1.20 Jagdschloss Zwingenburg
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Zwingenburg – heute ein Jagdschloss

Die Zwingenburg hoch über dem kleinen Ort Zwingenberg ist eine ausgedehnte und sehr gut erhaltene Anlage. Sie liegt auf einem Bergsporn zwischen dem Neckartal und der tiefen Wolfsschlucht. Von den raub- und fehdelustigen Rittern von Zwingenberg konnte kein geeigneterer Platz für ihre Neckarsperre gewählt werden. Ihr heutiges Erscheinungsbild verdankt die Zwingenburg zahlreichen Umbauten in den vergangenen Jahrhunderten. Die Zwingenburg oder Schloss Zwingenberg, wie sie heute heißt, gilt als eine der schönsten Burgen am Neckar.

Zur Geschichte

Die Zwingenburg wurde im 13. Jahrhundert von Wilhelm von Wimpfen erbaut. Dessen Neffe Wilhelm nannte sich später von Zwingenberg. Sein Name tauchte erstmals 1253 in einer von ihm mitbesiegelten Schenkungsurkunde auf. Die Zwingenburg selbst wurde erstmals schriftlich im Jahre 1326 im Zusammenhang mit einem Rechtsstreit zwischen ihren Besitzern und dem Kloster Mosbach genannt. 

Die Zwingenberger galten als streitsüchtig und man sagte ihnen Raubrittertum nach. Daher wurden sie 1363 von der Burg vertrieben. Ein Jahr später wurde die Anlage im Namen von Kaiser und Reich geschleift. Die Kurpfalz und das Erzstift Mainz kauften sie gemeinsam auf und erhielten vom Kaiser die Erlaubnis, sie wieder aufzubauen. Der Wiederaufbau verzögerte sich jedoch mehr und mehr, weil wohl keiner der beiden Parteien wirklich daran interessiert war. 

So dauerte es bis ins 15. Jahrhundert, bis mit der Wiederherstellung ernsthaft begonnen wurde und zwar nachdem die Herren von Hirschhorn, seit ehedem unter mainzischer und pfälzischer Lehensherrlichkeit, 1403 mit der Zwingenburg belehnt worden waren. In den Bau mit einbezogen wurden der noch erhaltene spätromanische Bergfried und die Schildmauer der vorherigen Anlage. 

Über 200 Jahre blieb die Zwingenburg im Besitz der Ritter von Hirschhorn. Als deren Geschlecht 1632 erlosch, kam es zu Erbrechtsstreitigkeiten. Nach mehreren Besitzerwechseln kam die Zwingenburg in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts an Kurpfalz. 1808 erwarb sie schließlich Großherzog Karl Friedrich von Baden, der sie zu einem Jagdschloss ausbaute. Ein Nachfahre ist heute Schlossherr und Besitzer der angrenzenden Waldungen. 

Die Anlage

Wie alle größeren Burganlagen besteht auch die Zwingenburg aus einer Hauptburg und einer Vorburg. Der Hauptzugang zur Vorburg befindet sich im Südosten. Ein zweiter Zugang mündet von der Gegenseite in die Vorburg. Zur Bergseite schützt die Zwingenburg ein mit fast senkrechten Wänden in den Sandsteinfelsen geschnittener Halsgraben. An seiner schmalsten Stelle weist er eine Breite von 12 Metern auf.

Betritt man Schloss Zwingenberg durch das spitzbogige Haupttor, führt der Weg zwischen dem sogenannten Wieser'schen Anbau rechts und der Ringmauer zur linken Hand hindurch. Der Wehrgang auf der Ringmauer, die die ganze Vorburg umschließt, gewährt einen herrlichen Ausblick. Die Gebäude, die den unteren Schlosshof säumen, sind südlich das ehemalige Großherzogliche Rentamt und Forstamt aus dem 19. Jahrhundert, nördlich eine Scheuer älteren Datums und in der äußersten Westspitze ein großes Rondell. 

Die Hauptburg betritt man über eine Freitreppe vom unteren Schlosshof aus. An die dahinter liegende zweite Toranlage erinnert nur noch ein Gewändestück. In die die Hauptburg umschließende Zwingmauer sind vier Eckrondelle integriert. Das größte befindet sich in der Nordwestecke. Ursprünglich nach oben offen, wird er heute von einem Zeltdach abgeschlossen. Das Rondell in der Südwestecke trägt auch den Namen Uhrturm, da hier seit 1792 eine Schlossuhr angebracht ist. Der Uhrturm hat den Charakter eines Wohnturms. Bekrönt wird er von einem achtseitigen Zeltdach. 

Den südöstlichen Bereich der Hauptburg nimmt der Wieser'sche Anbau ein, benannt nach Franz Melchior Freiherr von Wieser, der damit Ende des 17. Jahrhunderts mehr Wohnraum auf der Burg schaffen ließ. Den Zugang bildet ein Treppenturm. Beim Portal ist das Wappen des Freiherrn und seiner Gemahlin zu sehen. 

