6.11 Scheßlitz

Die Stadt

An der A 70 zwischen Bamberg und Bayreuth liegt am Rand wald- und felsbekränzter Juraberge der Ort Scheßlitz, ein altes fränkisches Landstädtchen. Scheßlitz bildet das östliche Tor zur Fränkischen Schweiz. Die heute etwa 7000 Einwohner zählende Stadt besteht aus über 30 Stadtteilen. Verwaltungsmäßig gehört sie zum Landkreis Bamberg.

Über Scheßlitz erheben sich die Giechburg und die Felskapelle Gügel, eine alte Wallfahrtskirche, als bedeutendste Sehenswürdigkeiten der Stadt. Der Hauptort selbst weist ein geschlossenes Ortsbild mit zahlreichen barocken Stein- und Fachwerkhäusern auf, die Zeugnisse der Förderung durch die Bamberger Fürstbischöfe sind. Besonders erwähnenswert ist das Zunfthaus der Brauer. Mit der Pfarrkirche St. Kilian, der Stadtkapelle St. Marien und der Spitalkirche St. Elisabeth verfügt der Ort auch über sehenswerte Sakralbauten.

Zur Geschichte

Die Anfänge von Scheßlitz gehen auf eine der von Karl dem Großen zur Versorgung der Slawen gegründeten Kirchen zurück. 805 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt. Nach dem Aussterben der Grafen von Schweinfurt 1057 kam er in den Besitz der Andechs-Meranier. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erhielt er die Stadtrechte. 1248 erbten die Truhendinger Grafen das Gebiet, bevor es 1390 an das Hochstift Bamberg verpfändet wurde. Dort verblieb es bis 1802.

Unter den Fürstbischöfen von Bamberg wurde Scheßlitz noch vor 1400 mit einer Stadtbefestigung umgeben, die 1406 nochmals verstärkt wurde. Ihr Verlauf ist heute an den übriggebliebenen Mauerteilen und an der straßenverengenden Bebauung an den Torbereichen ablesbar. Die Stadtbefestigung konnte jedoch nicht verhindern, dass Scheßlitz im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) von den Schweden zerstört wurde. Die Stadttore wurden 1786 und 1812 abgerissen.

Im Zuge der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das Hochstift Bamberg aufgelöst. Für Scheßlitz bedeutete dies die Eingliederung in das Königreich Bayern. Durch die Eingemeindung von über 30 umliegenden Kleinorten im Jahre 1978 entstand das heutige großräumige Stadtgebiet.

Sehenswertes

Giechburg

Gügelkirche St. Pankratius (Wallfahrtskirche)

Etwa eine Viertelstunde Fußweg östlich von der Giechburg entfernt, ragt wie ein Schiff auf einem Felsen die katholische Filial- und Wallfahrtskirche St. Pankratius empor. Nach der Erhebung, auf der sie steht, wird sie auch einfach Gügelkirche genannt. Mit ihrer reichen Innenausstattung, ihrer malerischen Lage und dem wunderschönen Ausblick ist sie ein lohnenswertes Ausflugsziel.

Ursprünglich stand auf dem Gügel eine 1384 erstmals erwähnte Burg mit einer Kapelle. Letztere hatte ihren Standort wahrscheinlich im Bereich der heutigen Sakristei. Die Geschichte des Gügels ist eng mit der benachbarten Giechburg und der Stadt Scheßlitz verbunden. Während des Hussitenkrieges 1430 erlitt die Burg das gleiche Schicksal wie die Giechburg. Nach ihrer Zerstörung verfiel sie. Der Bamberger Fürstbischof Anton von Rotenhan (1431 bis 1459) ließ sie daraufhin abreißen und weiter nördlich ein Gotteshaus errichten.  

Im Bauernkrieg 1525 wurde der Gügel erneut von schwerer Zerstörung heimgesucht. Die Pankratiuskapelle wurde von Bauernhorden niedergebrannt. Unter Fürstbischof Johann Gottfried von Aschhausen wurde sie zwischen 1610 und 1618 jedoch wiederaufgebaut, wobei sie ihr heutiges nachgotisches Aussehen erhielt. Allmählich entwickelte sie sich zu einem Wallfahrtsziel des Bamberger Umlands.

Die Gügelkirche präsentiert sich als tonnengewölbtes Langhaus mit dreiseitig geschlossenem, netzgewölbtem Chor über einem halbrunden Unterbau mit tonnengewölbter Kapelle, einem westlichen Fassadeneingangsturm sowie einer südlich angebauten Sakristei. Das Innere des Gotteshauses erreicht man durch die Turmpforte und eine gewölbte Eingangshalle.

Für die hohe Qualität der Ausstattung der Gügelkirche stehen unter anderem der Hochaltar, ein für die Gegend seltenes Werk der Spätrenaissance, die Kanzel mit dem hl. Georg aus dem Bamberger Dom und der gotische Christus eines unbekannten Meisters. Hinter dem Akanthusschnitzwerk des Orgelgehäuses verbergen sich beträchtliche Teile eines barocken Orgelwerkes, weshalb der Gügel auch regelmäßig ein Ort festlicher Orgelmusik ist.  

