5.21 Schloss Aufseß, Fränkische Schweiz

Schloss Aufseß (Unteraufseß)

Die ältere der beiden Schlossanlagen in Aufseß ist Schloss Unteraufseß. Malerisch erhebt es sich über dem gleichnamigen Ort und dem gleichnamigen Fluss auf einer Felsnase, die als breiter Sporn in eine Talschlinge hineinragt.

Zur Geschichte

Schloss Aufseß wurde zu Beginn des 12. Jahrhunderts als Stammsitz der Freiherren von Aufseß errichtet, zu deren Herrschaftsbereich früher 50 Burgen und 43 Ortschaften gehörten. Erstmals erwähnt wurde das Adelsgeschlecht im Jahre 1114. Die Burg wurde im Laufe der Geschichte mehrmals erweitert und umgebaut. Die erste Erweiterungsmaßnahme erfolgte unter Otto I. von Aufseß (1296 bis 1338). Er ließ unter anderem im Südosten eine Kemenate und für sie ein zweites Burgtor errichten. An den Kemenatenbau fügten 1615 Jakob von Aufseß und seine Frau Katharina von Wiesenthau nordöstlich im rechten Winkel einen neuen Flügel an. 

Gewaltige Schäden erlitt Burg Aufseß im Hussitenkrieg 1430 und im Bauernkrieg 1525. Der Wiederaufbau konnte 1537 abgeschlossen werden. Auch im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) wurde Burg Aufseß zerstört. Wegen der hohen Kosten zogen sich die anschließenden Bauarbeiten bis 1677 hin. Im Zuge dieser Baumaßnahmen und der Neuanlage der Burg wurden die Kemenate Ottos I. und der durch Jakob von Aufseß errichtete Neubau zum Hauptgebäude umgestaltet. Nur das so genannte Meingoz-Steinhaus, ein schlichter rechteckiger Bau mit Satteldach, und der Rabenturm (Bergfried) überstanden alle Angriffe und sind noch heute zu bestaunen.

Ende des 17. Jahrhunderts gerieten die Brüder Friedrich und Karl Heinrich von Aufseß, die beide im Besitz der Hauptburg waren, in heftigen Streit. Hintergrund war der Übertritt der Söhne Friedrichs zum katholischen Glauben. Karl Heinrich sah den einzigen Ausweg darin, dass er sich von seinem Bruder trennte und sich selbst ein neues Schloss errichtete. Sein neuer Wohnsitz wurde Schloss Oberaufseß, auch Carolsburg genannt. Erst den Nachkommen der feindlich gesinnten Brüder gelang es, nach 1755 den Familienzwist beizulegen.

Mit dem Aussterben der katholischen Linie Unteraufseß im Jahre 1800 wurden Ober- und Unteraufseß besitzmäßig wieder vereinigt. 50 Jahre später erfolgte eine neue Teilung. Bis heute bewohnen die Aufseß ununterbrochen ihre alte Stammburg. Besonders bekannte Vertreter dieses Geschlechts sind Hans Freiherr von und zu Aufseß (1801 bis 1872), dessen Name mit der Gründung des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg verbunden ist und Hans Max von Aufseß (1906 bis 1993), ein bedeutender fränkischer Schriftsteller. 

Die Anlage

Die beiden ältesten noch erhaltenen Bauten von Schloss Unteraufseß sind das Meingoz-Haus und der Rabenturm (Bergfried). Sie nehmen den westlichen Teil der Gesamtanlage ein. Das 1395 erwähnte Meingoz-Haus wurde nördlich an den Bergfried angebaut. Der Name des Gebäudes geht auf den um die Mitte des 12. Jahrhunderts mehrfach erwähnten Meingoz von Aufseß (1136 bis 1156) zurück. Heute führt eine lange Holztreppe zu den Gemächern, in denen Hans von Aufseß, der Gründer des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg, mit seinem Leibdiener lebte, wenn er sich mit seiner Frau zankte. Sein ehemaliges Studierzimmer mit romantischer Innenausstattung blieb unverändert.

Zu den ältesten Teilen der Burg gehörten auch die Burgkapelle und die Kemenate Ulrichs I. von Aufseß aus dem 12. Jahrhundert. Letztere wurde jedoch vor 1822 abgerissen. Durch das Gebäude verlief der ursprüngliche Zugang zur Burg. Zu welchem Zeitpunkt die Burgkapelle errichtet wurde, ist nicht genau bekannt. Sie entstand jedoch wesentlich früher, als das Datum ihrer ersten Erwähnung (1309) vermuten lässt, denn Otto I. (1296 bis 1338) bezeichnete sie als Begräbnisstätte seiner Ahnen. Mit dem Übertritt der Herren von Aufseß zum protestantischen Glauben wurde die Burgkapelle im 16. Jahrhundert evangelisch. Zwischen 1740 und 1742 wurde sie als barocke Schlosskapelle neu erbaut. Heute dient sie als evangelische Pfarrkirche. Besonders sehenswert sind die Grabdenkmäler, darunter der Wappengrabstein für Albrecht von Aufseß († 1356), drei Barockepitaphe sowie ein Bildnisepitaph aus dem 14. Jahrhundert an der Außenwand des Gotteshauses.

Die als neuer Zugang von Otto I. errichtete Kemenate bildet auch heute noch das Torhaus. Daran schließt sich nordöstlich der 1615 von Jakob von Aufseß und seiner Frau Katharina von Wiesenthau errichtete Neubau an. Das Allianzwappen und die Jahreszahl über dem Eingang zum Treppenturm erinnern an das Ehepaar und die Entstehung des neuen Flügels. Vermutlich sind auch die drei Rundtürme mit den Zwiebeldächern an den Ecken den Baumaßnahmen dieser Zeit zuzurechnen und geben heute dem zweiflügeligen Gebäudekomplex ein einheitliches Aussehen.

Im Südflügel des dreigeschossigen Hauptbaus befindet sich die neue Burgkapelle. Ihre gotischen Buntglasfenster aus dem 14. Jahrhundert täuschen darüber hinweg, dass sie erst 1840 eingerichtet wurde. Im Innern ist ein schöner Schnitzaltar aus dem 16. Jahrhundert mit den Figuren der 12 Apostel zu sehen. Rechts unten befindet sich eine Darstellung von dickbäuchigen Mönchen in der Hölle. Der Ahnensaal im Hauptgebäude dient in den Sommermonaten für Konzertaufführungen. 

Öffnungszeiten: Täglich 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr. Nach Voranmeldung werden Führungen für Gruppen ab 6 Personen angeboten. 

Burgenstraße

 

 

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