2.14 Kochendorf, Stadtteil von Bad Friedrichshall an Neckar, Jagst und Kocher
Kurort Schloss Lehen Kochendorf
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Der Stadtteil

Kochendorf ist mit knapp 7500 Einwohnern der größte und zugleich der historisch bedeutendste Stadtteil von Bad Friedrichshall. Der Ort liegt südlich des Kochers. Das Wohngebiet befindet sich östlich der Neckartal-Bahnlinie. Die Gebäude westlich der Bahnlinie sind Einrichtungen des Salzbergwerkes, darunter einige schöne Wohnhäuser im Jugendstil. Im Zentrum des Stadtteils Kochendorf prangt das Alte Rathaus aus dem Jahre 1597, eines der ältesten und schönsten Fachwerkrathäuser im süddeutschen Raum. Eisenbahn-Freunden dürfte es bekannt vorkommen, da es dieses Gebäude schon viele Jahre als Modell für die Modell-Eisenbahn gibt. Neben dem Fachwerkrathaus prägen drei Schlossbauten und die hochgelegene evangelische Pfarrkirche St. Sebastian das Ortsbild. Die katholische Dreifaltigkeitskirche ist ein kleiner Bau aus den 1950er Jahren. 

Zur Geschichte

Kochendorf wurde wahrscheinlich im 8. Jahrhundert als spätfränkische Siedlung gegründet. Erstmals erwähnt wurde der Ort vor 817 in einer Urkunde des Klosters Fulda. Er entwickelte sich um einen fränkischen Herrenhof, aus dem später das Wasserschloss Lehen hervorging. 

Kurz nach der Gründung der Kaiserpfalz in Bad Wimpfen, also zu Beginn des 13. Jahrhunderts, wurde zur Sicherung und zur Gewährleistung der Versorgung der Pfalz von den Herren von Kochendorf eine Burg errichtet, die jedoch bald schon wieder zur Ruine wurde. Die Herren von Kochendorf standen als Ministerialen (ritterliche Dienstmannen) im Dienst des Kaisers. Der erste namentlich bekannte dieses Geschlechts war Wilhelm von Wimpfen (1222 bis 1257). 1222 wurde er erstmals in einer Urkunde erwähnt. Er war wahrscheinlich auch der Erbauer der Zwingenburg bei Zwingenberg und Eberbach. Letzter Vertreter der Herren von Kochendorf war der geistliche Bruder Johann von Kochendorf, mit dem das Geschlecht 1450 ausstarb.

Neben den Herren von Kochendorf waren auch die Grecken als Adlige in Kochendorf vertreten, vermutlich seit dem Ende des 13. Jahrhunderts. Als Ahnherr dieses Geschlechts wird Siegfried Greck von Kochendorf angesehen, der 1315, etwa ein Jahr vor seinem Tod, erstmals genannt wurde. Die Grecken hatten seit 1386 neben anderen Adligen die Fährrechte in Kochendorf. Im 15. Jahrhundert erhielten sie das Burglehen. Die 1294 erstmals erwähnte Lehensburg, eine Wasserburg, war aus dem ehemaligen fränkischen Herrenhof hervorgegangen. Erster Lehensmann war Kraft Greck († um 1480). 1553 wurde die Wasserburg unter Wolf Conrad Greck I. als Renaissanceschloss (Schloss Lehen) neu erbaut. Dieses ging als Erbe an dessen ältesten Sohn Johann Philipp über. Sein Bruder Wolf Conrad Greck II. wollte als Mitherr von Kochendorf ebenfalls in einem repräsentativen Gebäude residieren. Er ließ daher um 1600 auf dem Lindenberg das so genannte Greckenschloss errichten. Das Burglehen hatten die Grecken von Kochendorf über acht Generationen inne, bis das Geschlecht mit dem Tode von Wolf Conrad Greck V. im Jahre 1749 erlosch. Das Reichslehen wurde eingezogen und an andere Vasallen vergeben.

Als die Grecken von Kochendorf sich im Jahre 1670 aufgrund ihrer miserablen finanziellen Lage gezwungen sahen, einen Teil ihrer Besitztümer zu veräußern, wurden die Freiherren von Saint-André für rund 100 Jahre Mitdorfherren in Kochendorf. Gründer der deutschen Linie war Daniel Rollin de Saint-André (1602 bis 1661). Friedrich Magnus von Saint-André ließ 1710 das so genannte André'sche Schlösschen erbauen. 

1806 kam Kochendorf zusammen mit den Dörfern Jagstfeld, Hagenbach, Untergriesheim und Duttenberg zum Königreich Württemberg. Seit der erfolgreichen Salzbohrung im Jahre 1816 in Jagstfeld, vor allem aber seit dem Bau eines Salzbergwerkes in Kochendorf Ende des 19. Jahrhunderts bestimmten hauptsächlich Sole und Salz die ökonomische Entwicklung von Kochendorf. 

1933 wurden die Gemeinden Kochendorf und Jagstfeld als Bad Friedrichshall zu einem Ort zusammengeschlossen. 1935 schloss sich auch Hagenbach dem neuen Gebilde an, das 1951 zur Stadt erhoben wurde. In den 1970er Jahren kamen Duttenberg und Untergriesheim als neue Stadtteile hinzu. 

Sehenswertes

Wasserschloss Lehen

Greckenschloss

Das Bergschloss auf dem Lindenberg, einem weithin sichtbar über Kochendorf gelegenen, vom Kocher flankierten Höhenzug, wirkt sehr stattlich. Es wird Oberes Schloss und nach seinen ehemaligen Besitzern auch Greckenschloss genannt.

