2.22 Möckmühl an der Jagst
Wanderwege

Der Ort

Etwas abgelegen von der eigentlichen Burgenstraße liegt Möckmühl am Zusammenfluss von Seckach und Jagst. Man erreicht die Stadt, wenn man von Heilbronn auf der A 81 in nördliche Richtung fährt. Zusammen mit den Ortsteilen Bittelbronn, Korb, Ruchsen und Züttlingen zählt Möckmühl etwa 8300 Einwohner. Verwaltungsmäßig gehört die Gemeinde zum Kreis Heilbronn

Das Stadtbild von Möckmühl wird geprägt von der ehemaligen Götzenburg mit seinem mittelalterlichen Bergfried. Die schönen Gassen des Stadtkerns zieren prächtige Fachwerkhäuser, umgeben von einer wieder hergestellten Ringmauer mit ihren Türmen. An Sakralbauten gibt es die Pfarrkirche St. Bonifatius und die Friedhofskapelle. 

In den Mauern der Stadt waltete einst "der Ritter mit der eisernen Faust", Götz von Berlichingen, als Amtmann des Herzogs Ulrich von Württemberg bis zu seiner Gefangennahme 1519 durch den Schwäbischen Bund. Auch Friedrich Schillers Schwester weilte hier als Frau des Pfarrers Gottlieb Franckh. 

Zur Geschichte

Bodenfunde sowie die Existenz mehrerer Hügelgräber auf der Gemarkung Möckmühl belegen eine frühgeschichtliche Besiedlung im Mündungsbereich der Seckach in die Jagst. Im Zuge des Limesausbaus in der Region unter Kaiser Hadrian (138 bis 161 n. Chr.) wurden römische Kastelle angelegt, um die auch zivile Siedlungen entstanden. Auch in Möckmühl konnte eine römische Villa nachgewiesen werden. Bereits um 260 n. Chr. wurden die Römer von den Alemannen vertrieben, die ihrerseits um 500 von den Franken abgelöst wurden.

Die ältesten schriftlichen Erwähnungen von Möckmühl finden sich in Urkunden des Klosters Fulda aus dem 8. Jahrhundert. Die dabei verwendeten Bezeichnungen wie "Meitamulen" oder "Mechitamulin" deuten auf das Vorhandensein einer Mühle hin. Der Sage nach soll die Mühle im Besitz einer fränkischen Fürstin namens Mechita gewesen sein, die dem Ort seinen Namen gegeben haben soll. 

Die erste Herrschaft über Möckmühl übten die Herren von Lauffen aus. Sie errichteten über dem Ort eine Burg, über deren Gründung keine zuverlässigen Daten vorhanden sind. Unter den Herren von Dürn, denen die Herren von Lauffen Möckmühl zuvor vererbt hatten, wurde das bisherige Dorf Mitte des 13. Jahrhunderts zur Stadt erhoben. Mit den Herren von Dürn hatten sich die Herren von Hohenlohe verschwägert, und so kam Möckmühl vor 1287 an diese. 1293 wurde erstmals eine Stadtmauer erwähnt, die aber vermutlich schon wesentlich früher errichtet worden war. 1339 stifteten die Herren von Hohenlohe in Möckmühl ein Chorherrenstift mit Lateinschule, dessen Kirche zwar 1642 durch die Franzosen zerstört wurde, dessen Propstei und Wohngebäude der Stiftsherren noch heute erhalten sind. 1445 ging durch den Verkauf an die Kurpfalz die hohenlohische Herrschaft in Möckmühl nach fast 200 Jahren zu Ende. Kurfürst Friedrich I. ließ eine neue Stadtmauer anlegen und verlieh Möckmühl das Recht, einen Wochenmarkt abzuhalten.

