6.18 Veste Coburg in Coburg

Veste Coburg

Die Veste Coburg zählt zu den am besten erhaltenen Burgen in Deutschland. Weithin sichtbar thront sie auf einem hohen Dolomitfelsen. Der Weg hinauf ist romantisch schön und belohnt immer wieder mit eindrucksvollen Blicken auf die Stadt. Aber auch von der Veste selbst aus bietet sich dem Besucher bei klarem Wetter ein atemberaubender Fernblick in alle vier Himmelsrichtungen und auf Landschaftsgebiete wie Thüringer Wald, Fichtelgebirge, Frankenwald, Steigerwald und Haßberge. Wegen ihrer dominanten Lage, ihrer Ausmaße, aber auch wegen ihrer Bedeutung als Residenz berühmter Herrscher wird die Veste Coburg auch als "Fränkische Krone" bezeichnet. In früheren Zeiten bot sie auch bedeutenden Persönlichkeiten eine Herberge, darunter Lucas Cranach d. Ä. und Martin Luther.

Zur Geschichte

Der Name Coburg tauchte erstmals 1056 in einer Urkunde auf, in der die Polenkönigin und Tochter Kaiser Ottos II. Richeza ihre Coburger Güter ihrem Bruder Hermann, dem Erzbischof von Köln, übereignete. Der Festungshügel wurde zunächst für sakrale Zwecke genutzt. Für 1060 ist die Existenz einer St. Peter und Paul geweihten Kapelle und für 1075 der Verwaltungssitz eines Vogtes nachgewiesen. Die Erwähnung von Coburg in einer Bulle des Papstes Honorius II. von 1126 lässt die Vermutung zu, dass Kapelle und Verwaltungssitz schon damals leicht befestigt waren. Möglicherweise lagen sie innerhalb einer Wallanlage, die archäologischen Untersuchungen zu Folge bereits in vorgeschichtlicher Zeit vorhanden war. 

Der Baubeginn der Veste Coburg fiel wohl in die Zeit Ende 12., Anfang 13. Jahrhunderts. 1225 war erstmals von einem Schloss Coburg die Rede. Damals gehörte die Anlage dem Hause Andechs-Meranien, bevor sie 1248 nach der Ermordung des letzten Meraniers mit coburgischem Landbesitz an die Grafen von Henneberg gelangte. Ab 1353 sah sie sich im Besitz der Wettiner.

Die Baugeschichte der Veste war geprägt von steten Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen, bei dem verschiedene Stilrichtungen zur Geltung kamen. Eine genaue Rekonstruktion der ersten hochmittelalterlichen Burganlage ist daher kaum noch möglich. Wahrscheinlich setzte sie sich aus zwei etwa gleich großen Teilen zusammen, einer Vorburg im Westen und einer Hauptburg im Osten. Der erste Ausbau fand nach einer erfolglosen Belagerung im Jahre 1387 statt. Die zweite Erweiterung und Verstärkung erfolgte ab 1430 unter dem Eindruck der Hussitenkriege. Hintergrund für den Ausbau der multifunktionalen Burg zu einer beherrschenden Landesfestung ab 1530 waren die Verlegung der herzoglichen Residenz in die Ehrenburg sowie Veränderungen in der Kriegstechnik.

Damals weilte ein prominenter Gast auf der Burg, Martin Luther. Er wohnte während des Reichstags 1530 in Augsburg für längere Zeit in der Steinernen Kemenate. In dieser Zeit schrieb er unter anderem die Trostbriefe an Philipp Melanchthon und den berühmten Brief an seinen Sohn Hans. Neben der Wartburg zählt die Veste Coburg daher zu den wichtigsten Luther-Gedenkstätten.

Die letzten größeren militärischen Neubauten auf der Veste Coburg wurden zu Beginn des 17. Jahrhunderts errichtet. Im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) konnte die Anlage gleich zweimal ihre Wehrhaftigkeit erfolgreich unter Beweis stellen. In der Folgezeit ging die militärische immer mehr verloren. Zwischen 1782 und 1860 wurde das so genannte Hohe Haus (Zeughaus) als Gefängnis benutzt. Zwischen 1797 und 1838 wurden der Graben und der Gegenwall eingeebnet.

