6.06 Karmeliterkloster und Kirche St. Theodor in Bamberg

Karmelitenkloster und Kirche St. Theodor

Das Karmelitenkloster St. Theodor am Kaulberg zählt zu den ältesten und größten Klöstern, die der Karmelitenorden weltweit besitzt. Noch heute ist es Heimat für rund 25 Patres und Brüder. Mittelpunkt der imposanten Anlage und des geistlichen Lebens ist die St. Maria und St. Theodor geweihte Klosterkirche.

Zur Geschichte

Der Karmelitenorden ist seit 1273 in Bamberg ansässig. Das Kloster befand sich zunächst jedoch an einer anderen Stelle, in der Au. Das Kloster St. Theodor am Kaulberg hatte seine Anfänge in einem vor 1139 gestifteten Spital des Domkapitels, das 1157 der Witwe des Pfalzgrafen Hermann von Höchstadt-Stahleck und Schwester König Konrads III. zur Ansiedlung von Zisterzienserinnen aus Wechterswinkel überlassen wurde. Schon bald wurde eine romanische dreischiffige Pfeilerbasilika als Klosterkirche errichtet. Bis zu Beginn des 13. Jahrhunderts war der Bau vollendet. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde der Kreuzgang neu erbaut.

Die Klosterfrauen lebten zunächst nach der Regel des hl. Bernhard. Im Spätmittelalter galten jedoch die Regeln des hl. Benedikt. Bereits 1554 wurde das Frauenkloster aufgehoben. So konnten 1589 die Karmelitenmönche nach St. Theodor übersiedeln, wobei sie im Gegenzug die bisherige Klosteranlage dem bischöflichen Priesterseminar überließen. Da das Kloster St. Theodor 35 Jahre leer gestanden hatte, befanden sich die Gebäude in schlechtem Zustand. Nur mit finanzieller Unterstützung durch den Bischof von Bamberg konnte der Karmelitenorden eine Restaurierung durchführen lassen. 1592 und 1593 wurde der Bibliothekstrakt errichtet.

Im 17. Jahrhundert wurde das Karmelitenkloster in Bamberg von der Reformbewegung erfasst. Sie trat nach außen durch ein stärker mönchiches Auftreten der Klosterinsassen in Erscheinung. Ein neu eingerichtetes Noviziat sorgte für Ordensnachwuchs. Auch in baulicher Hinsicht wirkte sich die Reform aus. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde unter Verwendung mittelalterlicher Bausubstanz mit dem Neubau der alten Zisterzienserinnenkirche begonnen. Dabei erhielt die Stadtseite (Ostseite) eine neue Fassade und einen neuen Eingang, um den Bambergern den Eintritt in die Kirche zu erleichtern. Der Chor wurde nach Westen verlegt. Mit der Einweihung 1716 fand die Barockisierung des Gotteshauses ihren Abschluss.

Im 18. Jahrhundert folgte eine umfassende Umgestaltung der Konventsgebäude in barocken Formen. Im Zuge dieser Maßnahmen wurde der Westflügel neu errichtet. Die Säkularisation bedeutete 1803 für rund 100 Jahre das Ende des Klosterlebens auf dem Kaulberg. Die klösterlichen Besitzungen wurden versteigert und die Einrichtungsgegenstände der Theodorkirche auf andere Gotteshäuser in Bamberg verteilt. Die Gebäude dienten fortan verschiedenen profanen Zwecken. Sie wurden unter anderem als Lazarett, Schulhaus, Kaserne und Turnhalle genutzt. Die Wiederbesiedlung des Klosters durch die Karmeliten im Jahre 1902 wurde mit einer feierlichen Prozession von der Pfarrkirche Zu Unserer Lieben Frau aus begangen, die die Bamberger auch schlicht Obere Pfarre nennen.

Der Kirchenbau

Seit der Umgestaltung der Kirche St. Theodor zu einer Barockkirche, ist der Chor nach Westen ausgerichtet, so dass die Westtürme heute in ihrer Eigenschaft als Chortürme in Erscheinung treten. Die Schauseite und der Eingangsbereich befinden sich auf der östlichen Seite. Deutlich erkennbar sind noch Teile des ehemaligen romanischen Gotteshauses. Hierzu zählen die Westfassade, ein Teil der Seitenschiffsaußenmauern und innen als Untergeschoss Teile des Westbaus sowie Pfeiler und Vorlagen an der Grenze zwischen Langhaus und Chor. Das große zugemauerte Westportal stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist das älteste Kirchenportal in Bamberg. Im Südturm ist noch der romanische Zugang zur Nonnenempore erhalten. Die oberen Geschosse des Turms sind Zeugnisse des 14. Jahrhunderts.

Die Ostfassade zieren Figuren von Johann Kaspar Metzner aus dem frühen 18. Jahrhundert. Das Mittelschiff wird von einem Kreuzgratgewölbe überspannt. Die Langhausjoche dienen als Kapellen. Der Chorraum ist zweigeschossig, wobei das obere Geschoss vom Chor eingenommen wird und im unteren Geschoss sich die Sakristei und Nebenräume befinden. Die originalen Ausstattungsstücke der Theodorkirche gingen nach der Aufhebung des Klosters weitgehend verloren. Lediglich der Josephsaltar und die Kanzel konnten bei der Wiederbesiedlung zurückgeführt werden. Die übrigen Ausstattungsstücke stammen aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts und sind zum Teil Neuschöpfungen nach altem Vorbild. Das Altarblatt mit dem hl. Martin ist der ehemaligen Stiftskirche St. Gangolf entnommen.

Kreuzgang und Klostergebäude

Der einzigartige Kreuzgang des Klosters St. Theodor wurde in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtet, erfuhr aber mehrfach Veränderungen. Der Süd- und Westflügel erlebte die stärksten Eingriffe in der Zeit, als das Kloster profanen Zwecken diente. Daher ist heute der ursprüngliche Wechsel von Doppel- und Einzelsäulen nur noch im Ostflügel erhalten. An den Kapitellen sind spätmittelalterliche Tier- und Mischwesen aus der Fabelwelt zu sehen. Darstellungen des christlichen Themenkreises findet man dagegen selten. Unter dem Nordflügel des Kreuzganges verläuft ein kreuzrippengewölbter Gang, der wahrscheinlich den ehemaligen Zugang zur Klausur darstellt.

Im Obergeschoss des Südflügels ist die Klosterbibliothek untergebracht. Den Raum zieren figürliche Stuckdecken von 1675 und ein überarbeitetes Deckengemälde aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Im Giebel des Westflügels erkennt man das Wappen Fürstbischof Friedrich Karls von Schönborn.

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