6.28 Bayreuth – Wagnerstadt

Die Stadt

Als 1876 die ersten Wagner-Festspiele ausgetragen wurden, musste der Meister vergeblich auf die in England gefertigten Teile des Bühnenbildes warten. Sie waren nach Beirut statt nach Bayreuth eingeschifft worden. Dieses Missgeschick würde heute wahrscheinlich nicht mehr passieren, denn eben der Person Wagners und seinem Werk verdankt der oberfränkische Regierungssitz seinen Weltruf als Musik- und Theaterstadt. Jahr für Jahr ist Ende Juli die Zeit der berühmten Festspiele gekommen, und rund 60 000 Besucher aus allen Teilen der Welt strömen dann dem Festspielhaus auf dem Grünen Hügel entgegen. Doch nicht nur zur Festspielzeit lohnt ein Bummel durch die Antiquariate und Musikfachgeschäfte der Stadt. Literatur zu Richard Wagner und Tonträger mit der Musik des Meisters werden überall in großer Auswahl angeboten. Nicht nur Wagner, auch viele andere Komponisten, Musiker und Vertreter der zeitgenössischen Kunst- und Geistesgeschichte zog es nach Bayreuth. Der Dichter Jean Paul (bürgerlicher Name: Johann Paul Friedrich Richter) lebte und wirkte hier. Franz Liszt ist hier begraben. 

Auch das Musikgeschehen beschränkt sich nicht auf die Wagner-Festspiele. Das Internationale Jugendfestspieltreffen, die Fränkische Festwoche der Bayerischen Staatsoper, die Konzertreihe "Musica Bayreuth" und andere Veranstaltungen locken viele Gäste und Kunstliebhaber an. 

Trotz seines weltweiten Bekanntheitsgrades ist Bayreuth keine Metropole, sondern eher eine beschauliche Provinzstadt. Das historische Erscheinungsbild ist eng verbunden mit dem Namen Wilhelmine (1709 bis 1758). Die Preußenprinzessin und Lieblingsschwester Friedrichs des Großen verlieh der Stadt im 18. Jahrhundert ihren Glanz, als sie sie zu einer schillernden Residenz mit Schlössern und Lustgärten ausbaute. Noch heute kann der Besucher die schönen Barockbauten und Rokokopaläste bewundern. 

Durch die Eröffnung der Universität im Jahre 1975 wurden die zahlreichen Bildungseinrichtungen der Stadt vervollständigt. Die Mittellage zwischen Fichtelgebirge und Fränkischer Schweiz ist ebenfalls ein Vorteil, der Bayreuth sowohl als Tagungs-, als auch als Urlaubsort interessant macht. Zur Behaglichkeit, die man hier zu schätzen weiß, gehört eine fränkische Brotzeit und ein süffiges Bier. Dem Bayreuther Gerstensaft gab schon Jean Paul die besten Noten und sprach ihm oft und kräftig zu. 

Zur Geschichte

Bayreuth wurde verkehrsgünstig an der Kreuzung zweier Altstraßen angelegt. Die Keimzelle der Stadt liegt in einem etwa dreieckigen Bezirk, der von der Maximilian-, der Sophien- und der Kanzleistraße begrenzt wird. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1194. 1231 wurde Bayreuth bereits als Stadt genannt. Der Name bedeutet "Rodung der Bayern" und weist auf die Herkunft der Siedler hin. Sie waren wahrscheinlich im Gefolge der damaligen Territorialherren, der Herzöge von Andechs-Meranien, an den Obermain gekommen, wo dieses Geschlecht umfangreiche Besitzungen hatte. Die Meranier sicherten ihre Stadt wohl bald mit einer Mauer. 1248 traten die Burggrafen von Nürnberg die Nachfolge an. Ihre Nachkommen aus der fränkischen Linie der Hohenzollern bestimmten bis 1791 die Geschicke der Stadt. 

Bayreuth wurde über die Jahrhunderte immer wieder gepeinigt durch Kriege, Seuchen und Brände und damit am Wachsen gehindert. So blieb es bis ins 17. Jahrhundert ein kleines Städtchen. Das Blatt wendete sich 1603 mit dem Regierungsantritt des Markgrafen Christian von Brandenburg-Kulmbach. Dessen Geschlecht hatte die Region bis dahin von der Plassenburg bei Kulmbach aus regiert. Christian entschloss sich, die Residenz nach Bayreuth zu verlegen. Die Handwerkerstadt wandelte sich damit zu einer Hofbeamtenstadt mit rund 4000 Einwohnern. 

