein aufbewahrt wird. Diese Stiftung geht auf die Gräfin Adelheid, der Mutter Kaiser Konrads II. und Stammmutter des Saliergeschlechts, zurück, deren Leichnam in der Stiftskirche aufbewahrt ist. Im Jahre 1253 wurde Öhringen an das Adelsgeschlecht Hohenlohe vergeben. Hintergrund hierfür war die Treue des im Dienste der Staufer stehenden Gottfried von Hohenlohe, der an einem Kriegszug Konrads IV. gegen den Bischof von Regensburg teilnahm und den Regenten vor einem Mordanschlag bewahrte. Die Herrschaft von Hohenlohe dauerte bis 1806.

Das Stift und die schon im 13. Jahrhundert vorhandenen Bildungseinrichtungen ließen Öhringen zu einem geistig-politischen Zentrum werden. Aber zu einer dieser Bedeutung entsprechenden wirtschaftlichen Entwicklung kam es nicht. Die Verhältnisse um 1500 waren im Gegenteil so ärmlich, dass Graf Kraft VI. sich veranlasst sah, der Stadt drei Häuser zu schenken, damit sie ein Rathaus mit Brot- und Fleischbänken, Wein- und Fruchtlager aufbauen konnte. Um diese Zeit war auch eine neue Stiftskirche fertig gestellt worden. Im westlichen Turm befanden sich die Archivräume des Hauses Hohenlohe und die Wohnung des Hochwächters.

Nachdem die Chorherren fast 500 Jahre segensreich in der Stadt gewirkt hatten, vernachlässigten sie immer mehr ihre Pflichten und gaben sich in Wirtschaften dem Glücksspiel und Raufereien hin. Einige Zeit nach der Einführung der Reformation im Jahre 1556 wurde das Chorherrenstift aufgelöst. Die mit der Kirche verbundenen Gebäude dienten danach lange Zeit als Schule. 

War Öhringen im Bauernkrieg 1525 von größeren Unruhen verschont geblieben, traf es den Ort im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) um so härter. Plünderungen, Schändungen und Morde waren an der Tagesordnung. Die Pest trug das Ihrige dazu bei, dass 1648 nur noch wenige hundert Menschen in einer Stadt lebten, die vorher über 2000 Einwohner hatte. 

Ein Aufschwung setzte im 17. Jahrhundert ein, als ein Graf der Linie Hohenlohe-Neuenstein 1677 die Residenz Öhringen gründete. Regierungssitz wurde das 1611 als Witwensitz erbaute und während der Residenzzeit mehrmals erweiterte Schloss. Ein Urahne des späteren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker war zu jener Zeit als Mundkoch angestellt. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde der Hofgarten mit dem Theaterbau angelegt. Mit dem Bau der nach ihm benannten Karlsvorstadt verlieh Fürst Ludwig Friedrich Karl seiner Residenz mehr Glanz. 

Napoleon besiegelte zu Beginn des 19. Jahrhunderts das Ende des Fürstentums Hohenlohe. 1806 wurde Öhringen dem neugeschaffenen Königreich Württemberg eingegliedert und war nunmehr nur noch Oberamtsstadt. Die Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging weitgehend an Öhringen vorbei. Nur wenige Handwerksbetriebe expandierten zu industriellen Unternehmen. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg sorgte die Aufnahme von Flüchtlingen und Vertriebenen für neues Leben in Öhringen und einen starken Anstieg der Bevölkerung. In den 1970er Jahren vergrößerte sich das Stadtgebiet im Zuge der Gebietsreform enorm. Zwischen 1972 und 1975 wurden gleich 9 ehemals selbständige Gemeinden eingemeindet. Gleichzeitig verlor Öhringen den Status einer Kreisstadt. Der Kreis Öhringen wurde mit dem Kreis Künzelsau zum Hohenlohekreis zusammengelegt. 

Sehenswertes

Hohenlohisches Residenzschloss / heutiges Rathaus

Stiftskirche

Beherrscht wird das Stadtbild von Öhringen von der ehemaligen spätgotischen Stiftskirche St. Peter und Paul und heutigen evangelischen Stadtpfarrkirche. Sie steht in unmittelbarer Nachbarschaft zum hohenlohischen Residenzschloss.

Um 1020 hatte das Öhringer Grafengeschlecht an der Pfarrkirche ein Chorherrenstift gegründet, das 1037 durch die Gräfin Adelheid, die Stammmutter des Kaiserhauses der Salier, dem Bistum Regensburg übereignet wurde. Aus der ersten Bauphase stammen die Originale der Löwen beim so genannten Löwentürle, der Südpforte des Chors. Diese wurden 1985 durch Kopien ersetzt. Die Originale befinden sich heute in der Krypta. Im 13. Jahrhundert entstanden die Figuren der Hauptheiligen Petrus und Paulus am Blasturm.

