5.08 Burgruine Neideck in Wiesenttal an der Wiesent, Fränkische Schweiz

Burgruine Neideck

Die Burgruine Neideck erhebt sich in einer Höhe von 382 Metern über dem Wiesenttal zwischen den Orten Streitberg und Muggendorf auf einer ebenen Bergzunge. Sie ist die bekannteste und zugleich größte Ruine der Fränkischen Schweiz und gilt als das Wahrzeichen der Region. Im 18. Jahrhundert begeisterte sie besonders die Romantiker und wurde oft von Literaten, Dichtern und Malern beschrieben und gemalt. Der Name der Burg leitet sich von der Bezeichnung niederes Eck ab. 

Zur Geschichte

Burg Neideck wurde vermutlich Anfang des 13. Jahrhunderts erbaut. Das fürstbischöflich-bambergische Ministerialengeschlecht von Neideck wurde 1219 erstmals urkundlich erwähnt. Die erste Erwähnung der Burg geht auf das Jahr 1312 zurück. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits Stammsitz des mächtigen Geschlechts der Schlüsselberger. Vor allem unter Ulrich V. von Schlüsselberg wurde die Burg zu einer großen Wehranlage ausgebaut. Das mächtige Bollwerk erhielt zwei Vorhöfe und Mauern mit Gräben. 

Die Errichtung einer Zollstelle 1347 im Wiesenttal durch Konrad von Schlüsselberg, einem im gesamten Reich hoch geachteten Ritter und Freund Kaiser Ludwigs des Bayern, stellte für die Nachbarn eine Provokation dar. Die Bischöfe aus Bamberg und Würzburg griffen daraufhin noch im selben Jahr Burg Neideck an. Bei der Belagerung wurde Konrad von Schlüsselberg, der letzte Vertreter seines Geschlechts, getötet. Eine Anekdote erzählt, er habe gerade auf dem stillen Örtchen, das über die Mauer ragte, gesessen und sei dabei von einem Wurfgeschoss getroffen worden. Die Burg kam dadurch an das Hochstift Bamberg

Die Bischöfe von Bamberg richteten 1348 auf Burg Neideck ein Amt mit Hochgericht ein, das der Vorläufer des späteren Bezirksamtes und Landkreises Ebermannstadt war. Fünf Burggüter im inneren Vorhof waren an ritterliche Burgmannen vergeben. Diese gingen jedoch nach und nach an Bamberg über, das letzte 1506. In den Hussitenkriegen wurde Burg Neideck anlässlich einer Privatfehde von Eberhard Groß überfallen und ausgeraubt. Möglicherweise wurde sie dabei auch beschädigt. Während die Anlage den Bauernkrieg 1525 überstand, wurde sie im zweiten Markgrafenkrieg 1553 durch markgräfliche Truppen so stark zerstört, dass man sie nicht wieder aufbaute. Der Sitz des Amtmannes wurde nach Ebermannstadt verlegt. 

Im 18. Jahrhundert entdeckte man unter den Trümmern der Ruine Neideck rötlichen und gelblichen Juramarmor. Der Abbau führte ab 1737 zu einer weiteren Zerstörung der Burg. Den Juramarmor benutzte man als Material für den Bau der Würzburger Residenz und der berühmten Wallfahrtskirche zur Heiligen Dreifaltigkeit in Gößweinstein

Die Anlage

Burg Neideck ist in drei Teile gegliedert, die Hauptburg mit dem weithin sichtbaren Bergfried und zwei Vorburgen. Der 100 Meter lange äußere Graben trennte die erste Vorburg von dem ansteigenden Vorgelände ab. Die ihm vorgelagerte Mauer ist heute nur noch als flacher Wall zu erkennen. Reste der Schildmauer hinter dem Halsgraben ragen zum Teil noch in einer Höhe von bis zu 5 m auf. Von den Stallungen ist wie von dem ehemaligen Torhaus im Osten nichts mehr zu sehen. Der Graben davor ist heute zugeschüttet. 

Auf die erste Vorburg folgt ein breiter und tiefer zweiter Graben, der sie von der zweiten Vorburg trennt. Zwei massive, mit Scharten versehene Türme sichern den Übergang. Wie in der ersten Vorburg befanden sich auch in der zweiten eine Reihe von Stallungen sowie die fünf Kemenaten der mittelalterlichen Burgmannen.  

Der dritte Graben trennt die zweite Vorburg von der Hauptburg. An ihrer Südwestecke liegt der ehemalige Burgbrunnen, der jetzt nur noch eine Tiefe von zwei Metern aufweist. Auf der Nordseite erheben sich die Reste des viereckigen Wohnturms und Bergfrieds. Von den ursprünglich vermutlich drei Obergeschossen sind noch zwei erkennbar. Im Erdgeschoss beträgt die Mauerstärke 1,50 m. Nach oben verjüngt sie sich immer weiter. Bei genauem Hinschauen kann man die Reste eines Kamins und des Aborterkers entdecken. 

Den Aufstieg zur Burgruine Neideck unternimmt man am besten vom Parkplatz am Freibad Streitberg aus. Dort führt ein recht steiler Weg von ca. 45 Gehminuten nach oben. Auf Burg Neideck gibt es genug Ruheplätze an denen man den Ort und die Aussicht ins Wiesenttal in vollen Zügen genießen kann. Vor der wunderschönen Kulisse der Ruine finden gelegentlich Theateraufführungen statt.

Eine Sage zur Burg Neideck

Eine Sage erzählt, dass Burg Neideck vor vielen Jahrhunderten im Besitz eines Grafen war, der eine bildhübsche Tochter hatte. An ihr hing er so sehr, dass er der Vermählung mit einem tapferen Ritter nicht zustimmte. Die jungen Leute beschlossen, als der Graf sich auf einem Jagdausflug befand, heimlich zu heiraten und von der Burg zu fliehen. Der Burgkaplan, der große Angst vor dem Grafen hatte, wurde mit dem Schwert gezwungen, die Trauung vorzunehmen. Als der zurückgekehrte Graf von der Flucht seiner Tochter hörte, verfluchte er sie. Der Burgkaplan aber musste seine Tat schwer büßen. Bei schmaler Kost darbte er Jahre im dunklen Burgverlies, bevor er bei einer Eroberung der Burg als völlig abgemagerter und verblödeter Mann befreit wurde.

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