Im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) stand Bayreuth auf der Seite der Protestanten. Ihre Blütezeit erlebte die Stadt ab 1735 unter der Regentschaft des Markgrafenpaares Friedrich und Wilhelmine. Wilhelmine kam 1731 aus Berlin und traf auf die Beschaulichkeit der Provinz. Sie war eine Frau mit Esprit und Kunstverstand, die Geistesgrößen wie Voltaire zu ihren Freunden zählte und den Duft der großen weiten Welt in die fränkische Kleinstadt holte. Sie schrieb, komponierte sogar und stand auf der Bühne. Unter ihrer Aufsicht entstanden zwischen 1735 und 1763 in rascher Folge die repräsentativen Bauten und Anlagen, von denen die Stadt noch heute geprägt ist: das Markgräfliche Opernhaus, die Eremitage, das Neue Schloss, die Friedrichstraße und der Hofgarten. Der Markgraf, ebenfalls ein kultivierter und gebildeter Herrscher, gründete 1742 eine Universität, die allerdings bald nach Erlangen verlegt wurde, und 1756 eine Kunstakademie.

Als 1769 Markgraf Alexander, der Nachfolger Friedrichs, die Entscheidung traf, die Residenz von Bayreuth nach Ansbach zu verlegen, verlor die Stadt ihren Hofstaat und ihr Glanz verblasste. Mit der Abdankung Alexanders 1791 ging sie in preußischen Besitz über. 1810 wurde sie dem jungen Königreich Bayern zugeschlagen. Bayreuth wurde Sitz der Regierung des Obermainkreises. In dieser Zeit wurde ein Pfarrerssohn aus dem Fichtelgebirge, der Dichter Jean Paul, zum selbst von Goethe bewunderten Bestsellerautor. Stärker noch als die im 19. Jahrhundert zaghaft einsetzende Industrialisierung bestimmte die Ankunft des Komponisten Richard Wagner 1872 das weitere Schicksal der Stadt. Die Wagner-Festspiele, 1876 ins Leben gerufen, wurden 1888, fünf Jahre nach dem Tod des Meisters, unter der Leitung seiner Witwe zu einer festen Einrichtung. Bayreuth knüpfte damit an die glanzvollen Zeiten als Musik- und Theaterstadt unter den Markgrafen an. 

Die besondere Rolle, die Wagner und Bayreuth in der Ideologie der Nationalsozialisten spielten, musste die Stadt 1945 büßen. In den letzten Kriegswochen wurde sie schwer bombardiert und zu einem Drittel zerstört. Das bedeutendste Ereignis der Nachkriegsgeschichte ist die Gründung der siebten bayerischen Universität, die 1975 ihren Vorlesungsbetrieb aufnahm. Heute ist Bayreuth mit rund 75 000 Einwohnern die mit Abstand größte Stadt der Region.

Sehenswertes

Altes Schloss, Neues Schloss | Markgräfliches Opernhaus, Festspielhaus | Evangelische Stadtpfarrkirche, Schlosskirche, Sophienkirche, Spitalkirche
Kunstmuseum, Historisches Museum, Umwelt-Museum, Richard-Wagner-Museum (Villa Wahnfried), Jean-Paul-Museum
| Eremitage

Burgenstraße

 

 

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Burgenstraße

1 Mannheim – Neckarzimmern

2 Haßmersheim – Heilbronn

3 Jagsthausen – Rothenburg o. d. Tauber

4 Colmberg – Nürnberg

5 Erlangen – Heiligenstadt

6 Bamberg – Bayreuth

6.01 Bamberg
6.02 Bamberger Dom
6.03 Alte Hofhaltung
6.04 Neue Residenz
6.05 Klosterkirche und Benediktinerabtei St. Michael
6.06 Karmeliterkloster und Kirche St. Theodor
6.07 Stadtkirche St. Martin
6.08 Liebfrauenkirche
6.09 Kirchen St. Jakob,
St. Gangolf und St. Stephan

6.10 Profanbauten und Museen in Bamberg

6.11 Scheßlitz
6.12 Giechburg

6.13 Lichtenfels
6.14 Kloster Banz
6.15 Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen

6.16 Schloss Hohenstein

6.17 Coburg
6.18 Veste Coburg
6.19 Schloss Ehrenburg
6.20 Schloss Callenberg
Schloss Rosenau

6.21 Kronach
6.22 Festung Rosenberg

6.23 Burg Lauenstein

6.24 Küps
6.25 Schlösser in Küps

6.26 Kulmbach
6.27 Plassenburg

6.28 Bayreuth
6.29 Altes und Neues Schloss
6.30 Markgräfliches Opernhaus,
Festspielhaus
6.31 Kirchen in Bayreuth
6.32 Museen in Bayreuth
6.33 Eremitage

7 Cheb – Prag

 

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Stand: Thursday, 31. March 2016 - URL dieser Seite: http://burgen.strasse-online.de/6-bamberg-bayreuth/6-28-bayreuth/index.html