Ab 1838 begann eine neue Phase in der Geschichte der inzwischen im Verfall begriffenen Veste. Unter Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg und Sachsen-Gotha (1784 bis 1844) wurde die Anlage in neugotischem Stil umgebaut. Die Erneuerungsarbeiten bezogen sich zunächst auf die Innenräume, die als Wohn- und Museumsräume eingerichtet wurden. Erst ab 1851 erfolgten mit der Entfernung alter Verteidigungsanlagen und der Abtragung von Überdachungen und Mauerkronen einschneidende Eingriffe in das äußere Erscheinungsbild der Veste.

Zwischen 1906 und 1924 wurde der Berliner Burgenarchitekt Bodo Ebhardt vom letzten regierenden Herzog Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Sachsen-Gotha (1884 bis 1954) mit einer erneuten Restaurierung beauftragt, der die Anlage in den historischen Vorzustand versetzen sollte und der daher die Neubauten aus dem 19. Jahrhundert zum Opfer fielen. Schwere Zerstörungen infolge des Zweiten Weltkrieges, vor allem am Herzogin-Bau, dem Hohen Haus und dem Carl-Eduard-Bau, machten Reparatur- und Instandsetzungsarbeiten, die unter der Leitung der "Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen" durchgeführt wurde. Heute ist die Veste Coburg als Burgmuseum der Öffentlichkeit zugänglich.

Die Anlage

Die Veste Coburg ist von einem dreifachen Mauerring umgeben. Der äußere Ring hat einen Umfang von ca. 260 x 135 m. Nach der Südseite treten zu beiden Seiten des Eingangs mit seinem barocken Vortor zwei Basteien aus dem frühen 17. Jahrhundert hervor, die Bastei "Bunter Löwe" und die Bastei "Rautenkranz", die heute als Aussichtspunkt genutzt wird. Westlich ist die Bärenbastei vorgelagert, die ebenfalls im 17. Jahrhundert errichtet wurde. Östlich des Eingangs liegt innerhalb des äußeren Berings die Burgschänke. 

Die Gebäude des Burginneren umgeben zwei Höfe. Der östliche Burghof wird im Norden und Westen von dem zweiflügeligen Hauptgebäude begrenzt, dem Fürstenbau (ehemaliger Palas) und der Steinernen Kemenate. Im Erdgeschoss des Fürstenbaus befindet sich ein Küchengewölbe aus dem 13. Jahrhundert. Seine Fachwerkfront erhielt das Gebäude im 16. Jahrhundert. Gleichzeitig wurde es um ein Stockwerk erhöht. An der Südostseite schließt sich die Burgkapelle (Luther-Kapelle) an. Die Steinerne Kemenate ist vom Mauerwerk und zum Teil von den Fenstern her der Gotik zuzuordnen. Ihr südlich vorgelagert erkennt man die Fundamente des ehemaligen mächtigen Bergfrieds. Dem Fürstenbau gegenüber liegt das Gästehaus. Den östlichsten Punkt der inneren Burganlage nimmt der heutige Aussichtspunkt "Hohe Bastei" ein. 

Um den westlichen Burghof scharen sich das südlich gelegene Hohe Haus (ehemaliges Zeughaus), ein Gebäude aus dem 15. Jahrhundert, im Osten die erwähnte Steinerne Kemenate, im Norden der Carl-Eduard-Bau und im Westen der Herzogin-Bau. Das Hohe Haus, ein mehrstöckiges Giebelhaus mit spätgotischen Fenstern und Ecktürmchen, gilt als der besterhaltene unter allen Bauten der Veste. Der Herzogin-Bau wird von zwei Mauertürmen flankiert, vom Blauen Turm im Süden und vom Roten Turm im Norden, wobei der Blaue Turm einer der ältesten Teile der Gesamtanlage ist. 

