2.03 Gundelsheim am Neckar, Deutschordensstadt
Siebenbürgen Siebenbürger Sachsen Siebenbürgisches Museum Sitten Gebräuche Burg Schloss Horneck Schloß Wappen Fachwerk Skizze Mittelalter Geschichte Jahrhundert Eroberungen, Goldener Freibrief, Bad Wimpfen

Die Stadt

Die Stadt Gundelsheim liegt landschaftlich reizvoll am unteren Neckar gegenüber der Burg Guttenberg. Mit den Stadtteilen Böttingen, Tiefenbach, Bachenau, Obergriesheim, Höchstberg und Bernbrunn zählt sie insgesamt rund 7500 Einwohner. Verwaltungsmäßig gehört sie zum Landkreis Heilbronn. Die Entfernung zur Kreisstadt Heilbronn beträgt etwa 20 km. Nach Mosbach sind es ca. 13 km. Schiffe, die zwischen Heilbronn und Heidelberg verkehren, müssen bei Gundelsheim durch die Neckarstaustufe mit Schleuse.

Oberhalb von Gundelsheim beherrscht das stolz aufragende Schloss Horneck das Landschaftsbild. Unterhalb des Schlosses liegt der Zwinger mit seinen Wehrmauern und zahlreichen Wehrtürmen. An die Wehrmauer fügt sich nach rechts die Stadtbefestigung an, von der jedoch nur noch ein kleiner Teil erhalten ist.

Das Stadtbild wird im Zentrum geprägt durch Fachwerkhäuser, Türmchen, Mauern, Brunnen und Kirchen. Bei einem Bummel durch die Altstadt findet der Besucher überall Spuren der Deutschmeister, so etwa die Stadtkirche aus dem 15. Jahrhundert, das prächtige Renaissancegebäude der Apotheke, die früher ein Spitalgebäude des Ordens war, das ehemalige Rathaus und viele andere schön hergerichtete Fachwerkhäuser.

Umgeben ist Gundelsheim von hügeligen Waldungen, Wiesen und Weinbergen. Die Gundelsheimer Weinlage "Himmelsreich" ist weit bekannt und der edle Wein, der über den Steillagen am Neckar wächst, ist unter Weinkennern begehrt 

Zur Geschichte

Funde belegen, dass das Gebiet um Gundelsheim schon sehr früh besiedelt war. Aus der jüngeren Steinzeit stammt eine so genannte Serpentinenaxt. Sie ist im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe zu sehen. Die Kelten hinterließen unter anderem eine Grabstätte. Zahlreiche Ausgrabungen wie Götterfiguren, und Tonscherben weisen auch auf eine Besiedlung der Römer hin. Zeugnisse aus der fränkisch-alemannischen Zeit sind wiederum Grabfunde mit wertvollen Beigaben.

Der Name Gundelsheim geht wahrscheinlich zurück auf Gundolfsheim, also einen Personennamen. Die Endung -heim weist auf eine fränkische Gründung hin. Die erstmalige urkundliche Erwähnung reicht zurück in das Jahr 767, in die Zeit Karls des Großen. Im 12. Jahrhundert wurde die Burg Horneck erbaut. Wie in vielen Fällen ist auch hier die Geschichte der Stadt eng verknüpft mit der der Burg und des späteren Schlosses. 

Bedeutung erlangte Gundelsheim, als Konrad von Horneck 1250 in den Deutschen Ritterorden eintrat und diesem seinen Besitz, darunter auch die Burg, schenkte. Der Orden entstand während der Kreuzzüge zum Schutz und zur Pflege der Kranken im Heiligen Land. Durch Schenkungen und Eroberungen kam er zu vielen Besitzungen. 1378 erhielt Gundelsheim von Kaiser Karl IV. das Stadtrecht, das ab 1398 mit dem Recht verbunden war, jedes Jahr zwei Jahrmärkte sowie einen gewöhnlichen Wochenmarkt abzuhalten. Nach der Verleihung des Stadtrechts wurde Gundelsheim befestigt. 