Errichtet wurde das Greckenschloss durch Wolf Conrad Greck II. von Kochendorf zwischen 1599 und 1602. Vermutlich stand an seiner Stelle eine im Bauernkrieg (1525) zerstörte Höhenburg. Das Greckenschloss ereilte im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) das gleiche Schicksal, konnte jedoch bis 1661 wiederhergestellt werden. Für den Bau der massiven Anlage wurden zahlreiche Arbeitskräfte aus Kochendorf abkommandiert. Nach dem Aussterben des Geschlechts der Grecken ging das Greckenschloss 1762 in das Eigentum des Ritterkontors Odenwald über. 1806 wurde es württembergisch. 1914 erwarb die Gemeinde Kochendorf das Anwesen. Die im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigten Außenmauern, Dächer, Wirtschafts- und Torgebäude wurden bis 1950 restauriert. Heute dient das Greckenschloss zu Wohnzwecken.

Das mächtige Greckenschloss ist ein Repräsentant für jene Herrschaftshäuser, die einem anspruchsvollen und feudalen Leben des niederen Adels in der damaligen Zeit gerecht wurden. Zwischen den beiden im Winkel angelegten, zweigeschossigen Flügeln mit hohem Walmdach tritt ein polygonaler Treppenturm hervor. Einen schönen Anblick bieten die beiden geschwungenen, obeliskenverzierte Renaissancegiebel. West- und Südflügel umschließen zwei Höfe. Gegen Osten trennt ein Graben das Schloss vom Lindenberg ab. Er diente zur Verteidigung gegen feindliche Angriffe. Jenseits des Grabens befand sich früher ein Turnierplatz, auf dem ritterliche Wettkämpfe ausgetragen wurden. 

André'sches Schlösschen

Nur einen Steinwurf vom Alten Rathaus entfernt befindet sich das André'sche Schlösschen. Es wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts von Friedrich Magnus von Saint-André gegenüber dem Wasserschloss Lehen erbaut und 1710 fertiggestellt. Darauf verweisen Inschrift und Jahreszahl über der Eingangstür. Zuvor stand an jener Stelle das Unterschloss, das kaum ein Jahrhundert früher Walther Greck von Kochendorf mit seiner Familie bewohnt hatte. 

Das Schmückstück des André'schen Schlösschens ist das Portal, das über eine Freitreppe erreicht wird. Der von klassischen Säulen getragene Giebel über der hölzernen Eingangstür ist nach oben offen. Dort ist das Allianzwappen des Erbauers und seiner Gattin Saint-André/Weiler angebracht. Das André'sche Wappen zeigt im linken Feld einen Anker mit geharnischtem Arm. Im rechten Feld erkennt man einen aufgerichteten Löwen.

Sebastianskirche

Unterhalb des Greckenschlosses erhebt sich die evangelische Pfarrkirche St. Sebastian. Von der im Jahre 1274 erstmals erwähnten Wehrkirche sind noch einige Bauelemente erhalten, wie z. B. der romanische Ostturm, Rundbogenfenster und Säulen mit Würfelkapitellen. Mehrere Umbauten und Erweiterungen im Laufe der Jahrhunderte haben jedoch das ursprüngliche Aussehen stark verändert. Mit der Einführung der Reformation in Kochendorf durch Wolf Conrad Greck I. im Jahre 1549, wurde die Kirche evangelisch. Die durch Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg angerichteten äußeren Schäden konnten in der Nachkriegszeit beseitigt werden. Vom Inventar ging jedoch einiges verloren. Dennoch sind im Innern der Kirche heute noch unter anderem einige Renaissance-Grabmäler der Grecken von Kochendorf und der Herren von Gemmingen zu sehen. Den Chor schmücken schmücken ein Sakramentshäuschen sowie spätgotische Fresken und Renaissance-Malereien. 

Steinsalzbergwerk

Eine Schachteinfahrt in das Salzbergwerk Kochendorf ist ein besonderes Erlebnis, ein Ausflug in die Erdgeschichte in 180 Meter Tiefe. Unabhängig von der oberirdischen Wetterlage herrscht hier immer eine Temperatur von 18 bis 20° C. Unter Tage befinden sich Strecken von insgesamt 100 Kilometer Gesamtlänge.

Auf einem gut ausgebauten Rundweg mit 8 Stationen wird der Besucher informiert über die Entstehung des Salzlagers, den Bergbau und die Welt der Bergleute, das Salz und seine vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. An der Station 4, der Technik-Ausstellung, kann man sich Salzkristalle auslesen und als Andenken mitnehmen. Ein beeindruckendes Werk ist der 25 Meter hohe Kuppelsaal mit Rutschbahn und monumentalen Reliefgruppen. 

Im Salzbergwerk gibt es seit 1999 auch eine Gedenkstätte zum ehemaligen Konzentrationslager Kochendorf. Es soll an die Lagerhäftlinge erinnern, die im Bergwerk an Projekten für die Rüstungsindustrie arbeiten mussten. 

Öffnungszeiten: 1. Mai bis Ende Oktober, samstags, sonn- und feiertags 9.30 bis 16 Uhr und mittwochs 14 bis 16 Uhr. Führungen sind bei rechtzeitiger Voranmeldung möglich.

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Burgenstraße

 

 

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6 Bamberg – Bayreuth

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