Hatte Möckmühl, ob durch Erbschaft oder Verkauf, bisher immer auf friedliche Weise den Besitzer gewechselt, so änderte sich dies im Jahre 1504. Nach sechstägiger Belagerung konnte Herzog Ulrich von Württemberg Möckmühl erobern und zu einem württembergischen Amt machen. Er sah sich aber aufgrund seiner Schulden gezwungen, Stadt und Amt an das Bistum Würzburg zu verpfänden. 1517 wurde der berühmte "Ritter mit der eisernen Faust" württembergischer Amtmann in Möckmühl. Zwei Jahre später wurde über Ulrich von Württemberg vom Kaiser die Reichsacht verhängt. Anlass hierfür war der Überfall auf die freie Reichsstadt Reutlingen. Trotz energischen Widerstands durch Götz von Berlichingen, der sich fest auf der Burg verschanzt hatte, gelang es dem Schwäbischen Bund mit Unterstützung des Bundesheeres am 11. Mai 1519 die Burg einzunehmen und den Burgherrn gefangen zu nehmen. Götz von Berlichingen blieb nur dreieinhalb Jahre Gefangener. Bereits 1525 im Bauernkrieg trat er wieder in der Nähe von Möckmühl auf. Im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) wurde die Stadt schwer mitgenommen. Die Bevölkerungszahl sank auf unter 50%. 

1808 verlor Möckmühl den Status einer Amtsstadt. In den 1820er Jahren wurden die Stadttore mit ihren Tortürmen abgerissen. Im Zweiten Weltkrieg blieb Möckmühl von Luftangriffen verschont. 1971 wurde Korb als erster Stadtteil eingemeindet. 1972 folgten die Orte Bittelbronn und Ruchsen und 1975 Züttlingen.

Sehenswertes

Schloss Möckmühl

Von der mittelalterlichen Burg bei Möckmühl sind nur noch der 28 Meter hohe Bergfried, nach Götz von Berlichingen auch Götzenturm genannt, sowie die unterirdischen Wehrgänge und Kasematten, die über Wendeltreppen in den runden Ecktürmen erschlossen sind, erhalten. Die Anlage ist in die zum Teil noch gut erhaltene Stadtbefestigung integriert. Zum Berg hin trennt sie ein mächtiger Graben mit hohen, in einigen Teilen noch erhaltenen Zwingmauern. 

Nachdem die Burg ihre Funktion als Wehranlage verloren hatte, diente sie bis 1901 als Armenhaus. Dieses wurde 1902 als Schloss des Generals Gustav Hermann von Alvensleben und seiner Gemahlin Gabriele, geborene von Berlichingen, im Stil der Neurenaissance neu erbaut. Eine Innenbesichtigung ist nicht möglich. 

Stadtmauer

Die Altstadt von Möckmühl ist mit einer 7,80 m hohen Ringmauer umgeben, die von einem durchlaufenden Bogenfries geschmückt wird. Nach ihrer Restaurierung präsentiert sie sich als markanter Zeuge der Stadtgeschichte. Die Türme sind zum Teil mit einem Wehrgang verbunden. Von den ehemals fünf Stadttoren, die allesamt abgerissen worden waren, wurde lediglich das Ruchsener Tor wieder hergestellt. Der Platz vor dem Ruchsener Tor dient im Sommer als Freilichtbühne für Theateraufführungen.

Rathaus

Das Rathaus im Zentrum von Möckmühl zwischen dem unteren Marktplatz, dem ehemaligen Friedhof und dem oberen Marktplatz wurde 1589 erbaut. Noch heute ist das historische Gebäude Sitz der Stadtverwaltung. Die eigentliche Vorderfront des stattlichen Hauses ist dem unteren Marktplatz zugekehrt. Auf einem gewaltigen Balken ist eine Inschrift zu lesen, der das Baujahr und die Funktion des Gebäudes entnommen werden kann. Über dem Eingang prangt eine qualitätsvolle Renaissancetafel. Die Tafel wird von zwei weiblichen Gestalten gehalten. Über der Inschriftplatte sind drei Wappen angebracht, darunter das württembergische Herzogswappen und das berlichingensche Familienwappen. Neben dem Eingang ragt noch der alte Prangerstein hervor. Bei der Restaurierung des Rathauses wurden Gegenstände der Römerzeit aus dem 2. und 3. Jahrhundert gefunden. 

Pfarrkirche St. Bonifatius

Bereits 815 wurde erstmals in Möckmühl eine St. Bonifatius geweihte Kirche erwähnt. Dieses frühromanische Gotteshaus wurde um 1300 neu erbaut und 1513 spätgotisch erneuert. Die spätgotische Kirche mit ihrem berühmten spitzen Turm wurde 1898 ein Raub der Flammen. Von ihr ist außer den beiden unteren Stockwerken des Turms und dem Chor, an dessen Kreuzgewölbe die Symbole der vier Evangelisten angebracht sind, nichts mehr erhalten. 1899 wurde die heutige Pfarrkirche in neugotischem Stil erbaut und 1900 eingeweiht. Ihr Turm ist 56 Meter hoch. Im Innern befindet sich das ehemalige Sakramentshäuschen der Friedhofskapelle. 