Die Burg wurde nach und nach vergrößert. Um 1420 wurde sie für etwa ein Jahrhundert Residenz der Deutschmeister. Nachdem sie 1525 im Bauernkrieg zerstört worden war, blieb sie nach dem Wiederaufbau im Besitz des Deutschordens. Der Deutschmeistersitz wurde jedoch nach Mergentheim verlegt. Das neu entstandene Renaissanceschloss Horneck wurde einfache Komturei.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) hatte Gundelsheim unter Truppendurchmärschen und Einquartierungen zu leiden. Stadt und Schloss wurden vor allem in der zweiten Hälfte des Krieges in Kampfhandlungen verwickelt und mussten mehrfach wechselnde Besatzungen ertragen. In den verschiedenen Erbfolgekriegen des 18. Jahrhunderts blieb Gundelsheim mit Ausnahme von einigen Einquartierungen weitgehend verschont.

Auf Befehl Napoleons nahmen 1805 württembergische Truppen die Stadt ein und lösten den Deutschorden auf. Durch die Eingliederung zu Württemberg verlor Gundelsheim seine Amtseigenschaft und blieb bis 1817 Unteramt im Oberamt Neckarsulm. Während dieser Zeit wurden auch die Stadttore, die Wehrtürme und ein großer Teil der Stadtmauer abgerissen.

Im Zweiten Weltkrieg erlitt Gundelsheim nur geringe Schäden durch Luftangriffe. Es konnten daher in den Jahren danach rund 1000 Heimatvertriebene aufgenommen werden. Die städtischen Einrichtungen mussten der sprunghaft angestiegenen Einwohnerzahl angepasst werden. Nach 1960 wurde Schloss Horneck als "Heimathaus Siebenbürgen" Altenheim für Siebenbürger Sachsen und deren kulturelles Zentrum in der Bundesrepublik Deutschland.

Sehenswertes

Schloss Horneck / Siebenbürgisches Museum

Stadtkirche St. Nikolaus

Die heutige katholische Stadtpfarrkirche St. Nikolaus hat ihre Anfänge in der mittelalterlichen Annakapelle. Sie diente von Anfang an als Spitalkirche des Deutschordens und nicht als Pfarrkirche. Diese war jedoch nicht identisch mit dem heutigen Anbau einer Annakapelle aus dem frühen 15. Jahrhundert. Die frühere Annakapelle reichte vom Chor bis zum Turm. Die neue Annakapelle wurde zusammen mit dem Turm errichtet, während das Langhaus erhalten blieb. Der Chor wurde wohl etwas später angefügt. Im Laufe der Jahrhunderte erlebte das Gotteshaus mehrfach Umbauten, zuletzt im Jahre 1923, als das Schiff nach Westen verlängert wurde.

Um 1700 musste die Stadtkirche wegen Baufälligkeit restauriert werden. Aus dieser Zeit stammt die barocke Decke des Mittelschiffs. Die südlich angebaute Seitenkapelle, die heute auch als Frühmesskapelle dient, wird von einem gotischem Netzgewölbe überspannt. Der Turm ist in seinen drei unteren Geschossen gotisch. Das oberste Geschoss ist barock. Nur die westliche Wand ist massiv, die drei anderen Mauern bestehen aus Fachwerk und sind glatt verputzt.

Die Nebenaltäre sind, wie auch der Hauptaltar und die Kanzel, aus einfachem Tannenholz gefertigt und marmorähnlich übermalt. Sie sind dem Heiligen Josef und Maria geweiht. Der Hauptaltar ist zu Ehren des Heiligen Nikolaus von Myra errichtet. Er trägt als Symbol drei goldene Äpfel und Brote. Zu beiden Seiten stehen Figuren des heiligen Urban und des heiligen Blasius. Über den beiden Bögen, die vom Mittelschiff zur Frühmesskapelle führen, hängt ein gotisches Kruzifix, das zu den wertvollsten Ausstattungsstücken der Stadtkirche gehört. Über dem Chorbogen erkennt man drei Wappen, wobei das mittlere das Hochmeisterwappen mit Fürstenkrone und Krummstab ist und die beiden seitlichen Wappen von Komturen darstellen.