Von der Sakristei führen Stufen hinab zur halben Höhe des Choranbaus, wo sich das Heilige Grab befindet. Von dort geht es über eine in Fels gehauene Treppe weiter bergab zu einer Lourdesgrotte, die 1891 errichtet wurde.

Pfarrkirche St. Kilian

Die katholische Pfarrkirche St. Kilian wurde in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts anstelle eines Vorgängerbaus errichtet, von dem noch die unteren Turmgeschosse aus der Zeit um 1300 erhalten sind. 1571 wurde der Kirchturm auf seine heutige Höhe aufgestockt. Das Langhaus wurde 1624 eingewölbt. In die stattliche Anlage wurde eine ältere Friedhofskapelle einbezogen, die heute als Beichtkapelle dient.

Die Kilianskirche verfügt über eine reiche Ausstattung. Das Altarblatt des Hochaltars von 1787 zeigt das Martyrium des Kirchenpatrons. Die Seitenaltäre und der Altar der Beichtkapelle sind etwas älter und stammen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Beachtung verdienen auch die vorzügliche Kanzel von 1780, der Aufbau mit einer Darstellung der Taufe Christi hinter dem Taufstein, der Kreuzweg aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, zahlreiche Barockfiguren sowie mehrere Grabdenkmäler. Besonders hervorzuheben ist das Epitaph eines Grafen von Truhendingen mit dem Bild des Verstorbenen und seiner Gattin im Chor. An der Außenseite der Kirche sind ein Kruzifix aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, ein thronender Christus aus der Mitte des 14. Jahrhunderts sowie ein Ölberg in der offenen Kapelle angebracht.

Spital und Spitalkirche St. Elisabeth

Im Jahre 1395, also fünf Jahre, nachdem das Hochstift Bamberg die Besitzungen der Grafen von Truhendingen erworben hatte, stiftete Fürstbischof Lambert von Brunn ein Spital zur Aufnahme und Betreuung Hilfsbedürftiger und Kranker. Diese Stiftung stattete er mit eigenem und kirchlichem Vermögen aus. Der genaue Standort der damaligen Spitalgebäude ist nicht mehr bekannt. Aus der Stiftungsurkunde geht lediglich hervor, dass sie sich außerhalb der Stadtmauer befanden. Nachdem sie baufällig geworden und abgerissen worden waren, wurde an anderer Stelle zwischen 1740 und 1773 ein neuer Spitalkomplex errichtet.

Im Zuge der Säkularisation kam das Spital St. Elisabeth 1803 in staatliche Hände. 1963 wurde die Stadt Scheßlitz Eigentümer. Sie ließ zwischen 1965 und 1970 das Spital zusammen mit der Spitalkirche eine notwendig gewordene Sanierung durchführen, so dass die Gebäude noch heute als Seniorenzentrum genutzt werden können. Das Hauptgebäude wird durch einen giebelbekrönten Eingangsbereich bestimmt. Besonders fällt das große Relief über dem Eingang ins Auge, das das Hochstift Bamberg als Bauherrn ausweist.

Die katholische Spitalkirche St. Elisabeth wurde zwischen 1765 und 1769 erbaut. Der weite Raum des Gotteshauses wird von einem dreiseitigen Chor abgeschlossen. Besonders sehenswert ist der plastische Fassadenschmuck. Er stammt von demselben Künstler, der auch für die reiche Ausstattung gesorgt hat. Ältere Ausstattungsstücke sind eine Schmerzhafte Muttergottes aus der Zeit um 1500 und der als Kupferstich gestaltete Kreuzweg von 1664.

Burgenstraße

 

 

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Burgenstraße

1 Mannheim – Neckarzimmern

2 Haßmersheim – Heilbronn

3 Jagsthausen – Rothenburg o. d. Tauber

4 Colmberg – Nürnberg

5 Erlangen – Heiligenstadt

6 Bamberg – Bayreuth

6.01 Bamberg
6.02 Bamberger Dom
6.03 Alte Hofhaltung
6.04 Neue Residenz
6.05 Klosterkirche und Benediktinerabtei St. Michael
6.06 Karmeliterkloster und Kirche St. Theodor
6.07 Stadtkirche St. Martin
6.08 Liebfrauenkirche
6.09 Kirchen St. Jakob,
St. Gangolf und St. Stephan

6.10 Profanbauten und Museen in Bamberg

6.11 Scheßlitz
6.12 Giechburg

6.13 Lichtenfels
6.14 Kloster Banz
6.15 Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen

6.16 Schloss Hohenstein

6.17 Coburg
6.18 Veste Coburg
6.19 Schloss Ehrenburg
6.20 Schloss Callenberg
Schloss Rosenau

6.21 Kronach
6.22 Festung Rosenberg

6.23 Burg Lauenstein

6.24 Küps
6.25 Schlösser in Küps

6.26 Kulmbach
6.27 Plassenburg

6.28 Bayreuth
6.29 Altes und Neues Schloss
6.30 Markgräfliches Opernhaus,
Festspielhaus
6.31 Kirchen in Bayreuth
6.32 Museen in Bayreuth
6.33 Eremitage

7 Cheb – Prag

 

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