Der Bau des heutigen Gotteshauses mit der Krypta, dem Chor und den beiden Türmen fand im 15. Jahrhundert auf gemeinsames Betreiben der Grafen und der Chorherren statt. Es ersetzte eine kleinere Vorgängerkirche aus dem Jahre 1240. Die Glasgemälde der Chorfenster stammen ebenfalls aus dieser Zeit. Bis 1506 wurden die Stiftsgebäude mit Kreuzgang und Seitenkapelle hinzugefügt. Die beiden ungleichen Türme mit achtseitigen Spitzhauben verleihen der Hallenkirche ihr charakteristisches Aussehen.

Das Innere der Kirche, zu der im Mittelalter Tausende pilgerten, wird geprägt vom Gegensatz zwischen dem dreischiffigen Langhaus mit seinem dichten Netzrippengewölbe und dem wegen der Krypta beträchtlich höher liegenden, stark eingezogenen Chor. Von der spätgotischen Ausstattung sind hauptsächlich noch der Hochaltar und ein steinerner Seitenaltar erhalten. Die lebensgroßen Skulpturen des Hochaltars zeigen Maria mit Kind, Petrus und Paulus sowie die Heiligen Hieronymus und Veit. Der Steinaltar steht im ehemaligen Kapitelsaal des Stifts, der sich an das nördliche Querhaus anschließt. Die Altarfiguren stellen die Heiligen Helena, Margareta und Matthäus dar.

Größtes Interesse beanspruchen zahlreiche Grabdenkmäler an den Chorwänden und in der dreischiffigen Krypta aus Renaissance- und Barockzeit, teilweise mit Bronze-Einlagen oder figürlich prächtig ausgestattet. Sie erinnern insbesondere an Angehörige des Hauses Hohenlohe. Besonders hervorzuheben ist der monumentale Sarkophag der Gräfin Adelheid, die als große Wohltäterin der Stadt gilt. Im südlichen Querhaus verdient ein Marmorrelief von 1799 zur Goldenen Hochzeit des Fürsten Ludwig Friedrich Carl von Hohenlohe-Ingelfingen mit Karoline von Sachsen-Hildburghausen Beachtung. Die heutige Kanzel, unterer Altar und das Taufbecken wurden 1860 geschaffen.

Mit der Stiftskirche verbunden ist der enge dreiseitige Kreuzgang des 15. Jahrhunderts und das sich anschließende Stiftsgebäude, dessen Räume als Versammlungs- und Verwaltungsräume des Stifts dienten. Nach einer umfassenden Sanierung und der Belegung mit sozialen Diensten wurde 1993 das Stift zu einem Haus für alle Bürger. 

Marktplatz

Auf dem Marktplatz befand sich im Mittelalter ein Begräbnisplatz mit Friedhofskapelle. Durch eine Mauer war er vom Markt getrennt. Die umliegenden Wohngebäude gehörten meist den Chorherren. Nachdem der Friedhof 1506 vor die Stadtmauer verlegt worden war, konnte sich der heutige Marktplatz entwickeln.

Die Säule des Marktbrunnens ziert eine Figur des Grafen Albrecht III. von Hohenlohe mit Harnisch, Schild und Zepter. Sehenswerte fränkische Fachwerkhäuser, wie z. B. die Ratstrinkstube oder die Hofapotheke säumen den Marktplatz.

Turmmuseum

Im Blasturm der Stiftskirche ist ein Turmmuseum untergebracht. Der achtstöckige Kirchturm diente in früherer Zeit auch als Archivturm und städtischer Wachturm. Das turmspezifisches Museum in der ehemaligen Türmerwohnung vermittelt einen Eindruck vom Lebens- und Arbeitsplatz des Türmers und von der früheren Nutzung des Turms. Das Turmmuseum ist nur an bestimmten Feiertagen und Stadtfesten geöffnet. Gruppenführungen sind jedoch nach Vereinbarung jederzeit möglich.

Weygang-Museum / Heimatmuseum

Das Heimatmuseum in der Karlsvorstadt geht auf eine Stiftung des Zinnwarenfabrikanten August Weygang zurück. In Erinnerung an seine Person trägt das Museum nicht nur seinen Namen (Weygang-Museum), sondern ist im Museum auch eine kleine Zinnwerkstatt mit Schmelzofen und den für die Weiterbearbeitung nötigen Werkzeugen aufgestellt. Im Mittelpunkt stehen die Zinn- und Fayence-Sammlung Weygangs aus dem 18. und 19. Jahrhundert sowie dessen Möbel, die einen Einblick in die Wohnkultur der Mittel- und Oberschicht im Raum Öhringen im 19. und 20. Jahrhundert gewähren. Ergänzt wird die Ausstellung durch Römerfunde und Schaubilder, die das Leben der Römer am Limes vergegenwärtigen.
Öffnungszeiten: 1. April bis 30. September dienstags bis sonntags 11 bis 17 Uhr, 1. Oktober bi 31. März freitags bis sonntags 11 bis 17 Uhr

Motor-Museum

Seit 1980 gibt es in Öhringen das Motor-Museum. Ausgestellt sind unter anderem Sport- und Tourenwagen verschiedener Marken, die zwischen 1948 und 1960 hergestellt worden sind.
Öffnungszeiten: 1. April bis 31. Oktober montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr und 13 bis 16.30 Uhr sowie sonn- und feiertags 13 bis 17 Uhr

Museum "Werkstatt Pflaume"

Das Museum "Werkstatt Pflaume" besteht aus einem ehemaligen Familienbetrieb, einer Schlosserei und Schleiferei, in der hauptsächlich Messer und Scheren hergestellt bzw. Schneidewerkzeuge aller Art geschliffen wurden. Das Museum informiert auf anschauliche Weise über ein altes Handwerk mit seinen Überlieferungen und Veränderungen. Besichtigungen sind nach Vereinbarung möglich.