Burgmuseum

In den verschiedenen Gebäuden der Veste Coburg haben heute viele Kunstschätze von europäischem Rang ihre Bleibe gefunden, die vorwiegend aus den fürstlichen Sammlungen der Herzöge von Sachsen-Coburg und Sachsen-Gotha hervorgingen. Die umfangreiche Ausstellung wird ständig durch wechselnde Sonderausstellungen ergänzt und bereichert. 

Im der Steinernen Kemenate befindet sich die Große Hofstube mit Balkendecke und eisernem Ofen des späten 15. Jahrhunderts. Sie ist der Fest- und Bankettsaal der Burg. Die Bauform aus dem frühen 16. Jahrhundert ist bis heute erhalten geblieben. Die beiden Räume gegenüber der Großen Hofstube sind eine Gedenkstätte für Martin Luther und erinnern an dessen Aufenthalt auf der Veste im Jahre 1530. Darüber hinaus beherbergt die Steinerne Kemenate das Jagd-Intarsienzimmer. Auf den rund 60 Intarsienbilder sind verschiedene Jagdszenen dargestellt. 

Aus den Beständen der herzoglichen Leibrüstkammer und des städtischen Zeughauses wurde die Waffensammlung zusammengestellt, die heute zu den besten Europas zählt. Neben einer Fülle von Harnischen und Blankwaffen besitzt die Sammlung kostbare Jagd- und Prunkwaffen der Coburger Herzöge, die unter dem Dachgebälk des Herzoginbaus eindrucksvoll aufgebaut sind. Im Erdgeschoss sind herrschaftliche Prunkwagen, darunter zwei reich vergoldete Brautwagen aus dem 16. Jahrhundert und 13 Turnierschlitten des 16. bis 18. Jahrhunderts ausgestellt. Die Ausstellung in den Kellerräumen widmet sich der Entwicklungsgeschichte der europäischen Keramik mit besonderer Berücksichtigung der regionalen Keramiktradition. Zu sehen sind Töpfe und andere Gefäße sowie Bildwerke der Keramikkunst.  

Aus der Gemäldesammlung stammen etliche Werke von Lucas Cranach und seiner Werkstatt. 39 altdeutsche Tafelgemälde, darunter das Frühwerk Albrecht Dürers "Maria mit dem Kind vor einer Landschaft", kommen aus der wertvollen Sammlung Schäfer in Schweinfurt. Einige Hauptwerke der Plastik gehören ebenfalls zu den ausdrucksvollsten der mittelalterlichen Kunst wie etwa ein fränkisch-thüringisches Vesperbild von 1320 oder die so genannte "Goldene Madonna" aus Bamberg, eine der edelsten Schöpfungen aus der Zeit um 1360. Eine der größten und bedeutendsten Kupferstichsammlungen der Welt befindet sich ebenfalls auf der Veste. Nahezu 350 000 Blatt Druckgrafik sowie 5000 Handzeichnungen von der Mitte des 15. Jahrhunderts bis heute umfassen die konservatorisch und wissenschaftlich betreuten Bestände.

Die bedeutende Glassammlung zeigt neben vielen kostbaren Einzelstücken vom ausgehenden 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart einen nahezu lückenlosen Querschnitt durch die Entwicklung der europäischen Glasherstellung. Eines der ältesten und seltensten Gläser ist das Hedwigsglas, möglicherweise eine islamische Arbeit aus dem 10./11. Jahrhundert. Bereits im Mittelalter wurde es wie ein Kleinod geschätzt. Man sagte ihm Segen bringende Eigenschaften nach. Später erhielt es Martin Luther als Geschenk. 

Öffnungszeiten: 1. April bis 31. Oktober dienstags bis sonntags 10 bis 17 Uhr, 1. November bis 31. März dienstags bis sonntags 13 bis 16 Uhr

Coburg | Veste Coburg | Schloss Ehrenburg | Schloss Callenberg / Schloss Rosenau

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