Der Altar der Frühmesskapelle ist im Zopfstil gehalten. Er zeigt ein Relief mit Maria und Anna auf Thronsesseln, dem Jesuskind und Engeln. In den Seitenflügeln erkennt man, ebenfalls als Relief, St. Katharina und St. Barbara. An der Südseite befinden sich zwei Grabplatten von Deutschordensrittern. Die Tatsache, dass fast alle Heiligen der 14 Nothelfer in der Kirche zu finden sind, weist darauf hin, dass es sich ursprünglich um eine Spitalkirche gehandelt hat.

Kapelle St. Georg

Bis zum Jahre 1300 diente eine Michaelskapelle als Pfarrkirche von Gundelsheim. Als der Deutschorden ansässig wurde, schenkte er dem Ort die Georgskirche als neue Pfarrkirche. Die Georgskapelle wurde erstmals im Jahre 1295 urkundlich erwähnt. Der wesentlich höhere Chor wurde 1472 angebaut. Die Kapelle St. Georg steht inmitten des Friedhofes und dient heute als Friedhofskapelle.

Die Holzkassettendecke im Kirchenschiff stammt aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wie auch so manches Ausstattungsstück. Der Altar, der von 12 Leuchtern umgeben ist, entstand ebenso in der Nachkriegszeit wie das Kruzifix. Von der ursprünglichen Ausstattung ist fast nichts mehr erhalten. Lediglich eine Madonna an der Nordwand des Schiffes ist aus dem 15. Jahrhundert. Sie gehörte aber möglicherweise zur Schlosskapelle von Schloss Horneck. Beachtung verdienen auch einige schöne Grabsteine aus dem 16. Jahrhundert.

Michaelskapelle

Weitere Sehenswürdigkeiten

Für den interessierten Besucher lohnt sich bei einem Stadtrundgang auch eine Besichtigung einzelner Fachwerkbauten und anderer Gebäude, wie der Apotheke (ehemaliges Spital), der Kaplanei, des Hauses Wintergasse 1oder der evangelischen Stadtkirche.

Freizeitangebote

Auch für sportlich Ambitionierte hat Gundelsheim einiges zu bieten. Wassersportler finden auf dem Neckar ein romantisches Revier. Radfahrer haben Anbindung an ein umfassendes Radwegnetz entlang der Flusstäler von Neckar, Kocher und Jagst. Im ehemaligen Schlossgarten befindet sich ein Terrassenfreibad. Die umliegenden Hügel und Weinberge laden zu ausgiebiegen und erholsamen Wanderungen ein.

Burgenstraße

 

 

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Burgenstraße

1 Mannheim – Neckarzimmern

2 Haßmersheim – Heilbronn

2.01 Haßmersheim
2.02 Burg Guttenberg

2.03 Gundelsheim – Deutschordensstadt
2.04 Schloss Horneck

2.05 Bad Rappenau
2.06 Bad Rappenau – Kuranlagen
2.07 Heinsheim – Burgruine Ehrenberg – Schloss Heinsheim

2.08 Offenau

2.09 Bad Wimpfen
2.10 Wimpfen im Tal
2.11 Wimpfen am Berg
2.12 Ehemalige Kaiserpfalz

2.13 Bad Friedrichshall
2.14 Kochendorf – Greckenschloss
2.15 Wasserschloss Lehen
2.16 Hagenbach
2.17 Schloss Heuchlingen
2.18 Jagstfeld
2.19 Duttenberg – Burg Duttenberg
2.20 Untergriesheim

2.21 Oedheim

2.22 Möckmühl

2.23 Neckarsulm

2.24 Heilbronn
2.25 Kiliansplatz, Kilianskirche, Rathaus, Käthchenhaus
2.26 Weitere Sehenswürdigkeiten in Heilbronn

3 Jagsthausen – Rothenburg o. d. Tauber

4 Colmberg – Nürnberg

5 Erlangen – Heiligenstadt

6 Bamberg – Bayreuth

7 Cheb – Prag

 

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