Meeres-Museum

Im Öhringer Stadtteil Cappel befindet sich mit dem Meeres-Museum eine für die Region untypische Ausstellung. Zu sehen sind Muschel- und Schneckenarten, Korallen und Krebse aus allen Weltmeeren. Die Sammlung umfasst mehr als 12 000 Einzelstücke.
Öffnungszeiten: 1. Mai bis 31. August sonntags 14 bis 18 Uhr, 1. September bis 30. April sonntags 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung

Weitere Sehenswürdigkeiten

Sehenswert sind unter anderem auch die mittelalterliche Stadtmauer, das Alte Rathaus mit Rathausbrunnen, das Spital, die Spitalkirche und das "Gelbe Schlössle", ein Adelshaus aus dem 16. Jahrhundert mit Fachwerk, Giebel, Erker und standesgemäßen Türmchen (heutige Kreissparkasse). Es befindet sich im alten herrschaftlichen Bezirk Öhringens in der Nähe der Stadtmauer.

Freizeitangebote

Nicht nur die Stadt Öhringen und ihre Stadtteile, sondern auch die landschaftlich reizvolle Umgebung können auf angenehme Weise mit dem Fahrrad oder zu Fuß erkundet werden. Vier verschiedene Lehrpfade informieren über die botanischen Merkmale von Wein, Obst und Wildrosen sowie über die geologische Struktur des Landes. Wer es noch bequemer haben will, kann die Attraktionen des hohenlohischen Landes auch auf einer Kutschfahrt oder Planwagenfahrt kennen lernen.

Spiel, Sport und Spaß werden auf der Freizeitanlage Golberg groß geschrieben. Viel Natur, Spielgeräte, Grillstellen und Unterstellhütten bieten dort insbesondere Familien mit Kindern ideale Voraussetzungen, für einen Aufenthalt, der keine Langeweile aufkommen lässt. Freunde des nassen Elements können sich im Hallenbad oder im Freibad Öhringen sowie im Freibad Öhringen-Michelbach vergnügen. Zu den weiteren Sport- und Freizeitanlagen gehören Tennisplätze und Tennishallen, Bolzplätze, ein Boule-Platz, Schießsportanlagen, Reitanlagen und Reithallen in den Stadtteilen Cappel und Verrenberg, das Modellfluggelände im Stadtteil Schwöllbronn und das Segelfluggelände im Stadtteil Baumerlenbach.

Die Geselligkeit der Öhringer verbunden mit der Bewahrung des Brauchtums drückt sich in vielen Festen aus. Am lebendigsten zeigt sie sich in der "Öhringer Bedrängnis", einem alljährlich stattfindenden historischen Schauspiel. Zu einem großen Erfolg hat sich auch das Hohenloher Weindorf auf dem Marktplatz entwickelt.

Burgenstraße

 

 

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Burgenstraße

1 Mannheim – Neckarzimmern

2 Haßmersheim – Heilbronn

3 Jagsthausen – Rothenburg o. d. Tauber

3.01 Weinsberg
3.02 Burgruine Weibertreu

3.03 Jagsthausen
3.04 Götzenburg

3.05 Öhringen
3.06 Hohenlohisches Residenzschloss

3.07 Neuenstein
3.08 Schloss Neuenstein

3.09 Waldenburg
3.10 Schloss Waldenburg

3.11 Schwäbisch-Hall
3.12 Groß-Comburg
3.13 Schwäbisch-Hall – Kirchen
3.14 Schwäbisch-Hall – Museen

3.15 Braunsbach

3.16 Crailsheim

3.17 Langenburg
3.18 Schloss Langenburg

3.19 Blaufelden

3.20 Schrozberg
3.21 Stadtteil Bartenstein – Schloss Bartenstein

3.22 Rothenburg ob der Tauber
3.23 Marktplatz, Rathaus, Ratsherrentrinkstube
3.24 Burggarten, Stadtmauer
3.25 Kirchen in Rothenburg
3.26 Museen in Rothenburg
3.27 Historische Veranstaltungen, Festveranstaltungen

4 Colmberg – Nürnberg

5 Erlangen – Heiligenstadt

6 Bamberg – Bayreuth

7 Cheb – Prag

 

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Stand: Thursday, 31. March 2016 - URL dieser Seite: http://burgen.strasse-online.de/3-jagsthausen-rothenburg-o-d-tauber/3-05-oehringen/index.html