1.02 Mannheimer Schloss, Kurfürstliches Schloß Mannheim
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Kurfürstliches Schloss

Zur Geschichte

Ausgerechnet in Mannheim, am Beginn der Burgenstraße, sucht man vergeblich nach einer Burg. Die mittelalterliche Zollburg Eichelsheim wurde im 17. Jahrhundert völlig zerstört. Stattdessen begegnet man in dieser Stadt einem der größten Barockschlösser Deutschlands. Mannheim, die Stadt an Rhein und Neckar, wurde urkundlich erstmals 766 erwähnt. Handelte es sich jedoch zunächst nur um ein unbedeutendes Dorf, so erlebte die Stadt im 18. Jahrhundert ihre kulturelle Blüte und entwickelte sich bis in unsere Zeit zu einem bedeutenden Kultur- und Wirtschaftszentrum.

1606 wurde unter Kurfürst Friedrich IV. mit dem Bau der Festung Friedrichsburg begonnen und die Anlage einer Bürgerstadt geplant, die von einem gitterförmigen Straßennetz durchzogen und in ungefähr gleich große Baublöcke unterteilt werden sollte. Nach Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg wurde die Innenstadt 1698 nach dem heute noch erhaltenen schachbrettartigen Grundriss wieder aufgebaut. Die zentrale Stellung im 18. Jahrhundert verdankt die Stadt dem Entschluss des Kurfürsten Carl Philipp von der Pfalz (1716 bis 1742), seine Residenz von Heidelberg nach Mannheim zu verlegen und hier ein modernes Schloss an der Stelle der alten Friedrichsburg zu errichten. Der Bau begann im Jahre 1720 und konnte vierzig Jahre später unter dem Nachfolger Carl Philipps, seinem Neffen Kurfürst Carl Theodor, fertiggestellt werden.

Für die Innendekoration waren zahlreiche Künstler beschäftigt, unter ihnen einer der bedeutendsten Freskenmaler seiner Zeit: Cosmas Damian Asam. Von ihm stammen die Deckengemälde des Treppenhauses, des Rittersaals und der Schlosskirche. Als Stuckateur war hauptsächlich Paul Egell künstlerisch tätig.

Nach der Vollendung des Baus entfaltete sich das höfische Leben. Im Rittersaal fanden rauschende Feste statt. Die Raumfluchten des Mittelbaus (Corps de logis) dienten als Unterkunft für die Gäste des Kurfürsten. Hofbeamte und Behörden waren in den oberen Geschossen untergebracht. Im Ostflügel befanden sich die Kunstsammlungen und das Archiv. 1778 fand das höfische Leben jedoch ein vorläufiges Ende. In den Wirren der Revolutionszeit musste der Kurfürst Mannheim verlassen. Er verlegte seine Residenz nach München.

Nachdem Mannheim im Jahre 1802 an Baden gekommen war, diente das Schloss von 1806 bis 1812 als Residenz des Großherzogs Karl Friedrich und seines Nachfolgers Karl. Die Hoffnung der Mannheimer, ihre Stadt würde zur Residenz Badens erhoben, erfüllte sich allerdings nicht. Großherzoglich-badische Residenz blieb weiterhin Karlsruhe. Die Gemahlin Karls bezog von 1819 bis 1860 im Schloss ihren Witwensitz. Dem Ausbau des Verkehrsnetzes im 19. Jahrhundert fiel ein Großteil des englischen Gartens hinter dem Schloss zum Opfer. Als Großherzog Friedrich II. (1857 bis 1928) als Herrscher von Baden abdankte, ging das Schloss in den Besitz des Freistaates Baden über. Ab 1926 wurde es als Museum genutzt.