Der älteste Wohnbau der Zwingenburg ist der Palas, der den inneren Burghof im Norden begrenzt. Er ist ein viergeschossiger, eher schmuckloser Bau. Das Erdgeschoss diente früher als Küche. Darüber folgen Jagdsaal, Archivsaal und Rittersaal. Zugang zum Palas hat man durch den Treppenturm. Er trägt die Jahreszahl 1574. Das Portal hingegen ist 20 Jahre später entstanden. Über dem Portal ist im Giebelfeld das Wappen der Herren von Hirschhorn und die Jahreszahl 1594 zu sehen. 

In einem Seitenflügel des Palas befinden sich zwei Burgkapellen. Im Erdgeschoss ist die Neue Kapelle untergebracht. Der Barockaltar ist eher schlicht gestaltet. Beachtung verdienen aber die Holzreliefs mit Heiligen- und Aposteldarstellungen. Im Stockwerk darüber befindet sich die Alte Kapelle, geweiht im Jahre 1424. Sehenswert sind hier vor allem die gotischen Fresken. 

Der quadratische, über Eck gestellte Bergfried nimmt den nordöstlichen Bereich der Zwingenburg ein. Er gilt als einer der interessantesten und besterhaltenen Wehrtürme seiner Art in ganz Deutschland. Sein Umfang beträgt knapp 10 mal 10 Meter und seine Höhe 38 Meter. In etwa 14 Meter Höhe befindet sich die Einstiegsluke. Die der Bergseite und damit dem potentiellen Angreifer zugewandten Mauern weisen eine Stärke von 3 Metern auf. Die beiden anderen sind etwas schwächer.

Das unterste der drei Geschosse des Bergfrieds wird von einem Tonnengewölbe überspannt. Das gleiche gilt auch für das darüber liegende Hauptgeschoss, wobei dieses durch Holzdecken noch einmal in drei Zwischengeschosse geteilt wird. Auch das zweite Obergeschoss ist gewölbt und durch eine Balkendecke unterteilt. Das oberste Geschoss, die ehemalige Wohnung des Burgwächters, schmückt außen ein Rundbogenfries. Die Mauerstärke verringert sich hier auf etwa 1 Meter, so dass ein größerer Raum entsteht, der früher in mehrere überwölbte Kammern unterteilt war. Für ausreichend Lichtzufuhr sorgen sieben kleine Fenster. Nach oben abgeschlossen wird der Bergfried von einem vierseitigen Zeltdach.

Zu den Sehenswürdigkeiten im Schloss gehören das teils uralte Mobiliar, Jagdtrophäen, Manuskripte und originale Riediger-Stiche an den Wänden. Sie sind zu finden im Jagdsaal, Archivsaal, und Rittersaal des Palas.

Eine Besichtigung der Zwingenburg ist nur im Rahmen einer Führung für Gruppen nach telefonischer Vereinbarung möglich. Von Mitte Juli bis Ende August sind keine Besichtigungen wegen der dort stattfindenden Schlossfestspiele möglich.

Schlossfestspiele

Im romantischen Schlosshof des Schlosses Zwingenberg werden im Sommer jeden Jahres die Schlossfestspiele veranstaltet. Sie sind weit über die Grenzen Zwingenbergs bekannt und erfreuen sich großer Beliebtheit. Dies belegt die Besucherzahl, die jährlich über 10 000 liegt. Zur Aufführung kommen überwiegend romantische Opern wie etwa "Der Freischütz" von Carl-Maria von Weber, dem die benachbarte Wolfsschlucht als Vorlage für seine Komposition diente, aber auch Kindervorstellungen. In der Schlosskapelle finden im Rahmen der Schlossfestspiele gelegentlich auch Matineen statt.

Zwingenberg am Neckar 

Burgenstraße

 

 

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Burgenstraße

1 Mannheim – Neckarzimmern

1.01 Mannheim an Rhein und Neckar
1.02 Kurfürstliches Schloss, Mannheimer Schloss
1.03 Rundgang durch das Mannheimer Schloss
1.04 Wasserturm, Jesuitenkirche, Luisenpark, Zeughaus mit Reißmuseum

1.05 Ilvesheim

1.06 Ladenburg

1.07 Edingen-Neckarhausen

1.08 Heidelberg
1.09 Heidelberger Schloss, Rundgang durch das Schloss

1.10 Neckargemünd
1.11 Bergfeste Dilsberg

1.12 Neckarsteinach – "Vierburgenstadt"
1.13 Hinterburg
1.14 Mittelburg, Vorderburg, Burg Schadeck

1.15 Hirschhorn – Perle im Neckartal
1.16 Burg Hirschhorn

1.17 Eberbach – Erlebnisstadt am Neckar
1.18 Burg Eberbach

1.19 Zwingenberg
1.20 Jagdschloss Zwingenburg

1.21 Neckargerach
1.22 Minneburg

1.23 Obrigheim
1.24 Schloss Neuburg

1.25 Mosbach
1.26 Neckarelz, Lohrbach

1.27 Neckarzimmern
1.28 Burg Hornberg

2 Haßmersheim – Heilbronn

3 Jagsthausen – Rothenburg o. d. Tauber

4 Colmberg – Nürnberg

5 Erlangen – Heiligenstadt

6 Bamberg – Bayreuth

7 Cheb – Prag

 

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