1.07 Edingen-Neckarhausen am Neckar
zwischen Mannheim und Heidelberg,
Schloss Neckarhausen, Schloss Edingen,

Der Ort

Die Gemeinde Edingen-Neckarhausen mit insgesamt knapp 14 000 Einwohnern besteht als solche seit dem Zusammenschluss der früher selbständigen Gemeinden Edingen und Neckarhausen im Jahre 1975. Verwaltungsmäßig gehört sie zum Rhein-Neckar-Kreis. Edingen-Neckarhausen liegt am Unterlauf des Neckars am linken Ufer zwischen den Großstädten Mannheim und Heidelberg. Vom Ortsteil Neckarhausen besteht eine Fährverbindung zur gegenüberliegenden Stadt Ladenburg. Außerdem gibt es eine Eisenbahnverbindung zur anderen Neckarseite. Eine Autobrücke über den Neckar existiert nicht.

Edingen-Neckarhausen präsentiert sich heute in erster Linie als moderne Wohngemeinde mit Bildungs- und Freizeiteinrichtungen wie Volkshochschule, Musikschule, Gemeindebibliothek, Sportanlagen und Schwimmbädern. Dennoch sind auch schöne Fachwerkhäuser und charakteristische Fischerhäuser zu sehen. Die Hauptsehenswürdigkeit ist das Schloss Neckarhausen. Als Wahrzeichen von Edingen gilt der im Jahre 1900 errichtete Wasserturm. Das Gemeindewappen zeigt im linken Feld ein nach unten spitz zulaufendes rotes Kreuz auf weißem Grund und im rechten Feld einen goldenen Löwen auf schwarzem Grund.

Zur Geschichte

Die Anfänge der beiden Ortsteile der Gemeinde Edingen-Neckarhausen gehen weit zurück. Funde auf der Gemarkung reichen bis in die Steinzeit. Die Besiedlung durch Kelten und Römer ist nachgewiesen. Edingen fand erstmals im Jahre 765 in ener Schenkungsurkunde des südhessischen Klosters Lorsch Erwähnung. 773 wurde Neckarhausen im "Codex Laureshamensis" (Lorscher Handschrift) erstmals genannt. Beide Orte gehörten seit frühester Zeit an zum Herrschaftsbereich der Bischöfe von Worms.

Im 13. Jahrhundert gelang es den Pfalzgrafen die Herrschaft über Edingen an sich zu ziehen, die ab 1288 bezeugt ist und abgesehen von der Zeit des Dreißigjährigen Krieges bis zur Auflösung der Kurpfalz zu Beginn des 19. Jahrhunderts ununterbrochen bestehen blieb. Aufgrund der engen Verbindung zwischen Neckarhausen und Ladenburg konnten die Pfalzgrafen dort nur langsam Fuß fassen. Der erste Schritt wurde mit dem Kondominat zwischen der Kurpfalz und Worms getan, das seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts in Ladenburg und damit auch in Neckarhausen bestand. Als 1705 die Bischöfe von Worms Ladenburg verließen, kam auch Neckarhausen endgültig an die Kurpfalz

Im Mittelalter war der Neckarübergang bei Neckarhausen als Verkehrsverbindung zwischen Frankfurt m Main und Speyer von Bedeutung. 1476 verkehrte erstmals eine Fähre zwischen Neckarhausen und Ladenburg. 1614 erhielt Neckarhausen auch eine eigene Posthalterei. Der Ort wurde wie Edingen im Jahre 1622 in den Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) hineingezogen. Im Orleans'schen Krieg 1689 wurden beide Orte von französischen Truppen niedergebrannt. Auch in den verschiedenen Kriegen des 18. Jahrhunderts hatten sie unter Truppendurchmärschen und Brandschatzungen zu leiden.

1803 kamen Edingen und Neckarhausen zum Großherzogtum Baden, wobei Edingen jedoch dem Amt Schwetzingen und Neckarhausen dem Oberamt Ladenburg zugewiesen wurde. In der Mitte des 19. Jahrhunderts begann in beiden Orten das Zeitalter der Industrialisierung. Der Schwerpunkt lag dabei auf der Tabakverarbeitung. Die Einführung der Kettenschleppschifffahrt im Jahre 1878 bedeutete das Ende der Schiffsreiter-Zunft. Ein weiterer wichtiger Erwerbszweig war die Fischerei. Begünstigt durch die gute Verkehrsanbindung siedelten sich in Edingen schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts, in Neckarhausen vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg zahlreiche neue Industrie-, Handels- und Handwerksbetriebe an. Seit der Gemeindereform im Jahre 1975 bilden beide Orte eine Großgemeinde.

Sehenswertes

Schloss Neckarhausen

Das Schloss Neckarhausen wurde an der Stelle der alten Posthalterei erbaut. Die Posthalterei bestand von 1614 bis zu ihrer Verlegung nach Mannheim im Jahre 1699. 1746 ließ Johann Georg von Susmann (1694 bis 1775), Vizekanzler unter Kurfürst Karl Theodor, auf deren Gelände ein Herrenhaus errichten. Freiherr Franz Albert von Oberndorff (1720 bis 1799), der ab 1773 Minister unter Kurfürst Karl Theodor war und 1790 in den Grafenstand erhoben wurde, erwarb 1777 das Susmann'sche Gut in Neckarhausen und ließ es zu einem barocken Landsitz ausbauen. Es bestand aus einem zweigeschossigen Mittelbau und einem Eckpavillon. Der zweite Eckpavillon entstand später.

