5.09 Burgruine Streitberg in Wiesenttal an der Wiesent, Fränkische Schweiz

Burgruine Streitberg

Gegenüber der Burgruine Neideck erhebt sich auf einer Bergnase die Burgruine Streitberg über dem gleichnamigen Stadtteil der Gemeinde Wiesenttal. Das südliche Ende der Bergnase wird von einer mächtigen Dolomitenfelsgruppe gebildet, die nach Süden, Westen und teilweise auch nach Osten schroff ins Tal abfällt. Wenn von der Burganlage heute auch nur noch Mauerreste übriggeblieben sind, so lassen diese doch auf ihre einstige Größe im Mittelalter schließen. Außerdem bietet sich dem Besucher von der Ruine aus ein herrlicher Ausblick über das Wiesenttal und auf die landschaftlichen Reize der Fränkischen Schweiz.

Zur Geschichte

Burg Streitberg wurde zu Beginn des 12. Jahrhunderts errichtet. Der um 1120 urkundlich erwähnte erste Burgherr war Walter von Streitberg. Dessen Nachkommen saßen bis 1508 auf der Burg. Ursprünglich bischöflich-bambergische Ministerialen, traten die Herren von Streitberg in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts in den Dienst der Herzöge von Meranien. Heinrich IV. von Streitberg wechselte jedoch wieder während des meranischen Erbfolgestreits nach dem Tode Herzog Ottos VIII. im Jahre 1248 in den Dienst des Hochstifts Bamberg zurück.

Wegen der strategisch bedeutenden Lage der Burg Streitberg genau in einem Knick des Wiesenttals gewannen auch die Nachbarn, vor allem die Fürstbischöfe von Bamberg und die mächtigen Herren von Schlüsselberg Interesse an der Anlage. Von ihr aus konnte die wichtige Verkehrsstraße von Erlangen nach Kulmbach und Bayreuth überwacht werden. Ab 1275 besaßen neben den Herren von Streitberg auch die Schlüsselberger Anteile an der Burg. Ulrich V. von Schlüsselberg, der die Rechte erworben hatte, betrieb von hier aus den umfassenden Ausbau der Burg Neideck zu einer großen Wehranlage.

Der Tod Konrads II. von Schlüsselberg, eines Enkels Ulrichs V. und des letzten Vertreters des Geschlechts, veränderte die Besitzverhältnisse auf Burg Streitberg. Der schlüsselbergische Anteil ging an die Bischöfe von Bamberg über. Dauerhafte Familienstreitigkeiten der Herren von Streitberg, die ihrem Namen alle Ehre machten, führten in der Folgezeit zu häufigen, heute schwer zu durchschauenden Besitzerwechseln. So besaß zu Beginn des 15. Jahrhunderts z. B. auch das weit entfernte Kloster Saalfeld Lehensrechte an der Burg Streitberg.

Die ständigen Fehden der Streitberger wussten sich die Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach zunutze zu machen. Für sie war die Burg Streitberg von großer Bedeutung, da das Wiesenttal die Verbindung zwischen dem markgräflichen Unterland und Oberland darstellte. 1486 unterstützten die Markgrafen Eberhard IV. von Streitberg im Kampf gegen seine Vettern. 1501 standen sie Georg III. von Streitberg, dem Sohn Eberhards, bei. Zur Sicherung ihrer Interessen legten sie heimlich eine Besatzung auf Burg Streitberg. 1508 erwarben die Markgrafen schließlich den Hauptanteil der Anlage von Georg III.

Schon bald entbrannte zwischen den Markgrafen und dem Hochstift Bamberg ein heftiger Streit, der im zweiten Markgrafenkrieg seinen Höhepunkt erreichen sollte. Am 17. Mai 1553 griffen markgräfliche Truppen die gegenüberliegende Burg Neideck an und zerstörten sie. Die Rache der Bischöfe von Bamberg folgte auf dem Fuß. Am 16. Juni des gleichen Jahres brannten die fürstbischöflichen Eroberer Burg Streitberg nieder. So ereilte beide Burgen das gleiche Schicksal.

