6.19 Schloss Ehrenburg in Coburg

Schloss Ehrenburg

Das Stadtschloss Ehrenburg in Coburg ist eine mächtige Anlage, die auf eine rund 450jährige Geschichte zurückblicken kann. Vom Schlossplatz aus gesehen präsentiert sich die ehemalige Residenz der Herzöge von Sachsen-Coburg und Sachsen-Gotha in neugotischem Gewand des 19. Jahrhunderts.

Zur Geschichte

Herzog Johann Ernst von Sachsen-Coburg (1542 bis 1553), der der ernestinischen Linie der Wettiner entstammte, fasste 1543 den Entschluss, seine Residenz von der Veste Coburg in die Stadt zu verlegen. Auf dem Grund eines während der Reformation aufgelassenen Franziskanerklosters begann er noch im selben Jahr, eine Dreiflügelanlage errichten zu lassen. Bereits vier Jahre später war das Stadtschloss vollendet, so dass der Umzug stattfinden konnte. Den Namen Ehrenburg soll es von Kaiser Karl V. erhalten haben, da es ohne Frondienste hochgezogen worden war.

Unter Herzog Johann Casimir erfolgte ab 1616 nach Plänen des Baumeisters Giovanni Bonalino ein erster Ausbau. Die Anlage mit drei Höfen ist an den heutigen Bauten noch abzulesen. Der heute rückwärts gelegene Hof ist von Verwaltungsgebäuden umstanden. Anstelle des heutigen Schlossplatzes vor dem Hauptbau umschlossen Wirtschaftsgebäude einen dritten Hof.

Nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) und einer Brandkatastrophe ließ Herzog Albrecht Schloss Ehrenburg ab 1690 zu einer Barockanlage umgestalten. Zahlreiche Stuckarbeiten in den Innenräumen, die Hofkirche und der imposante Riesensaal sind noch heute Zeugnisse dieser Bauepoche. Gleichzeitig fand eine Umorientierung statt. Der mittlere Hof und der Wirtschaftshof wurden zum einheitlichen Ehrenhof des dreiflügeligen Neubaus mit seitlichen Einfahrten in den Eckpavillons umgestaltet.

Im 19. Jahrhundert erhielt Schloss Ehrenburg dann seine neugotische Fassade Die Entwürfe für das Vorhaben Herzog Ernsts I. (1806 bis 1844) lieferte der Berliner Architekt Karl Friedrich Schinkel. Die Innenräume wurden prunkvoll im Empire-Stil ausgestaltet. Zwischen 1830 und 1835 wurden die Wirtschaftsgebäude zugunsten der freien Entfaltung des Schlosses abgerissen. Bis 1918 blieb Schloss Ehrenburg Staatsresidenz der Coburger Herzöge. 

Die Innenräume

Der Riesensaal bildet den Hauptsaal von Schloss Ehrenburg. Das Gebälk wird von 28 mächtigen Atlanten getragen, die dem Saal auch den Namen gaben. Das Fries unter der Decke dokumentiert mit den 56 Wappen ehemaliger Herrschaftsbereiche des Hauses Wettin die rund tausendjährige Geschichte dieses Geschlechts. Die Stuckaturen sind Schöpfungen oberitalienischer Meister aus den Jahren 1697 bis 1699. Aus der gleichen Zeit stammen auch die Deckengemälde. Für die Beleuchtung sorgen zwei prächtige Kronleuchter. Die Spiegel an den Fensterpfeilern wurden erst 1817 angebracht. Eine Gedenktafel erinnert an die Begegnung zwischen Kaiser Franz Joseph von Österreich und der englischen Königin Victoria, die 1863 im Riesensaal stattfand.

Reiche Stuckdekorationen beherrschen auch den Weißen Saal (ehemaliger Audienzsaal), das Rote Zimmer und die Decke des Gobelinzimmers. Im letzteren Raum kann man eine Gobelinserie bewundern. Die Stuckdecken im so genannten Andromeda-Saal mit ihren Rokokoformen entspringen einer etwas späteren Phase (1735 bis 1740). Die Deckengemälde dieses Raums sind mythologischen und allegorischen Inhalts. Der Andromeda-Saal dient heute als Vortragssaal der Landesbibliothek Coburg.

Klassizistisch präsentieren sich der Thronsaal und die herzoglichen Wohnräume, für deren Gestaltung Herzog Ernst I. den Franzosen André-Marie Renié-Grétry verpflichtete. Die Apartments sind mit kostbarem Mobiliar, Uhren und Leuchtern ausgestattet. Bemerkenswert sind auch die mehrfarbig eingelegten Parkettböden in den Paradezimmern und die holzvertäfelten Kabinette. Zahlreiche Porträts in den Schlossräumen verweisen auf die verwandtschaftlichen Beziehungen des Hauses Coburg, die durch die von Herzog Ernst I. eingeleitete Heiratspolitik entstanden sind. An die Aufenthalte der Königin Victoria erinnern ein für sie eingerichtetes Schlafzimmer und ein mahagoniumkleidetes Wasserklosett.

Unter dem Riesensaal befindet sich die Schlosskirche. Sie nimmt das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss ein. Errichtet wurde sie Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhundert. Sie stellt einen von Holzpfeilern getragenen Hallenraum mit umlaufenden Emporen dar. Die Fresken zeigen Szenen aus der Offenbarung des Johannes. Sehenswert sind auch die Stuckdekoration, der Altar aus Stuckmarmor sowie die geschnitzte Kanzel.

Die Wohn- und Prunkräume, die Gemäldegalerie und die Schlosskirche können im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Sie werden täglich außer montags vom 1. April bis 31. Oktober zwischen 9 und 17 Uhr, vom 1. November bis zum 31. März zwischen 10 und 15 Uhr zu jeder vollen Stunde angeboten.

Schlossplatz / Hofgarten

Der Platz vor Schloss Ehrenburg wurde von 1830 bis 1837 gestaltet. Er wird begrenzt von dem gegenüber liegenden Hoftheater, dem Hofgarten, der sich bis hinauf zur Veste zieht, und im Westen von der Altstadt. Der Hofgarten ist im Stil eines englischen Landschaftsparks gestaltet. Den unteren Bereich nimmt die Hofgartenterrasse mit dem Reiterdenkmal Herzog Ernsts II. ein. Sehenswert sind auch das Mausoleum für Herzog Franz Friedrich Anton und seiner Gemahlin von 1816/1817, das Ehrenmal des Coburger Convents von 1926 sowie der Herzog-Alfred-Brunnen von 1904.

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