Heimatmuseum

Ein wunderschönes Fachwerkhaus bildet seit 1988 die Herberge für das Möckmühler Heimatmuseum. Inhaltlich befasst sich das Museum mit den Bereichen Geologie, örtliche und regionale Frühgeschichte sowie dem Leben in Möckmühl vom 18. bis zum 20. Jahrhundert. Untergliedert ist die Ausstellung in die Abteilungen Schule, Handwerk, Landwirtschaft, Haushalt, Tracht, Textilien und Brauchtum. Das Heimatmuseum kann nach Vereinbarung besichtigt werden. 

Freizeitangebote

Möckmühl ist Ausgangspunkt zahlreicher Wanderwege, die an Möckmühls Stadtteilen vorbei führen, in denen sehenswerte alte Kirchen oder Adelssitze zur Besichtigung einladen. Die romantische Beschaulichkeit der idyllischen Täler und ausgedehnten Wälder gibt dem Wanderer einen Einblick in die Seele dieser reizvollen Landschaft. 

Von Möckmühl aus lassen sich auch schöne Fahrradtouren und Radwanderungen unternehmen. So gibt es beispielsweise seit 1999 einen herrlich gelegenen Fahrradweg zwischen Möckmühl und Widdern. Er führt entlang der Jagst vorbei an Wiesen, dem Ruchsener Stauwehr und durch Wald. Dieser Radweg gehört zum Jagsttal-Radweg "Ritterliches Jagsttal". 

Wasserratten kommen im Hallenbad Möckmühl auf ihre Kosten. Das öffentliche Schwimmbad verfügt über ein 25-Meter-Becken mit 3-Meter- und 1-Meter-Sprungturm. Sportbegeisterte finden in Möckmühl außerdem eine Tennishalle, mehrere Tennisplätze, einen Beachvolleyballplatz und eine Reitanlage im Stadtteil Züttlingen vor. Im Stadtteil Korb gibt es einen kleinen Flugplatz für Segelflugzeuge und Motorsegler. Gäste können nach Absprache an einem Flug teilnehmen.

Der Platz vor dem Ruchsener Tor verwandelt sich jährlich im Juni und im Juli zu einer Freilichtbühne, auf der Laienschauspieler der Jagsttalbühne Möckmühl verschiedene Theaterstücke aufführen. Die dafür aufgebaute Tribüne bietet etwa 400 Zuschauern Platz. Die inzwischen zu einer festen Einrichtung gewordenen Theateraufführungen erfreuen sich mit ca. 30 000 Besuchern jährlich einer großen Beliebtheit. 

Burgenstraße

 

 

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Burgenstraße

1 Mannheim – Neckarzimmern

2 Haßmersheim – Heilbronn

2.01 Haßmersheim
2.02 Burg Guttenberg

2.03 Gundelsheim – Deutschordensstadt
2.04 Schloss Horneck

2.05 Bad Rappenau
2.06 Bad Rappenau – Kuranlagen
2.07 Heinsheim – Burgruine Ehrenberg – Schloss Heinsheim

2.08 Offenau

2.09 Bad Wimpfen
2.10 Wimpfen im Tal
2.11 Wimpfen am Berg
2.12 Ehemalige Kaiserpfalz

2.13 Bad Friedrichshall
2.14 Kochendorf – Greckenschloss
2.15 Wasserschloss Lehen
2.16 Hagenbach
2.17 Schloss Heuchlingen
2.18 Jagstfeld
2.19 Duttenberg – Burg Duttenberg
2.20 Untergriesheim

2.21 Oedheim

2.22 Möckmühl

2.23 Neckarsulm

2.24 Heilbronn
2.25 Kiliansplatz, Kilianskirche, Rathaus, Käthchenhaus
2.26 Weitere Sehenswürdigkeiten in Heilbronn

3 Jagsthausen – Rothenburg o. d. Tauber

4 Colmberg – Nürnberg

5 Erlangen – Heiligenstadt

6 Bamberg – Bayreuth

7 Cheb – Prag

 

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Stand: Thursday, 31. March 2016 - URL dieser Seite: http://burgen.strasse-online.de/2-hassmersheim-heilbronn/2-22-moeckmuehl/index.html