Im Gegensatz zur Burg Neideck wurde die Burg Streitberg zwischen 1563 und 1565 im Stil eines Renaissanceschlosses wiederhergestellt. Neu erbaut wurden die Bastei mit dem Rundturm am Nordostende, das Haupttor, Stallungen, die Försterwohnung und das Badstüblein. Vier Jahre später stand ein weiteres Gebäude auf dem obersten Felsplateau, das so genannte "Neue Bäulein".

Der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648) brachte der Burg Streitberg erneut große Gefahr. 1632 wurde sie von kaiserlichen Truppen und Kriegsvolk aus Forchheim angegriffen und zerstört. Trotzdem erfolgte zwischen 1657 und 1668 nochmals ein Wiederaufbau. Von strategischer Bedeutung aber war die Anlage kaum noch. Die Geldnot der Landesherren führte dazu, dass notwendige Instandsetzungsmaßnahmen immer wieder aufgeschoben wurden und die Burg schließlich immer mehr verfiel.

Symbolisch für den zunehmenden Verfall waren der Einsturz des Uhrturms auf der Nordseite des Hauptgebäudes im Jahre 1760 sowie der Zusammenbruch des südlichen Treppenturms, der während der Ausbesserungsarbeiten am Schlossbau im Jahre 1766 erfolgte. 1802 wurde die Ruine dem 1806 zum Königreich erhobenen Land Bayern zugesprochen. Das Schloss wurde nun als Steinbruch missbraucht. Lediglich der Förster hatte hier ab 1809 noch seinen Wohnsitz. Doch auch das Forsthaus wurde in den 1880er Jahren abgerissen. Fast 40 Jahre zuvor war die Bastei eingestürzt. 1887 brach der innere Torbogen zusammen, 1894 stürzte ein Teil des "Neuen Bäuleins" zu Tal und 1928 rutschte der Westteil des Ruinentraktes ab. Dabei wurden die Tonnengewölbe der Keller freigelegt. Außer ihnen sind heute im wesentlichen nur noch Teile der Wallmauer und vor allem das Burgtor erhalten. 

Die Anlage

Die Burgruine Streitberg erreicht man am besten von der Oberfellendorfer Straße aus. Von Nordosten kommend, durchquert man die ehemalige Vorburg, von der jedoch nichts mehr vorhanden ist. Im Norden war Burg Streitberg durch einen 30 m breiten und 7 m tiefen Halsgraben gesichert. Heute ist er größtenteils aufgefüllt. Für die anderen Seiten boten die steil abstürzenden Felsen einen natürlichen Schutz vor Angriffen.

Über den breiten Halsgraben führte am Westende einst eine Holzbrücke, die 1738 durch eine Steinbrücke ersetzt wurde. Das Haupttor stand im rechten Winkel zum Graben, um einen direkten Beschuss von der Zugangsseite zu verhindern. Das mit Schießscharten und dem markgräflichen Wappen über dem Rundbogen versehene Tor ist der besterhaltene Teil der Ruine. Es stammt aus der Zeit des Wiederaufbaus nach dem zweiten Markgrafenkrieg.

Durch das Haupttor führt der Burgweg an einer hohen Außenmauer vorbei zu einem etwas höher gelegenen zweiten Tor. Dieses aus Sandstein errichtete spitzbogige Tor ist nach seinem Einsturz im Jahre 1887 weniger gut erhalten. Dennoch zeigt es Mauerreste in einer Höhe von 4 m. Dahinter befindet sich links eine 5 m hohe Außenmauer mit Schießscharten. Von der Hauptburg, die sich auf einem Plateau 30 m oberhalb des Haupttors erhob, ist außer den erwähnten Kellerräumen nichts mehr vorhanden. Dort standen vor 1553 mehrere Bauten, darunter die Bamberger Kemenate, die immer wieder Anlass für Auseinandersetzungen war.

Wiesenttal | Burgruine Neideck | Burgruine Streitberg

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