Graf Albert von Oberndorff (1789 bis 1859) ließ in den Jahren 1824 und 1825 den Mittelbau um ein Geschoss erhöhen und im klassizistischen Stil umgestalten. So wurde unter anderem an der Fassade ein Stuckfries mit Putti und Girlanden angebracht. Bei einem weiteren Umbau vor 1850 wurde das Hauptgebäude mit den beiden Pavillons durch Terrassen verbunden. Ihr heutiges, endgültiges Aussehen erhielt die Anlage durch die Aufstockung der Seitengebäude um ein Halbgeschoss sowie der Verbindungsbauten und die Errichtung eines Treppenhauses an der Hoffront in den Jahren 1910 und 1911.

1960 verkaufte Graf Friedrich von Oberndorff das Schloss an die Gemeinde Neckarhausen. Nach dem Zusammenschluss der Gemeinden Neckarhausen und Edingen wurde eine Innenrenovierung durchgeführt und in den Räumen die Gemeindeverwaltung untergebracht. Der ehemalige Speisesaal im Obergeschoss dient heute als Ratssaal. Einige Räume werden auch von Vereinen genutzt. So unterhält im Nordflügel die Freiwillige Feuerwehr Schulungsräume und der Schützenverein einen Schießstand. Darüber hinaus beherbergt das Schloss auch das Gemeindearchiv, Museumsräume, die für wechselnde Ausstellungen genutzt werden, die Gemeindebibliothek sowie einen Vortragssaal der Volkshochschule. Im großen Saal und im Schlosshof finden auch vielfältige kulturelle Veranstaltungen statt. Im Erdgeschoss ist eine alte Kanone zu besichtigen.

Schloss Edingen

Im Jahre 1761 erwarb der kurpfälzische Geheimrat Johann Sebastian von Castell ein ehemaliges Rittergut, dessen Anfänge mindestens bis ins frühe 15. Jahrhundert zurückgingen. In den folgenden Jahren erweiterte er das Gut und ließ auf dem großen Hofplatz ein Schloss als Sommersitz bauen. 1792 wurde es an den kurfürstlichen Minister Graf Albert von Oberndorff (1720 bis 1799) verkauft. Heute wird das zweigeschossige Gebäude als Wohnhaus genutzt. Original erhalten is noch das Treppenhaus mit Stuckdecke. Beachtung verdient vor allem das von zwei Säulen getragene Hauptportal.

Kirchen

Unter den Gotteshäusern in Edingen-Neckarhausen ist vor allem die evangelische Kirche in Edingen sehenswert. Sie wurde 1792 anstelle eines bereits 1266 erwähnten Vorgängerbaus im klassizistischen Stil errichtet. Der Glockenturm ist in die Fassade eingezogen. Er erhielt 1874 eine höhere Glockenstube. Gestühl, Kanzel, Empore und Orgel stammen aus der Erbauungszeit. Hinter dem Chor befinden sich Grabsteine aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Die ehemalige katholische Pfarrkirche in Neckarhausen wurde zwischen 1781 und 1783 errichtet und hatte ebenfalls einen mittelalterlichen Vorgängerbau, der vermutlich im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde.   Seit 1961dient sie als Gemeindesaal. Die Decke ziert ein Bild mit der Darstellung des hl. Andreas aus dem Jahre 1940.

Die heutige Andreaskirche hinter der alten Pfarrkirche ist ein moderner Zentralbau aus dem Jahre 1960. Licht fließt in das Innere durch die kupferummantelte Kuppel über dem Altarraum und die kleinen farbenprächtigen Glasfenster mit den Kreuzwegstationen. Von den Ausstattungsstücken verdienen neben den barocken Schnitzfiguren der Heiligen Petrus und Paulus eine romanische Sitzmadonna aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, die im französischen Kunsthandel erworben wurde.

Burgenstraße

 

 

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Burgenstraße

1 Mannheim – Neckarzimmern

1.01 Mannheim an Rhein und Neckar
1.02 Kurfürstliches Schloss, Mannheimer Schloss
1.03 Rundgang durch das Mannheimer Schloss
1.04 Wasserturm, Jesuitenkirche, Luisenpark, Zeughaus mit Reißmuseum

1.05 Ilvesheim

1.06 Ladenburg

1.07 Edingen-Neckarhausen

1.08 Heidelberg
1.09 Heidelberger Schloss, Rundgang durch das Schloss

1.10 Neckargemünd
1.11 Bergfeste Dilsberg

1.12 Neckarsteinach – "Vierburgenstadt"
1.13 Hinterburg
1.14 Mittelburg, Vorderburg, Burg Schadeck

1.15 Hirschhorn – Perle im Neckartal
1.16 Burg Hirschhorn

1.17 Eberbach – Erlebnisstadt am Neckar
1.18 Burg Eberbach

1.19 Zwingenberg
1.20 Jagdschloss Zwingenburg

1.21 Neckargerach
1.22 Minneburg

1.23 Obrigheim
1.24 Schloss Neuburg

1.25 Mosbach
1.26 Neckarelz, Lohrbach

1.27 Neckarzimmern
1.28 Burg Hornberg

2 Haßmersheim – Heilbronn

3 Jagsthausen – Rothenburg o. d. Tauber

4 Colmberg – Nürnberg

5 Erlangen – Heiligenstadt

6 Bamberg – Bayreuth

7 Cheb – Prag

 

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