Bei den Luftangriffen des Zweiten Weltkrieges wurde auch das Schloss zerstört. Nach längerem Abwägen entschied man sich nach dem Krieg für den Wiederaufbau des Schlosses. Während es äußerlich heute dem ehemaligen kurfürstlichen Bau gleicht, wurden im Innern nur einige Prunkräume wieder hergestellt. Die äußerlichen Veränderungen beschränkten sich lediglich auf den Verzicht der Rekonstruktion des originalen Mansarddaches auf dem Corps de logis und den Abbruch der Schlosswachthäuser. Die Prunkräume können auch bei Führungen besichtigt werden. Die meisten Räume gehören jedoch zur Universität.

Die Anlage

Das Kurfürstliche Schloss (Bauzeit 1720 bis 1760) wurde im Zeitalter des Absolutismus errichtet. Als eindrucksvolle Monumentalanlage spiegelt es den Herrschaftsanspruch des souveränen Reichsfürsten wider. Die Schlossanlage mit dem zur Stadt hin geöffneten Ehrenhof, dem Hauptgebäude, dem Ostflügel mit seiner angegliederten Vierflügelanlage und dem Westflügel bietet dem Besucher einen imposanten Anblick.

Der mittlere Teil des Haupttraktes besteht aus zwei eigenständigen Baukörpern, dem nach Norden hin vorgelagerten Treppenhaus und dem südlich zur Gartenseite hin ausgerichteten Rittersaalbau. An den Gelenkstellen der Anlage befinden sich viergeschossige, turmartige Pavillons. Insgesamt vier Baumeister (Froimon, Hauberath, da Bibiena, de Pigage) waren an der 40 Jahre dauernden Errichtung des Schlosses beteiligt, das nach seiner Fertigstellung ungefähr 500 Räume umfasste.

Vom Ehrenhof aus gingen in früherer Zeit die in die Stadt führenden Straßen aus. Daher wirkte der mächtige Baukörper als Abschluss und Krönung der Stadt. Hinter dem Schloss dehnte sich der nach der Schleifung der Friedrichsburg angelegte Garten bis zum Rhein aus. Erst die moderne Straßenführung trennte das Schloss von der Stadt. Nach Abbruch des Kosakenstalls 1893, der das Schloss im Osten begrenzte, und des Südteils des Jesuitenkollegs 1901, der das Schloss im Westen begrenzte, verbindet die neue Bismarckstraße die hufeisenförmig um die Altstadt führenden Ringstraßen. Auf der Rheinseite durchschneiden Bahndämme und Auffahrten zur Rheinbrücke den ehemaligen Schlossgarten. 

Burgenstraße

1 Mannheim – Neckarzimmern

1.01 Mannheim an Rhein und Neckar
1.02 Kurfürstliches Schloss, Mannheimer Schloss
1.03 Rundgang durch das Mannheimer Schloss
1.04 Wasserturm, Jesuitenkirche, Luisenpark, Zeughaus mit Reißmuseum

1.05 Ilvesheim

1.06 Ladenburg

1.07 Edingen-Neckarhausen

1.08 Heidelberg
1.09 Heidelberger Schloss, Rundgang durch das Schloss

1.10 Neckargemünd
1.11 Bergfeste Dilsberg

1.12 Neckarsteinach – "Vierburgenstadt"
1.13 Hinterburg
1.14 Mittelburg, Vorderburg, Burg Schadeck

1.15 Hirschhorn – Perle im Neckartal
1.16 Burg Hirschhorn

1.17 Eberbach – Erlebnisstadt am Neckar
1.18 Burg Eberbach

1.19 Zwingenberg
1.20 Jagdschloss Zwingenburg

1.21 Neckargerach
1.22 Minneburg

1.23 Obrigheim
1.24 Schloss Neuburg

1.25 Mosbach
1.26 Neckarelz, Lohrbach

1.27 Neckarzimmern
1.28 Burg Hornberg

2 Haßmersheim – Heilbronn

3 Jagsthausen – Rothenburg o. d. Tauber

4 Colmberg – Nürnberg

5 Erlangen – Heiligenstadt

6 Bamberg – Bayreuth

7 Cheb – Prag

 

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